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CD-Besprechung

Carmina Burana Sacri Sarcasmi

Arcana A 353

1 CD • 69min • 2008

07.01.2010

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Jeder Versuch, mittelalterliche Musik dem Zuhörer des 21. Jahrhunderts nahezubringen, ist mit Neugier, Spannung, aber auch Risiken verbunden. Spannung und Neugier resultieren aus dem geheimnisvollen Dunkel, das die in der Regel bruchstückhaft überlieferten Dokumente umgibt. Nur durch mühsame wissenschaftliche Arbeit sind die Quellen aus einer von Fronarbeit, Pestilenz, Folter, Hunger, Kampf und Naturgewalten geprägten Umwelt zu entziffern. Und vor diesem Hintergrund kaum nachzuvollziehen ist die Wirkung geistlicher und profaner Gesänge, Klänge und Tänze, die sich vor mehr als achthundert Jahren unwiederbringlich in Schall und Rauch aufgelöst haben.

Ob gerade die Texte eines später zusammengebundenen Pergament-Codex aus dem Kloster Benediktbeuern ein realistisches Mittelalter-Verständnis vermitteln können, ist mehr als fraglich. Abgesehen von dem irrtümlichen Titel, den die „Carmina Burana“ von dem Historiker Johann Andreas Schmeller erst im Jahre 1847 (!) nach ihrem Fundort verliehen bekamen, verdanken sie ihren Weltruhm und Popularität letztlich dem gleichnamigen, genialen Chorwerk von Carl Orff aus dem Jahre 1937. Aber es bedurfte einer weiteren Generation, bis die Musikwissenschaft die „Urquellen“ soweit erschlossen hatte, dass sich mit entsprechendem Eifer auch die praktischen Musiker mit historischem Instrumentarium dem vermutlichen Originalklang zu nähern wagten.

Hier nun stellt sich ein voller kreativer Ideen steckendes junges Spezialensemble aus Italien vor: La Reverdie, deren je vier Damen und Herren neben ihren gesanglichen Fähigkeiten durch die Beherrschung aller wichtigen höfischen Musikinstrumente des Mittelalters glänzen. So verteilen sich die Rollen der Ausführenden wechselweise auf Vokalpartien, Flöten, Viella, Lauten, Kithara, Harfe, Psalterium, Cornetto, Drehleier, Glöckchen und Schlagwerk. Von ihren Konkurrenten (u.a. der Boston Camerata 1996 und dem Clemencic Consort 2008) heben sie sich durch das originelle Programmkonzept einer Auswahl lateinischer Textvorlagen zum Thema zeittypischer „Heiliger Sarkasmen“ (Sacri Sarcasmi) ab. Freilich auch mit dem selbstauferlegten Zwang zu künstlerischen Freiheiten, zu denen sie sich in einer umfangreichen, mustergültig redigierten Broschüre als CD-Beilage bekennen. Und dort, wo selbst die Quellen keine Vergleichsmöglichkeit oder Fundorte für eine Melodie hergeben, übernimmt ein (mittelalterlich?) theatralisches Rezitieren des Textes die Ersatzfunktion. Alles in allem ist ein passables und museales Vorzeige-Klangdokument entstanden, soweit es der gegenwärtige musikwissenschaftliche Wissensstand für möglich hält.

Dr. Gerhard Pätzig [07.01.2010]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Anon.
1Bonum est confidere 00:04:33
2Adtende lector! 00:00:42
3Dic Christi Veritas 00:02:37
4Dic Christi Veritas 00:06:17
5Heu nostris temporibus 00:01:36
6Flete perhorrete 00:04:33
7Ad cor tuum revertere 00:05:53
8Curritur ad vocem 00:02:13
9Omittamus studia 00:07:15
10Carmen ante litteram 00:03:34
11Justice and injustice CB 19 00:02:49
12Slanders who sow the seeds of discord CB 12 00:02:32
13Hail, Mary, full of grace and pure CB 11 00:03:24
14La quarte estampie royal 00:02:15
15Tempus trasit gelidum 00:04:47
16Olim sudor Herculis 00:07:38
17Eunt ambe virgines 00:01:52
18Frigus hinc est horridum 00:03:32

Interpreten der Einspielung

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