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CD-Besprechung

J.S. Bach

Cantatas 45

J.S. Bach

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9

Klangqualität:
Klangqualität: 9

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Besprechung: 28.01.10

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BIS 1801

1 CD/SACD stereo/surround • 66min • 2009

Drei Kantaten aus dem so genannten dritten Kantatenjahrgang (1725-1727) vereinigt die vorliegende CD. Im Unterschied zu seinen ersten beiden Dienstjahren als Thomaskantor in Leipzig schrieb Bach jetzt nicht mehr für jeden Sonntag eine neue Kantate, gelegentlich griff er auch auf Werke von Kollegen zurück; Kompositionen seines entfernten Verwandten Johann Ludwig Bach (1677-1731), Hofkapellmeister in Meiningen, standen bei ihm dabei besonders hoch im Kurs. Manchmal zog Bach auch die Textquelle des Vetters, eine 1704 in Meiningen gedruckte Sammlung geistlicher Dichtungen, für eigene Werke heran – so im Fall von Brich den Hungrigen das Brot BWV 39 und Es wartet alles auf dich BWV 187. Am Anfang dieser Meininger Dichtungen stand gewöhnlich ein Wort aus dem Alten Testament, in BWV 39 eine ausführliche Textstelle aus Jesaja. Meisterlich vertont Bach den mit 60 Wörtern ungewöhnlich langen Text, indem er einerseits dem altbewährten Formschema der Motette folgt, andrerseits durch Wiederholungen und Rückkoppelungen ein Netz von thematischen Bezügen über den ausgedehnten Satz spannt. BWV 187 wurde von Bach als Steinbruch für seine Messe in g-Moll benutzt: Vier Stücke dieser Kantate tauchen hier wieder auf und zeugen so von Bachs eigener Wertschätzung für dieses „Kirchenstück“.

Gelobet sei der Herr, mein Gott BWV 129 ist als Teil des Choralkantatenjahrgangs 1724/25 überliefert, gehört aber zu den später komponierten Stücken, mit denen Bach versuchte, das im Mai 1725 aufgegeben Unternehmen eines gesamten Jahrgangs an Choralkantaten zu vervollständigen. Gelobet sei der Herr, mein Gott ist im Jahr 1726 entstanden, entweder für den Trinitatis-Sonntag (16. Juni 1726) oder für das Reformationsfest desselben Jahres. Im Unterschied zu den früheren Choralkantaten legt Bach hier den gesamten Choraltext seiner Komposition zugrunde, anstatt auf ihn nur für den Anfangs- und Schlusschor zurückzugreifen und für die Rezitative und Arien des Mittelteils auf freie Nachdichtungen des Chorals zu verwenden. Das mit Pauken und Trompeten festlich besetzte Orchester übersteigt freilich die bei Bach sonst für beide Feste übliche Besetzungsgröße – möglicherweise hat Bach diese Kantate als repräsentativen Abschluss einer Veröffentlichung des fertiggestellten Jahrgangs vorgesehen.

Die in der Besprechung zu Band 44 geäußerte Befürchtung, Peter Kooij nähere sich jetzt, in der Mitte seiner 50er Jahre, langsam an die biologischen Grenzen seiner Wirksamkeit als Sänger, darf für diese 2009 aufgenommene CD nicht aufrechterhalten werden, der alte Schmelz seiner Stimme ist wieder da, und an seinen Fähigkeiten als berufener Bach-Interpret konnte ohnehin nie ein Zweifel bestehen. Auch Robin Blaze ist über jeden Zweifel erhaben, schlank und ganz ohne das gelegentlich bei Kontratenören störende „Meckertimbre“ meistert er auch intonatorisch schwierige Stellen seiner Arien ohne jedes Problem. Nicht ganz soviel Freude bereitet die zeitweilig etwas zur Schärfe neigende Stimme der Sopranistin Yukari Nonoshita.

Am Schluss wartet die CD noch mit einem Clou auf: Es erklingt die Sinfonia D-Dur für Violine und Orchester BWV 1045. Das Booklet schildert die spannende Überlieferungsgeschichte dieses Werkes, das offensichtlich den Eröffnungssatz einer Kantate für vier Singstimmen und ein mit Pauken und 3 Trompeten groß besetztes Orchester darstellen sollte. Untersuchungen des Notepapiers weisen auf die Jahre 1742/43, doch legen der außerordentlich virtuose Solopart der Geige und andere stilistische Eigentümlichkeiten des Satzes nahe, dass Bach als Grundlage dieser Sinfonia einen Satz eines nach italienischem Vorbild gebauten Konzerts aus seiner Weimarer Zeit um 1712/13 oder gar früher verwendet hat.

Dieses herrliche Instrumentalwerk ist ein großartiger Abschluss für die jüngste CD von Masaaki Suzukis Gesamteinspielung der Bach-Kantaten, die sich auch in dieser weit fortgeschrittenen Phase in alter Frische präsentiert.

Detmar Huchting [28.01.2010]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 J.S. Bach Brich dem Hungrigen dein Brot BWV 39 (Kantate) 00:20:20
8 Es wartet alles auf dich BWV 187 (Kantate) 00:20:04
15 Gelobet sei der Herr, mein Gott BWV 129 (Kantate) 00:17:28
20 Sinfonia D-Dur BWV 1045 00:06:28

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Yukari Nonoshita Sopran
Robin Blaze Countertenor
Peter Kooij Bass
Bach Collegium Japan Orchester
Masaaki Suzuki Dirigent
 
1801;7318599918013

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