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CD/SACD stereo-Besprechung zum Thema
Musik aus Polen

Baroque in Poland

Church and Court Music

Ars Produktion 38 065

1 CD/SACD stereo • 68min • 2009

12.01.2010

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Der barocken Musikkultur Polens wurde bislang nicht nur auf dem Tonträgermarkt kaum Aufmerksamkeit zuteil. Das könnte sich mit der Einspielung von vokalen und instrumentalen Kammermusiken der wichtigsten polnischen Barockmeister ändern.

Zu Beginn des 17. Jahrhunderts war die unter starkem italienischem Einfluss stehende königliche Kapelle Warschau das Zentrum der Musikpflege in Polen. Hier wirkten beispielsweise Luca Marenzio und Tarquinio Merula, die mit ihrem virtuosen und kontrastreichen Stil zunächst dafür sorgten, dass ein spezifisch polnisches Repertoire nur wenig Beachtung fand; ein Repertoire, das mit der im Laufe des 17. Jahrhunderts wachsenden Zahl musikalischer Zentren, vor allem mit den nach und nach immer mehr an Bedeutung gewinnenden Kirchenkapellen aber merklich populärer wurde. Eine Musik, die den konzertierenden und an Ornamentik reichen italienischen Stil zwar nicht abstreifte, ihn aber auf oft recht delikate Weise mit Elementen der polnischen Volksmusik unterfütterte, wie es die herrlich erfrischenden Mazurka-Anklänge in Marcin Mielczewskis (1590-1651) Canzone prima a 2 (für zwei Violinen und B.c.) belegen. Interessanterweise finden sich in der Vokalmusik dieser Zeit auch Spuren der im 16. Jahrhundert von den Franko-Flamen nach ganz Europa getragenen klassischen Vokalpolyphonie – dazu höre man das mehrteilige geistliche Konzert In dulci jubilo für Sopran, zwei Violinen und Basso continuo Maciej Wronowiczs (ca. 1645-ca. 1700).

Vielleicht ließen sich die einen Bogen von der Renaissance bis zum Barock spannenden Werke dieser CD als ein Zusammenwirken von niederländischer Kompositionstechnik, italienischem Stil und – besonders im Bereich des Rhythmischen – polnischem Wesen charakterisieren. Doch verzichten sie, lässt man kontrastierende Satzcharaktere wie in Stanislaw Sylvester Szarzynskis (ca. 1670-1713) Sonata a due violini con basso pro organo außer Acht, bei allen Italianismen auf den Affektenreichtum der italienischen Musik dieser Zeit. Es ist eine Musik, die nicht nur handwerklich keinen Vergleich mit der Musik anderer europäischer Nationen im 17./18. Jahrhundert zu scheuen braucht: leicht fassbar, periodisch übersichtlich gebaut, bisweilen von bezaubernder Eleganz und Leichtfüßigkeit.

Auf hohem Niveau bewegen sich auch die gewandten und klangschönen Interpretationen des ausgesprochen homogen agierenden Ensembles alla polacca, das von dem geschmeidigen und anmutigen Sopran Iwona Lesniowska-Lubowiczs geadelt wird, der trotz brillanter Verzierungs- und Koloraturtechnik zu keiner Zeit überzüchtet wirkt. Und doch hätte ich mir von sämtlichen Ausführenden eine kontrastreichere Lesart dieser Musik gewünscht – selbst von der ausdrucksintensiven, ganz dem italienischen Barock verpflichteten Kammerkantate In martirio crudele für Sopran, zwei Violinen und Basso continuo des Italieners Giovanni Battista Luparini (ca. 1700-1775), einem Kapellenmitglied der Krakauer Jesuitenkirche.

Christof Jetzschke [12.01.2010]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Marcin Mielczewski
1Canzona prima a 2 00:08:46
Maciej Wronowicz
2In dulci iubilo (Concerto a 3) 00:08:18
Adam Jarzebski
3Berlinesa (Concerto a 3) 00:04:25
Jan Podbielski
4Preludium 00:01:38
Anon.
5Canzona primi toni (aus "Warschauer Orgeltabulatur") 00:03:37
Stanislaw Sylwester Szarzynski
6Jesu spes mea (Concerto a 3) 00:04:46
7Veni, Sancte Spiritus (Concerto a 3) 00:07:04
8Sonata a due violini con basso pro organo 00:06:43
Antoni Milwid
9Semper mi Jesu (Kantate) 00:07:42
Kaspar Förster
10Sonate G-Dur 00:06:21
Giovanni Battista Luparini
13In martirio crudele (Kantate) 00:07:43

Interpreten der Einspielung

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