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CD-Besprechung

Julius Reubke

Complete Works for Piano and Organ

Julius Reubke

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 7

Klangqualität:
Klangqualität: 8

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Besprechung: 10.11.09

cpo 777 467-2

1 CD • 76min • 2008

Bei manchen Komponisten weiß man ob der schieren Quantität ihres Oeuvres kaum, wo mit Einspielungen anfangen. Bei Julius Reubke steht man, ähnlich wie bei Maurice Duruflé vor der gänzlich umgekehrten Situation. Der 1834 in Hausneindorf geborene Sohn des zur damaligen Zeit hochangesehenen Orgelbauers Adolf Reubke hat gerade so viele Werke für das Pianoforte und die Orgel hinterlassen, das diese auf eine CD passen. Die „Gesamteinspielung“ liegt nun beim Osnabrücker Label cpo vor und es beschleicht einen das Gefühl, welches bei früh verstorbenen und hochbegabten Musikern öfters aufkommt – was hätte er noch alles komponieren können, wenn – ja, wenn er nicht bereits im Alter von 24 Jahren am 3. Juni 1858 in Pillnitz bei Dresden der Schwindsucht erlegen wäre. Es ist nicht der frühe Tod des Komponisten, sondern die Güte seiner Werke, welche die vorliegende CD hörenswert macht. Das Ansehen, welches er in seinem Lehrer- und Freundeskreis bereits in jungen Jahren genoss, war beeindruckend und sein Tod veranlasste z.B. Peter Cornelius zu einem mehrstrophigen Trauergedicht.

Unterrichtet und gefördert vom damaligen Star des Pianistenszene Franz Liszt und beeinflusst vor allem vom Schaffen Richard Wagners sind Reubkes Kompositionen zwar keine selbständigen und stilistisch autarken Werke, aber sie greifen den erreichten Stand Liszts und Wagners auf und zeigen die Möglichkeiten einer formalen und klanglichen Weiterentwicklung auf.

Die vorliegende Einspielung mit den beiden Interpreten Paolo Marzochi (Klavier) und Luca Scandali (Orgel) gibt einen sehr guten Einblick in die Vielschichtigkeit von Reubkes Schaffen. Vor allem die große Klaviersonate in b-Moll, die sich zwar durch Liszts große h-Moll-Sonate inspiriert zeigt, in formaler und auch orchestraler Klanglichkeit aber durchaus eine eigenständige Fortschreibung darstellt, wird vom Interpreten meisterhaft dargeboten. Durchsichtiges Spiel, nur ganz selten der Versuchung eines zu opulenten Klangbades erliegend und stets mit gesanglicher Linienführung – große Musik, großartig gespielt. Lediglich bei der Aufnahme hätte man sich ein wenig mehr Abstand zum Instrument gewünscht, es klingt doch mehr nach größerem Wohnzimmer denn nach festiver Saalakustik, welche gerade für die großen orchestralen Momente den entsprechenden Raum bieten würde.

Die Einspielung der drei Stücke für die Orgel (darunter mit dem Adagio e-Moll eine Welt-Ersteinpielung) wird diesem Niveau leider nicht ganz gerecht. Das Trio in Es ist stellenweise nur mit Anstrengung anzuhören. Die Wahl der Registerfarben suggeriert dem Zuhörer, das man gerne die beiden Diskantstimmen besser klanglich gegeneinander abgesetzt hätte, wenn das Instrument die Möglichkeiten dazu gehabt hätte. Genau dies kann man der Ladegast-Orgel (erbaut 1868-1871) im Dom zu Schwerin nun beileibe nicht vorwerfen. Eines der Meisterstücke aus der Werkstatt des damals führenden Orgelbauers aus Weißenfels bietet reizvolle und kontrastreiche Register im Überfluss und hätten eine adäquatere Realisierung sicherlich möglich gemacht.

Bei der Aufnahme des 94. Psalms bleibt der Rezensent stellenweise ratlos zurück. Hatte doch Julius Reubke den Zuhörern der Aufführung seines Werkes den Bibeltext des Psalms abdrucken und austeilen lassen, um die textlichen Bezüge in seiner „sinfonischen Orgeldichtung“ noch deutlicher zu machen, so macht der Interpret der vorliegenden Einspielung nur selten von einer intensiven Text-Klang-Beziehung Gebrauch. Gerade im zweiten Satz („Herr, wie lange sollen die Gottlosen prahlen? Wittwen und Fremdlinge erwürgen sie und tödten die Waisen und sagen: der Herr sieht es nicht und der Gott Jacobs achtet es nicht.“) klingen viele sequenzierte Passagen zusammenhanglos nebeneinander gestellt und der Zuhörer fühlt sich ein ums andere Mahl mit diesen großen Klangmassen allein und führungslos. Schade um die teilweise verpassten Chancen. Aber alleine schon um des sensationellen Instrumentes willen – ein Meisterstück deutsch-romantischen Orgelbaus – sollte man diese Einspielung anhören.

Frank Höndgen [10.11.2009]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 J. Reubke Klaviersonate b-Moll 00:30:48
4 Scherzo d-Moll für Klavier 00:07:07
5 Mazurka E-Dur für Klavier 00:03:36
6 Adagio e-Moll für Orgel 00:04:23
7 Trio E-Dur für Orgel 00:03:04
8 Sonate c-Moll (Der 94. Psalm) 00:26:40

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Paolo Marzocchi Klavier
Luca Scandali Orgel
 
777 467-2;0761203746729

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