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CD-Besprechung

cpo 777 412-2

1 CD • 55min • 2008

17.11.2009

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Der Komponist, Dirigent und Organist Hermann Hans Wetzler war ein Pendler zwischen der Alten und der Neuen Welt. 1870 in Frankfurt am Main geboren, in den USA aufgewachsen, zum Studium am Hoch’schen Konservatorium (unter anderem bei Clara Schumann und Engelbert Humperdinck) nach Deutschland zurückgekehrt, machte er in Amerika als Leiter seines eigenen Orchesters (das 1904 Richard Strauss als Dirigenten der Uraufführung seiner Sinfonia domestica am Pult sah) Karriere, wirkte danach als Opernkapellmeister und Gastdirigent in verschiedenen deutschen Städten, in England und der Schweiz und verbrachte seine letzten Lebensjahre, nachdem er in Deutschland 1935 mit Aufführungsverbot belegt worden war, wiederum in New York, wo er 1943 starb.

Wetzlers umfangreichstes Orchesterwerk Visionen (ursprünglich „Silhouetten“ betitelt) hatte 1923 in Köln unter Hermann Abendroth Premiere und wurde danach in zahlreichen Städten Deutschlands und Amerikas aufgeführt. Nach den Worten des Komponisten handelt es vom Ringen des menschlichen Geistes, setzt in einem tief empfundenen Adagio Michelangelos Sonett Beschwert von Jahren in Klang um, lässt in einem dämonischen Scherzo den Fährmann Charon aus Dantes Inferno auftreten, parodiert in einem ironischen Intermezzo die flüchtige Welt der Erscheinungen und steigert sich schließlich zu einer Vision des Göttlichen. Anknüpfend an Richard Strauss entwickelt Wetzler auf der Basis einer stark chromatisch eingefärbten Tonalität eine sehr plastische und ausdrucksstarke Klangsprache. Nicht nur die brillante Instrumentation weist auf eine Affinität Wetzlers zu Franzosen wie Dukas oder Roussel hin, manche Passagen lassen auch an Prokofieff denken.

Angeregt durch eine Italien-Reise entstand 1924 die Legende für Orchester Assisi. Wetzler faszinierte an Franz von Assisi eine „göttliche Verbindung von Kraft und unsäglicher Zartheit“. Beides findet man in dem fünfteiligen Werk, das unter 84 Einsendungen den Preis im Wettbewerb der Chicago North Shore Festival Association errang und in Chicago uraufgeführt wurde. Die Robert-Schumann-Philharmonie aus Chemnitz unter der Leitung ihres Chefdirigenten Frank Beermann bewährt sich hier einmal mehr in der „Vogelpredigt“ mit vorzüglichen Soli von Cello und Holzbläsern, in der grandiosen Naturschilderung von „Schwester Sonne“ oder dem ergreifenden Schlussbild „Bruder Tod“. Der rührigen Firma cpo in Verbindung mit Deutschlandradio Kultur ist mit der Wiederentdeckung dieser unmittelbar ansprechenden, farbenreichen und suggestiven Musik eine weitere wertvolle Repertoirebereicherung gelungen.

Sixtus König † † [17.11.2009]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Hermann Hans Wetzler
1Visionen op. 12 00:32:47
7Assisi op. 13 (Legende für Orchester) 00:21:24

Interpreten der Einspielung

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