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CD-Besprechung

C.M. v. Weber

BIS 1 CD/SACD stereo/surround 1620

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Besprechung: 07.08.09

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BIS 1620

1 CD/SACD stereo/surround • 68min • 2006, 2008

Der „kontroverse Journalist“ ist bekanntlich stets darauf aus, ein Haar in der Suppe zu finden – und das selbst dann, wenn gar keine solche auf dem Tische steht. Weshalb ich auch sofort meinen gewichtigsten Einwand gegen diese Produktion mit einem Donnerworte zu formulieren mir vorgenommen habe: „Warum“, müssen sich die Damen und Herren der Tapiola Sinfonietta fragen lassen, „warum haben Sie nicht auch gleich Carl Maria von Webers Klavierkonzerte aufgenommen und alles zusammen in einem Zweierset veröffentlicht? Können Sie sich eigentlich vorstellen, wie ›halbgesättigt‹ man sich fühlt, wenn schon nach einer Stunde und sieben Minuten Schluß ist mit Ihren Ausführungen?“

Kurz gesagt: Die beiden Sinfonien nebst dem Konzert F-Dur und dem Andante e Rondo ungarese für Fagott sind in dieser Einspielung nicht nur hörens-, sondern vom ersten bis letzten Augenblick auch restlos empfehlenswert. Jean-Jacques Kantorow und die Tapiola Sinfonietta verstehen Weber ohne jeden Zweifel nicht als den „Komponisten des Freischütz“, der sich gerade auf instrumentalem Gebiet manches geleistet hat – sondern sie nehmen ihn als selbständige Persönlichkeit so ernst, wie er es eben auch abseits seiner größten Bühnenerfolge verdient.

Wobei nun wieder „ernst“ nicht mit „seriös“ zu verwechseln ist. Die Sinfonien, namentlich die achtzehnminütige Zweite mit ihren köstlichen Miniatursätzchen 2-4 und der lapidar abwinkenden Schlußgebärde, werden nie und nimmer aus den Startlöchern kommen, wenn man sie mit gewichtigsten Bedeutungen behängt: Sie sind kein Versuch, mit dem großen Ludwig van Beethoven zu konkurrieren, sondern bilden (wie zum Beispiel auch das zweite Klavierkonzert) die komplementäre Rückseite ein- und derselben Medaille, sind Geistesverwandte mehr des fürstlich-eszterházyschen als des Londoner Haydn und deshalb vor allem schäumende, quirlende, prickelnde Unterhaltung.

Und genauso wird hier musiziert. Bis hin zu jenen takt- und phrasenübergreifenden Klammern, die, Beethoven nicht unähnlich, übergeordnete Strukturzusammenhänge harmonisch und metrisch zusammenschweißen, aber auch bis zu den kapriziösen Sentimentalismen und lockeren Gesten der filigranen Sätze wird alles mit einem feinen Empfinden für echten Humor und unübertriebene Zärtlichkeiten, mit knisternder rhythmischer Aktion und exzellenter Raum-Klang-Organisation umgesetzt. Der Solofagottist Jaakko Luoma darf in dieser Hinsicht besonders glänzen: denn ihm wäre es sicherlich ein leichtes, seinen hölzernen Tieftöner zu allerlei vordergründigen Albereien zu benutzen, anstatt ihn, wie es ihm so ungemein überzeugend gelingt, mit dem virtuosen Anstand eines „Spaßmachers“ einzusetzen, der – ganz Bajazzo – auch die sensiblen Seiten des Daseins und die Wirkungen einer schön gesungenen Kantilene aufs Gefühlsleben der Zuhörer kennt. Und weil sowohl in den „fagöttlichen“ Szenen wie auch in den beiden Exemplaren des etwas anders getakteten Sinfonikers Weber ein derart uneingeschränktes Vergnügen zu erleben ist, sind in meinen Augen und Ohren nur drei Höchstnoten möglich, verbunden mit dem Wunsche, recht bald auch eine Einspielung der Klavierkonzerte (und die schon erschienenen Klarinettenkonzerte) in meiner unmittelbaren Hörweite zu haben.

Rasmus van Rijn [07.08.2009]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 C.M. v. Weber Sinfonie Nr. 2 C-Dur J 51 00:18:11
5 Andante e Rondo ungarese c-Moll op. 35 J 158 00:09:03
7 Konzert F-Dur op. 75 J 127 für Fagott und Orchester 00:16:45
10 Sinfonie Nr. 1 C-Dur op. 19 J 50 00:22:36

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Jaako Luoma Fagott
Tapiola Sinfonietta Orchester
Jean-Jacques Kantorow Dirigent
 
1620;7318599916200

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