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CD-Besprechung

Johann Christoph Pepusch Tenor Cantatas & Recorder Sonatas

enchiriadis EN 2024

1 CD • 66min • 2006

06.07.2009

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 7
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 7

Johann Christoph Pepusch (1667-1752) ist eine viel zu selten gewürdigte Schlüsselfigur der englischen Musikgeschichte. Als erfolgreicher Londoner Konkurrent Händels, Organist, Musikdirektor, Doctor der Oxford University, Gründer der Academy of Ancient Music und Madrigal Society, schließlich als Herausgeber einer Gesamtausgabe der Werke Corellis auch „italienisch“ beeinflußter Komponist preußischer Herkunft genoß er allgemeine öffentliche Anerkennung. Der besondere Erfolg seiner musikalischen Bearbeitung der Beggar’s Opera von John Gay (1728), deren Nachwirkungen bis hin zu Brecht-Weills Dreigroschenoper reichen, soll angeblich sogar den gefeierten Händel zum Abschied vom Opernschaffen hin zu den großen Oratorienvertonungen bewogen haben. Wahrheit oder Legende? Historischer Abstand hat längst die Werteskala zugunsten Händels verschoben, macht aber gerade vor diesem Hintergrund immer noch jede Begegnung mit den kammermusikalischen Schöpfungen von Pepusch interessant. Ohnehin ist die Liste der von ihm erhaltenen Werke nach dem Verlust aller größeren bühnendramatischen Beiträge schmal. Relativ klein ist daher auch die Anzahl der CD-Produktionen. Bezeichnend dafür mag dieses Vorhaben einer noch als Geheimtip einzustufenden kleinen Produktionfirma in Spanien mit dem Etikett „enchiriadis“ sein.

Mit dem vorliegenden Programm wird nun der Sprung in die Europäische Union gewagt. Freilich verbinden sich damit einige editorische Schwächen, z.B. spanische Titelangaben, Instrumentenbezeichnungen und eine ausschließlich spanische Übersetzung der altenglischen Textvorlagen für die madrigaleske Liebeslyrik der Solo-„cantatas“ von Pepusch. Immerhin enthält das Beiheft einige mehrsprachige Werkerläuterungen und Künstlerbiographien, entwertet allerdings durch den künstlerischen Ehrgeiz des Grafikers, der ausnehmend klein geratene Schrift verwendet. Zum Teil schlecht belichtete, wenig aussagekräftige Fotos beanspruchen das weitere, „europäisch“ durchaus sinnvoller zu füllende Layout. Zustimmung dagegen verdient der klingende Inhalt der CD-Scheibe. Allen Mitwirkenden vorangestellt sei der jugendliche Tenor Félix Rienth. Mit stimmschöner Sprachgewandtheit erfüllt er alle Voraussetzungen für Vortragsfinessen der altenglischen Barocklyrik in der Form ausdruckstarker Rezitativ- und Belcanto-Partien. Aber auch die Continuogruppe zeigt überzeugende Vertrautheit mit der historisierenden Spielpraxis.

Die Leiterin des Ensembles La Tempesta Basel, Gründerin und zugleich virtuose Beherrscherin des barocken Blockflötenspiels ist Muriel Rochat Rienth, deren solistische Leistungen und stilistische Sachkunde nicht nur der Partnerschaft mit dem Solotenor künstlerisch zugute kommen. Deutlich profitiert von einer solchen Symbiose das korrespondierende Zusammenwirken aller Ensemble-Mitglieder. Hörbar beeindrucken vor allem die barocke Tongebung auf der Altblockflöte, sowie Atmung, Phrasierung und die mitteltönige Stimmung der Flötenintonation. Für Extra-Applaus sorgt der bläserische Wirbelsturm („La Tempesta“!), den die Virtuosin sich als glanzvollen Effekt für die prestissimo-Einschübe im Eröffnungs-Adagio der B-Dur-Flötensonate (Track 25) aufgespart hat. Als köstliche Pepusch-Premieren hervorzuheben sind die von Norberto Broggini ausgewählten sechs Orgel-Voluntaries. Als reizvoll registrierte Tastensolo-Stücke auf dem einmanualigen Orgelpositiv (einem Nachbau nach Stein 1790) ergänzen sie wirkungsvoll das abwechslungsreiche Programm. Gern hätte man im Beiheft etwas über die Quellenlage aller dargebotenen Werke erfahren.

Dr. Gerhard Pätzig [06.07.2009]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Johann Christoph Pepusch
1Love frowns in beauteous Myra's eyes (Kantate Nr. 1) 00:11:09
4Sonate Nr. 1 C-Dur für Flauto dolce und B.c. 00:07:08
8Voluntary Nr. 2 C-Dur 00:01:30
9Corydon (Kantate Nr. 5) 00:07:58
13Sonate Nr. 4 F-Dur für Flauto dolce und B.c. 00:05:53
17Voluntary Nr. 14 00:01:17
18Voluntary Nr. 9 00:01:12
19Cleora (Kantate Nr. 2) 00:08:17
23Voluntary Nr. 11 00:01:35
24Voluntary Nr. 1 00:02:00
25Sonate Nr. 5 B-Dur für Flauto dolce und B.c. 00:06:40
29When loves soft passion (Kantate Nr. 3) 00:08:16
33Voluntary Nr. 12 00:02:39

Interpreten der Einspielung

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