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CD-Besprechung zum Thema
Streichquartette

Jan Ladislav Dussek

Streichquartette

Musikmanufaktur Berlin MMB CD 476

1 CD • 76min • 2008

15.06.2009

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Mit dem Namen Jan Ladislav Dussek (1760-1812) verbindet man in erster Linie den gefeierten Virtuosen und Komponisten eines reichen Klavierwerks. Dass der auch als Pädagoge, Organist und Verleger tätige Böhme jedoch nicht nur als Klavierkomponist ernst zu nehmen ist, beweist die Weltersteinspielung seiner Streichquartette op. 60 durch das 2007 gegründete Camesina Quartett (leider fehlen im Booklet nähere Informationen zu den Musikern). Dussek lebte und wirkte in zahlreichen Städten Europas, darunter auch London, wo er Ignaz Joseph Pleyel, Muzio Clementi und Joseph Haydn kennenlernte. Gerne möchte man daher seinen Stil kosmopolitisch nennen. Tatsächlich haben seine Streichquartette nur wenig mit dem klassisch Mustergültigen gemein, wenn auch das Quartett B-Dur op. 60/2 in seiner Formung an Beethoven denken lässt und das Seitenthema seines langsamen Satzes Haydns Quartett-Fragment op. 103 zitiert.

Die drei Quartette atmen eine große Ausdrucksvielfalt und ungeheure Energie. Auffallend ist die gelegentliche Verschleierung einzelner Satzbausteine. Vor allem aber tragen diese Werke nicht allein individuelle, sondern – unverkennbar im tonalen Bereich – geradezu progressive Züge, die keineswegs uneingeschränkt der Klassik zuzurechnen sind, vielmehr die Romantik Mendelssohns, Brahms’ und Schumanns erahnen lassen. Das ist umso erstaunlicher, bedenkt man den Zeitpunkt ihrer Entstehung. Sie klingen, als entstammten sie dem Ende des ersten Drittels des 19. Jahrhunderts und nicht dem Jahr 1806, kurz vor dem Tod von Dusseks damaligem Dienstherren Prinz Louis Ferdinand von Preußen in der Schlacht gegen Napoleon bei Saalfeld. Der Komponist selbst hielt sie für das Beste, was er bis dahin geschrieben hatte. Eher leicht und heiter kommt das G-Dur-Quartett op. 60/1 daher. Reich an dramatischen und melancholischen Momenten sind dann die Quartette B-Dur op. 60/2 und Es-Dur op. 60/3. Besonders das letzte ist von seinem Wesen her hochromantisch. Chromatik, rasche Modulationen, insgesamt eine kontrastreiche Harmonik, dazu Satzenden, die (mit Ausnahme des Kopfsatzes) ohne ausgeprägte Schlusswendungen elegant in den Folgesatz über(g)leiten, das war für 1806 wohl mehr als nur modern – Beethovens Rasumowsky-Quartette waren zu diesem Zeitpunkt noch nicht erschienen.

Der Einspielung dieser Werke auf Originalinstrumenten (gleichzeitig das CD-Debüt des Camesina Quartetts) gingen eingehende Quellenstudien und eine mühevolle Editionsarbeit voraus. Das Anliegen von Johannes Gebauer und Karen Walthinsen (Violine), Irina Alexandrowna (Viola) und Martin Burkhardt (Violoncello) war es, „wieder ein wenig mehr Purismus zu wagen“. Doch man fragt sich beim Hören unwillkürlich, was an dem Verwenden eines historischen Instrumentariums, dem Verzicht auf moderne Spielhilfen, der Spieltechnik oder einer möglicherweise besonderen Ausdruckshaltung puristisch sein soll. In der Dussek-Interpretation dieser Experten auf dem Gebiet der historisch informierten Musizierpraxis gibt es kein zu wenig und kein zu viel, alles ist an seinem richtigen Platz. Aus ihrer Lesart sprechen Abenteuerlust sowie ein vorzügliches Gleichgewicht zwischen Spontaneität und Kalkül. Neben ihrer technischen Meisterschaft beweisen sie eine profunde Kenntnis der Tonsprache Dusseks und der des frühen 19.Jahrhunderts. Sie spielen mit enormer Spannung, erfüllen die Quartette mit Leidenschaft, und sie bringen diese gewisse Portion Ungezügeltheit mit, die gerade dem Rondo: Tempo di Polacca quasi Andante aus op.60/1 und dem Finalsatz von op. 60/3 samt seinem temperamentvollen Fugato-Abschnitt gut bekommt. Schließlich eine Aufnahmequalität, die dem hohen künstlerischen Niveau dieser Wiedergabe entspricht – was will man mehr?

Christof Jetzschke [15.06.2009]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Jan Ladislav Dussek
1Streichquartett G-Dur op. 60 Nr. 1 00:23:57
4Streichquartett B-Dur op. 60 Nr. 2 00:26:41
8Streichquartett Es-Dur op. 60 Nr. 3 00:24:38

Interpreten der Einspielung

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