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CD-Besprechung

cpo 777 057-2

2 CD • 2h 16min • 2004

04.05.2009

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Auch wer keine Märchen liest, kennt wahrscheinlich die Geschichte vom Fischer und seiner Frau. Er hat einem sprechenden Butt ohne Gegenleistung das Leben geschenkt und wird deshalb von ihr zur Schnecke gemacht. Also kehrt er mehrmals zum Wasser zurück, beschwört den Butt herauf und meldet die Wünsche seiner Frau an. Diese Wünsche werden immer maßloser. Erst ist Ilsebill mit einer Hütte zufrieden, dann wünscht sie ein Schloß, schließlich will sie König, Kaiser und sogar Papst werden. Als sie letztendlich auch noch wie der liebe Gott werden will, wird es dem Butt zu bunt und er schickt sie in den Pisspott zurück, aus dem sie gekommen ist. Die Brüder Grimm haben diese lehrreiche Geschichte in ihren Kinder- und Hausmärchen in plattdeutscher Sprache aufgezeichnet. Keine Frage, dass da auch ein Opernstoff drinsteckt, ein komischer, sollte man meinen. Auf die Idee, sie zu einem Wagnerschen Musikdrama aufzublähen, muß man dagegen erst einmal kommen. Friedrich Klose (1862-1942), Schüler Anton Bruckners und glühender Wagnerianer, ist darauf gekommen und hat sich von seinem Schwager Hugo Hoffmann ein Libretto basteln lassen, das vom Start weg wie eine ungewollte Parodie auf Wagnersche Texte erscheint. Nicht mehr in einem Pisspott hausen jetzt die Fischersleute, sondern etwas appetitlicher in einem Baumstamm am See und aus dem ordinären Butt wird ein ansehnlicher Wels. Wird der Fisch im Grimmschen Märchen mit den Worten beschworen: „Mandje! Mandje! Timpe Te!/Buttje! Buttje in de See!/Mine Fru, de Ilsebill,/Will nich so, as ick wol will.“ So heißt es jetzt im Opernlibretto: „Wels im See,/gewaltiger Waller,/tauch’ aus der Tiefe/heraus zu Tag!/Zeuge für mich,/zeig’ Ilsebill,/wie du gewährest/Wunsch und Will’!-„ Die Musik ist von ähnlichem Kaliber. Während Richard Strauss, Hans Pfitzner, auch Engelbert Humperdinck und Siegfried Wagner nach längerem Kampf mehr oder weniger erfolgreich aus dem Schatten des großen Richard herausgetreten waren, hat Klose den Einbruch des 20. Jahrhunderts irgendwie verschlafen, macht es sich im reinen Epigonentum behaglich. Ilsebill erinnert an Ortrud, ihr Mann an den jungen Siegfried. Natürlich versteht der Komponist sein Handwerk, schöpft die symphonischen Möglichkeiten voll aus. Die Zeitgenossen schätzten ihn als einen Meister der Orchestrierung. Und die Uraufführung, die 1903 in Karlsruhe durch die Fürsprache seines Förderers Felix Mottl zustande kam, fand bei Publikum und Presse durchaus einen gewissen Anklang. Es gab weitere Aufführungen in München und Leipzig, danach wurde das Stück nur noch vereinzelt gespielt und verschwand nach dem Tode des Komponisten gänzlich von der Bildfläche. Ob es die Mühe wert war, diese musikhistorische Kuriosität auszugraben, sei dahingestellt. Doch nimmt die jetzt als CD veröffentlichte Aachener Produktion von 2004 für sich ein, da der Dirigent Marcus Bosch alles tut, um den Kloseschen Klangzaubereien zu ihrem Recht zu verhelfen und in Norbert Schmittberg als Fischer ein Heldentenor zur Verfügung steht, der bei vorbildlicher Textgestaltung stimmliche Durchschlagskraft mit entspanntem Legato verbindet. Auch das übrige Ensemble hält gutes Niveau.

Ekkehard Pluta [04.05.2009]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Friedrich Klose
1Ilsebill (Das Märchen vom Fischer und seiner Frau. Eine dramatische Symphonie in fünf Bildern)

Interpreten der Einspielung

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