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CD-Besprechung

A. Tscherepnin

BIS 1 CD 1317

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9

Klangqualität:
Klangqualität: 9

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Besprechung: 10.09.08

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BIS 1317

1 CD • 55min • 2002

Die Laufbahn der japanischen Pianistin Noriko Ogawa sollte für jüngere Musiker aller Fakultäten ein gutes Beispiel sein. Zum ersten: Selbst ein dritter Preis in Leeds (1987) genügte, um sich in der internationalen Welt des Klavierspiels bemerkbar zu machen, das heißt: es müssen keineswegs immer die so genannten Triumphatoren sein, die in der Folge eines Wettbewerbs als große Abräumer durch die Lande ziehen. Und zum Zweiten: Noriko Ogawa verstand es, sich in enger, „exklusiver“ Zusammenarbeit mit dem schwedischen BIS-Label auf eine attraktive, dabei keineswegs angepasste Repertoire-Mischung zu konzentrieren. Eindrucksvoll und – soweit ich die Kollegen gelesen habe – rundherum günstigst besprochen wurde ihre Debussy-Serie; nun folgt ein Ausflug in die (sowjet)russische Musik des 20. Jahrhunderts in ästhetisch konkurrierender Nachbarschaft vor allem zu den Werken Prokofieffs. Alexander Tcherepnins Klavierkonzerte Nr. 1 und 3 aus den Jahren 1918/19 bzw. 1931/32 verdienen es, zumindest wieder einmal zur Kenntnis genommen zu werden. Nicht nur als Ausprägungen slawischer Individualität, sondern auch als Beispiele pianistisch-solistischen Engagements in der Nachfolge großer Virtuosen-Komponisten, sich kreativ und zugleich nachschöpferisch dem Urteil des Publikums auszusetzen. Tcherepnin reüssierte ja als blendender Interpret seiner vitalen, meist scharf profilierten Solostücke – und wie im Fall des Klavierkonzerts op. 48 als Solist der Pariser Uraufführung unter der Leitung von Pierre Monteux am 5. Februar 1933. Der aus St. Petersburg stammende, ab 1918 mit der Familie in Tiflis lebende Autor hatte es „in freien Momenten während ausgedehnter Reisen, die den Komponisten von Boston, nach Kairo und Jerusalem sowie durch das alte Europa führten“ im ersten Satz auf die Idee des Reisens fokussiert. Ein nubisches Schifferthema sorgt für erste Stimulanz, der zweite Satz unterliegt Fugenprinzipien. Das Werk hatte in der Pariser Salle Pleyel nur mäßigen Erfolg und Tcherepnin eliminierte es nach einer zweiten Aufführung aus seinem Spielplan. Wenn dieses „Dritte“ auch schwieriger zugänglich ist als das drangvolle, windig geblähte, energisch rhythmisierte, insgesamt klavieristisch dankbare „Erste“, so ist es doch Noriko Ogawa und dem beachtlich vor- und eingreifenden Singapore Symphony Orchestra unter der Leitung von Lan Shui zu danken, diese Musik im Umfeld (und wie wir jetzt wissen: im Schatten) der führenden Autoren realisiert zu haben. Dies gilt natürlich auch für die festlichen, überwiegend strammen „Anlassmusiken“ op. 45a und op. 80, wie sie auch von Prokofieff und Schostakowitsch angefertigt wurden.

Noriko Ogawa leistet in den jeweils knapp 20 Minuten Konzertaufregung (das einsätzige Opus 12 ist „Allegro tumultuoso“ überschrieben!) eine Menge an gespannter Aufmerksamkeit, an Robustheit– und sie bewegt sich (soweit ich das ohne Hinzuziehung der Partituren beurteilen kann) in positiver Nervosität auf Augen- bzw. Ohrenhöhe mit dem Orchester. Nebenbei: Die Frontseite der CD ziert ein Foto, das den Komponisten während seines Ägypten-Aufenthalts 1931 etwas verschämt lächelnd auf einem Kamel zeigt… Und für alle jene Hörer, die sich für die anderen Klavierkonzerte (und die Symphonien Nr. 1 bis 4) interessieren: sie sind in der selben Besetzung auf den BIS-CDs 1017, 1018 und 1247 erschienen.

Peter Cossé [10.09.2008]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 A. Tscherepnin Klavierkonzert Nr. 1 op. 12 – Allegro tumultoso 00:18:44
2 Klavierkonzert Nr. 3 op. 48 00:18:04
4 Festmusik op. 45a 00:11:48
8 Symphonic March op. 80 00:05:36

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Noriko Ogawa Klavier
Singapore Symphony Orchestra Orchester
Lan Shui Dirigent
 
1317;7318590013175

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