Klassik Heute - Ihr Klassik-Portal im Internet

Über uns | Impressum | Kontakt | Sitemap

Suche

CD-Besprechung

H. Villa-Lobos

BIS 1 CD 1450

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9

Klangqualität:
Klangqualität: 9

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Besprechung: 18.07.08

label_888.jpg
→ Katalog und Neuheiten

BIS 1450

1 CD • 81min • 2003, 2004, 2005

„Was ist ein Choros ?" Unter diesem Titel hielt der brasilianische Komponist Heitor Villa-Lobos 1958, ein Jahr vor seinem Tod, einen Vortrag, nach dem vermutlich die Mehrzahl der Zuhörer so schlau war vorher – denn die teils amüsanten, teils provokanten Ausführungen des Komponisten über sein Formkonzept dürften einer mit der starren Formenlehre europäischer Konservatorien aufgewachsenen Hörerschaft ähnlich exotisch vorgekommen sein, wie die Klangorgien des Choros Nr. 8 bei ihrer Uraufführung in Paris 1927 (was der Begeisterung jedoch keinen Abbruch tat). „Sie werden das entweder lieben oder verabscheuen", schrieb der Komponist Florent Schmitt, „keinen lässt es gleichgültig. Unweigerlich fühlt man sich, als habe man an einem großen Ereignis teilgenommen".

Der Ausdruck „Choro" bezeichnet ursprünglich die Improvisationen von Volksmusik-Ensembles in wechselnder Instrumentalbesetzung, wie sie sich seit Ende des 19.Jahrhunderts in Rio de Janeiro großer Beliebtheit erfreuten. Der junge Villa-Lobos war selbst als Gitarrist mit einer solchen Gruppe durch die Straßen gezogen, um sich Geld zu verdienen. In den 20er Jahren griff er diesen Namen für eine neue Werkgattung auf, in der die verschiedenen Erscheinungsformen der brasilianischen und indianischen Musik ebenso wie vielfältige Anregungen aus der europäischen Musik dieser Zeit zu einer Synthese gelangen. Der allgemein gehaltene Werktitel erlaubte es Villa-Lobos, seiner überschäumenden Phantasie freien Lauf zu lassen, und so umfasst die 14teilige Werkreihe Stücke von ganz unterschiedlicher Länge, unterschiedlichem Charakter und unterschiedlicher Besetzung – vom Solostück bis zum Großaufgebot von Chor und Sinfonieorchester.

Die zweite Folge der im Werden begriffenen Gesamteinspielung enthält die populäre Nr. 1, ein romantisches Paradestück für Gitarre solo, dann die gelegentlich an eine etwas schräge Blaskapelle erinnernde Nr. 4 für 3 Hörner und Posaune sowie schließlich drei umfangreichere Stücke für Orchester, die Choros Nr. 6, 8 und 9. Gemeinsam ist ihnen die reiche, außerordentlich farbige Instrumentierung, die ihren Reiz nicht zuletzt aus der Einbeziehung des Saxophons oder einer Vielzahl brasilianischer Perkussionsinstrumente bezieht. Die Nr. 8 „Choros da Danca" wartet zusätzlich zum großen Orchester noch mit zwei Klavieren auf.

Besser als der etwas manirierte Gitarrist Fabio Zanon versteht es der Dirigent des Sinfonieorchesters von Sao Paulo, John Neschling, die richtige Balance zwischen melancholischer Trägheit und aufpeitschender Rhythmik herzustellen. Das Orchester – besonders erwähnt seien die Solobläser – bewältigt seine anspruchsvollen Aufgaben bravourös. Klanglich sollte man bei derart komplexen Partituren weniger auf Fülle als vielmehr auf Transparenz Wert legen. Schon jetzt ist die vollständige Einspielung dieses Zyklus´, der wohl Brasiliens wichtigsten Beitrag zur Musik des 20.Jahrhunderts darstellt, als editorische Großtat zu werten.

Sixtus König † [18.07.2008]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 H. Villa-Lobos Chôros Nr. 6 für Orchester 00:24:49
2 Chôros Nr. 1 für Gitarre 00:05:09
3 Chôros Nr. 8 für 2 Klaviere und Orchester 00:20:00
4 Chôros Nr. 4 für 3 Hörner und Posaune 00:05:31
5 Chôros Nr. 9 für Orchester 00:24:19

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Fabio Zanon Gitarre
Linda Bustani Klavier
Ilan Rechtman Klavier
Dante Yenque Horn
Ozéas Arantes Horn
Samuel Hamzem Horn
Darrin Coleman Milling Posaune
Sao Paulo Symphony Orchestra Orchester
John Neschling Dirigent
 
1450;7318590014509

Bestellen bei jpc

label_888.jpg
→ Katalog und Neuheiten

 

Das könnte Sie auch interessieren:

 

⇑ nach oben

AGBs Impressum Kontakt Mediadaten Sitemap Datenschutz

© Klassik Heute

jpc