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CD-Besprechung zum Thema
Klavierkonzerte

Hyperion CDA7630

1 CD • 67min • 2007

23.06.2008

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Dass man vom Label „Hyperion" höchste Qualität erwarten kann, wird hier einmal mehr unter Beweis gestellt. Volume 44 der Edition „Das romantische Klavierkonzert" widmet sich den beiden diesbezüglichen Werken Henryk Melcers (1869-1928), eines polnischen Komponisten dessen schmales, aber gewichtiges Œuvre weiterhin der Beachtung durch eine breitere Öffentlichkeit harrt. Dem abzuhelfen, leistet die vorliegende Platte eine ideale Steilvorlage.

Melcers Los war das eines erfolgreichen Pädagogen: Seine schöpferischen Werke standen stets im Schatten seiner Lehrtätigkeit. So ist zwar der Kammermusiksaal der Chopin-Musikakademie seiner Geburtsstadt Warschau nach ihm, der dort als Rektor, Kompositions- und Klavier-Professor fungierte, benannt, seine Stücke dürften in diesen Hallen aber seit langem nicht mehr erklungen sein. Und doch reicht der künstlerische Arm dieses musikalischen Multitalents weit ins 20. Jahrhundert hinein: Denn schon früh gehörte der erst 1992 verstorbene Pianist Mieczysaw Horszowski, der noch als Hundertjähriger Konzerte gab, zu Melcers Klavierschülern.

Freilich können sich auch die – in den 1890er Jahren entstandenen – Klavierkonzerte Melcers in e-Moll und c-Moll nicht der damals vorherrschenden Instrumentalmusik-Ästhetik von Chopin, Liszt und Brahms völlig entziehen. Sie spinnen diese vielmehr fort bzw. reichern sie mit national-polnischen Idiomen an. Das sich im Tempo beständig steigernde Finale des 1. Konzerts etwa beginnt mit einer Mazurka, einem ursprünglich polnischem Volkstanz im Dreiertakt mit Betonung auf der zweiten und dritten Zählzeit. Und selbst das avantgardistischere 2. Konzert, das sich einer eher theatralen Musiksprache annähert, kann im Allegro-con-fuoco-Schlusssatz – trotz der Sonatenrondo-Form – einen tänzerischen Charakter seiner im Zweiertakt wirbelnden Rhythmen nicht verleugnen. Nichtsdestoweniger ist Melcers Einfallsreichtum an wirklich neuen Melodien bewundernswert. Zum echt romantischen „Feeling" der beiden Werke trägt dies das Seine ebenso bei wie die vorherrschende klangliche Kontrastdramaturgie: inmitten belebter Sätze tun sich immer wieder plötzlich auftretende lyrische Inseln auf.

Jonathan Plowright, der vielfach preisgekrönte britische Meisterpianist, – hierzulande unverständlicherweise noch ein Geheimtipp – ist nicht ohne Grund ein eifriger Verfechter des polnischen Romantik-Repertoires. In Melcers 2. Klavierkonzert – einer einzigen pianistischen Tour de force – kann der dauerbeschäftigte Solist seine Leistungsfähigkeit voll unter Beweis stellen. Plowright hat diese virtuos-konditionelle Herausforderung glänzend bewältigt. Zudem herrschen eine präzise rhythmische Koordination und klangliche Abstimmung zwischen Soloinstrument und dem von Christoph König hervorragend dirigierten BBC Scottish Symphony Orchestra.

Gewiss, ein osteuropäischer „Tastenlöwe“ hätte bisweilen noch ganz anders „zugelangt" und die bei Melcer reichhaltig vorhandene Emotionspalette restloser bedient, als dies in der vorliegenden Einspielung geschieht. Die vielleicht manchen etwas zu trocken-distanziert wirkende Herangehensweise Plowrights tut den beiden Konzerten aber gerade gut, weil dadurch jeder virtuosenselige Schwulst glücklich vermieden wird. Für ein romantisches Klang-Voll-Bad ist diese CD dennoch bestens geeignet.

Richard Eckstein [23.06.2008]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Henryk Melcer
1Klavierkonzert Nr. 1 e-Moll 00:28:59
4Klavierkonzert Nr. 2 c-Moll 00:37:27

Interpreten der Einspielung

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