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CD-Besprechung

Hindemith Paul: Mathis der Maler

OehmsClassics 3 CD OC 908

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8

Klangqualität:
Klangqualität: 9

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Besprechung: 08.10.07

OehmsClassics OC 908

3 CD • 3h 04min • 2005

Es war sicher eine mutige Tat der frisch ernannten Hamburger Generalmusikdirektorin Simone Young, als erste Premiere ausgerechnet ein so „deutsches“ Stück wie die Oper Mathis der Maler von Paul Hindemith herauszubringen. Der Live-Mitschnitt vom 25. September 2005 dieses Einstandes der australischen Dirigentin liegt jetzt auf drei CDs vor. Vielleicht ist die altmeisterlich-klassizistischeTonsprache des reifen Hindemith heute nicht jedermanns Sache; eines allerdings muß man ihm zugute halten: mit diesem Werk hatte er sich endgültig aus Nazi-Deutschland verabschiedet. Die Absage des Künstlers an vordergründige Parteinahme war nicht nur aktuell ein Akt des Widerstandes, sondern hat heute durch die Erfahrungen der Künstler mit dem stalinistischen Fleischwolf an Plausibilität noch gewonnen. Und die Szene mit der Verbrennung ketzerischer Bücher in dieser Oper ist ja wohl an Eindeutigkeit nicht zu überbieten.

So ist die Auseinandersetzung mit diesem Werk immer wieder interessant (auch wenn es hier nur um den akustischen Nachvollzug geht). Simone Young wählt einen eher weichen sinfonischen Gesamtklang mit milden Übergängen und ohne grelle Spitzen; die Tempi, etwa in den Ausschnitten, die man aus der gleichnamigen Sinfonie kennt, erscheinen eher verhalten und Ritardando-gesättigt. Man könnte sich viele rhythmisch-artikulatorische Details durchaus prägnanter, ja auch aggressiver vorstellen. Auch ein traditionsbewußter Hindemith hat ja sein typisches Temperament nicht verloren.

Sehr gut eingefangen wurden die Gesangssolisten, deren Texte vorzüglich zu verstehen sind. Diese Deutlichkeit gelang auch mit den chorischen und instrumentalen Fern-Ensembles, die eine schöne Raumwirkung ergeben. Als besonders prägnant und sauber in der Intonation gefällt Scott MacAllister in der Rolle des Fürst-Erzbischofs Albrecht, wohingegen Falk Struckmann (Mathis) zwar die expressive Spannweite seiner Rolle gut trifft, aber durch sein starkes Vibrato zu gelegentlicher Unsauberkeit neigt. Anrührend die beiden Frauengestalten mit Susan Anthony und Inga Kalna, treffend giftig Peter Galliard als Ratgeber Capito. Mustergültig die Ensembles und Chorszenen. Der Verzicht auf den Abdruck des Librettos im Booklet aber ist unverzeihlich.

Dr. Hartmut Lück [08.10.2007]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 P. Hindemith Mathis der Maler

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Scott MacAllister Albrecht von Brandenburg, Kardinal, Erzbischof von Mainz - T
Falk Struckmann Mathis, Maler in Diensten Albrechts von Brandenburg - Barito
Carsten Wittmoser Lorenz von Pommersfelden, Domdechant von Mainz - Baß
Peter Galliard Wolfgang Capito, Rat des Kardinals - Tenor
Harald Stamm Riedinger, reicher Mainzer Bürger - Baß
Pär Lindskog Hans Schwalb, Führer aufständischer Bauern - Tenor
Moritz Gogg Truchseß von Waldburg, Befehlshaber des Bundesheeres - Baß
Jürgen Sacher Sylvester von Schaumberg, ein Offizier des Bundesheeres - Te
Susan Anthony Ursula, Riedingers Tochter - Sopran
Ho-yoon Chung Der Pfeifer des Grafen - Tenor
Inga Kalna Regina, Schwalbs Tochter - Sopran
Renate Spingler Gräfin Helfenstein - Mezzosopran
Chor der Staatsoper Hamburg Chor
Philharmoniker Hamburg Orchester
Simone Young Dirigent
 
OC 908;4260034869080

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