Anzeige

Teilen auf Facebook RSS-Feed Klassik Heute
Klassik Heute - Ihr Klassik-Portal im Internet

CD • SACD • DVD-Audio • DVD Video

CD-Besprechung

Il Settecento Napoletano Italy XVIIIth Century

Cyprés CYP1649

1 CD • 57min • 2006

29.10.2007

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Das Stimmfach, unter dem Marco Beasley auf dem Besetzungszettel der italienischen Alte-Musik-Gruppe Accordone verzeichnet ist, lautet schlicht „voice“ – „Stimme“. Dies ist ein deutliches Zeichen des Selbstverständnisses Beasleys – der Sänger will es vermeiden, sich in eine bestimmte Kategorie einordnen und damit in seinen Möglichkeiten beschneiden zu lassen. Das ist zunächst historisch klug, sind doch die heute geläufigen Fächer vielfach Früchte des romantischen oder modernen Musikbetriebes und damit nicht unbedingt von Bedeutung für die Pflege älterer Musik.

Es fällt allerdings auch im besonderen Falle des neapoletanischen Sängers Beasley schon allein schwer, mit Sicherheit zu entscheiden, ob er als Tenor mit besonders kopfstimmiger Höhe oder doch nicht vielmehr als ein tiefer Altus mit besonders ausgeprägter Bruststimme anzusehen sei. Dazu kommt ein Element im Singstil Beasleys, das den meisten der heutigen seriösen Alte-Musik-Stimmen abgeht, nämlich ein gewisser volkstümlicher Zungenschlag: Man vergißt zwar nie, daß Beasley sorgfältig ausgebildet wurde, und dennoch eignet ihm eine ganz seltene erdverbundene Natürlichkeit – man kann sich ohne weiteres vorstellen, daß er von einer kleinen Kennergemeinde ebenso stark wertgeschätzt wird wie von einem breiteren Publikum, das auch und nicht zuletzt stärker an der landläufigen allgegenwärtigen Pop-Musik orientiert ist.

Beasley singt auf diesem wunderbaren Album italienische Kantaten und Motetten des frühen 18. Jahrhunderts, sämtlich von Komponisten, die auch vielen Spezialisten unbekannt sein dürften. Am reinsten kommt seine atemberaubende Fähigkeit, zwischen Volks- und Kunstgesang zu vermitteln, vielleicht in der hinreißenden Pastorale Quanno nascette Ninno a Bettlemme von Alfonso M. die Liguori zur Geltung – dies ist eine wirklich faszinierende Studie darüber, wie eine einfache Volksmelodie innerhalb von gerade einmal sieben Minuten auf sämtliche in ihr steckende Nuancen hin abgefragt werden kann. Das Ensemble Accordone unter der Leitung des Cembalisten Guido Morini, der auch eine interessante, bewußt anachronistische Stilkopie beigesteuert hat, spielt durchaus pastos, ohne die bemühte Kantigkeit vieler italienischer Ensembles; vor allem aber folgen die einzelnen Stimmen in zahlreichen quasi improvisatorischen Imitationen ihrem Solisten, so daß sich eine echte Einheit zwischen dem Ensemble und seinem Ausnahmesolisten herstellt.

Dr. Michael B. Weiß [29.10.2007]

Anzeige

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Giuseppe Porsile
1Cantata sopra l'arcicalascione 00:05:25
Giulio Cesare Rubino
5Lena 00:10:07
Sant'Alfonso dei Liguori
9Quanno nascette Ninno a Bettlemme 00:07:01
Nicola Matteis
10Sonata a due violini e basso 00:09:53
Alessandro Scarlatti
14Ammore, brutto figlio de pottana 00:07:33
Angelo Ragazzi
23Sonata I a tre violine e continuo 00:04:27
Guido Morini
26L' Arfeo annammurato 00:12:38

Interpreten der Einspielung

Vorherige ⬌ nächste Rezension

01.11.2000
»zur Besprechung«

 / cpo
" / cpo"

15.12.2004
»zur Besprechung«

Stravaganze Napoletane / BIS
"Stravaganze Napoletane / BIS"

zurück zur Liste

Das könnte Sie auch interessieren

09.07.2008
»zur Besprechung«

 / cpo
" / cpo"

27.07.2006
»zur Besprechung«

recitar cantando / Cyprés
"recitar cantando / Cyprés"

Anzeige

Klassik Heute - Ihr Klassik-Portal im Internet

Anzeige