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CD/SACD stereo/surround-Besprechung

Seascapes

BIS 1447

1 CD/SACD stereo/surround • 80min • 2004, 2005

02.07.2007

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

In Europa käme sicher kaum ein Musikfreund auf den Gedanken, sich eine Interpretation von Debussys La Mer mit dem Singapore Symphony Orchestra zu kaufen – nicht aus eurozentristischer Überheblichkeit, sondern ganz einfach, weil es einige herausragende Interpretationen dieses Schlüsselwerks des musikalischen Impressionismus gibt (von Ansermet, Barbirolli, Boulez, über Giulini, Munch zu Toscanini). Das Besondere an dieser CD ist etwas anderes: Was im Konzertsaal so selten gelingt (auch weil man es einfach nicht wagt oder gar zu bequem ist), das glückt mit dieser Produktion. Hier findet sich eine schlüssige Idee: die Gegenüberstellung von „Seebildern“ aus unterschiedlichen Epochen, Ländern und Stilrichtungen. Und dabei gibt es eben auch Neues zu entdecken.

The deep, deep sea des 1953 in Peking geborenen, in den USA lebenden Komponisten Zhou Long nimmt Bezug auf das Gedicht Der beschwerliche Weg des chinesischen Dichters Li Bai, einem der bedeutendsten Künstler der Tang-Dynastie-Zeit. Hier wie dort gilt es, „die tiefe, tiefe See zu überbrücken“, das heißt Distanzen zu überwinden. Bei Long sind es die Klüfte und Tiefen zwischen verschiedenen Welten und Kulturen. Long hat das Stück gleichsam mit Blick auf „westliche“ Ohren geschrieben; es ist das westliche Pendant seiner Komposition Green von 1984 für die traditionellen chinesischen Instrumente Dizi (Bambusflöte) und Pipa (Laute). Impressionismus mit fernöstlichem Touch, reizvolle motivische Arbeit und ein interessantes Miteinander von Sharon Bezaly (Flöte und Piccoloflöte), Gulnara Mashurova (Harfe), Jonathan Fox (Pauken) und Ensemble nehmen für das Werk ein.

Der englische Komponist Frank Bridge hatte wie viele seiner englischen Kollegen einen Bezug zur See und zu Seebildern. Seine Suite The Sea, 1912 in London uraufgeführt, beschwört verschiedene Zustände und Stimmungen des Meeres: vom Morgen über Nebel, Mondschein bis zu Sturm. Das erinnert im Sujet an Debussy, ist in der Musiksprache spätromantisch und mit Gespür für instrumentale Wirkungen und das Malen von Stimmungen ausgeführt.

Alexander Glasunows programmatische Fantasie Das Meer, hörbar „unter dem starken Eindruck“ von Wagner und dessen Ring des Nibelungen komponiert und Erinnerungen an einen Aufenthalt auf der Krim verarbeitend, ist ein Tonpoem in der Liszt-Nachfolge, in dem der russische Komponist alle Register seines Könnens zieht. Das Orchester legt sich mächtig ins Zeug, spielt die Musik noch in ausbrechenden, turbulenten Momenten nicht pauschal. Glasunows See, die sanft, bewegt und stürmisch sein kann, wird sehr differenziert, mit viel Feingefühl für die Farben und Stimmungen in Szene gesetzt.

Drei Novitäten in bestem Licht, ein respektabler Debussy und ein Orchester, das sich hören lassen kann – das ist keine geringzuschätzende Ausbeute.

Peter Heissler [02.07.2007]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Claude Debussy
1La Mer, trois esquisses symphoniques (drei sinfonische Skizzen für Orchester) 00:25:50
Zhou Long
4The Deep, Deep Sea 00:10:40
Frank Bridge
5The Sea für Orchester (Suite) 00:23:11
Alexander Glasunow
9Das Meer op. 28 for large Orchestra 00:18:47

Interpreten der Einspielung

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