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CD-Besprechung

Hyperion CDA7571

1 CD • 74min • 2004, 2006

04.05.2007

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 7
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Schon die Dramaturgie der Aufnahme stimmt beim Blick auf das Tracklisting erwartungsvoll: Rahmend die beiden populären begleiteten Suiten von Ernest Bloch und zwei wirkungsvolle Konzertstücke für Violine und Klavier von Paul Ben-Haïm, darin eingebettet die beiden wertvollen Solosuiten von Bloch und die fantastische Solosonate g-moll op. 44 von Ben-Haïm. Dies alles gespielt von einem israelischen Geiger, der mit seinem Klavierpartner bereits eine hinreißende Einspielung von Blochs Violinsonaten gemacht hat und auf dessen Konto insbesondere auch die Ehrenrettung der Violinkonzerte von Jenö Hubay geht. Ich hätte allenfalls die Reihenfolge der Stücke spiegelbildlich umgekehrt, denn in den beiden populären, auch durch Orchesterfassungen bekannt gewordenen Suiten Baal Shem und Hebraïque trumpft Hagai Shaham mit derartigem Dauerdruck auf, daß es manchmal klingt wie eine singende Säge. Derart pathetisch sind manche Partien, daß man sich bald fühlt, als habe man zuviel Zucker gegessen.

Die Werke von Ben-Haïm bieten weitaus mehr Kontraste und erfordern nicht ein derart starkes Brio. Die beiden an Bach orientierten, hochvirtuosen Solo-Suiten Blochs, beide 1958 von Yehudi Menuhin in Auftrag gegeben und ihm gewidmet, bilden zu den hebräischen Suiten einen offenbar gewollten Kontrast. Diese Gegenüberstellung ist glücklich, spiegelt sie doch auch Blochs zerrissene Biographie wieder, die angesiedelt ist zwischen Schaffensperioden in Europa und in Amerika und seiner Auseinandersetzung mit seinen jüdischen wie auch europäischen Wurzeln. Hagai Shaham verfügt über einen gesanglich-runden, weichen und noblen Geigenton. Seine leidenschaftlichen, mitunter geradezu besessenen Darstellungen werden zumindest den hier versammelten Werken mit Klavier vom Ausdruck her gerecht; Kontraste und Brüche werden gut ausgelotet. Fraglich finde ich an diesen Ansatz jedoch bei den Solosuiten von Bloch, die dadurch ein Zuviel an Pathos bekommen: Es wäre schön gewesen, sie gerade im Gegensatz zu den Suiten mit Klavier nüchterner, differenzierter und ohne Dauer-Espressivo zu hören. Meine persönlichen Highlights der CD sind daher die drei Werke Ben-Haïms, die man sich nicht überzeugender vorstellen kann – zumal Arnon Erez als souveräner, einfühlsamer Begleiter sein Bestes gibt. (Die künstlerische Wertung versteht sich als Mittelwert einer 10 für Ben-Haïm und etwa einer 7 für Bloch).

Lobend erwähnt sei schließlich der Booklet-Text von Alexander Knapp, der insbesondere auf die Wurzeln der Werke Blochs in der jüdischen Kultur eingeht. Der Beitrag von Malcolm Miller zu Ben-Haïm ist allerdings oberflächlicher und hat kleine Sachfehler (bei dem von ihm erwähnten Werk Sweet Psalmist of Israel handelt es sich beispielsweise nicht um ein „preisgekröntes Oratorium“, sondern eine von Leonard Bernstein in Auftrag gegebene und uraufgeführte konzertante Sinfonie mit Solo-Cembalo und Harfe). Ein Wermutstropfen ist, daß die Aufnahmetechnik ausgerechnet den musikalisch wohl schönsten Track nicht in den Griff bekommt – den introvertierten Mittelsatz der Solosonate von Ben-Haïm, der in seiner Grundstimmung an die innige Romanze The lark ascending von Vaughan Williams oder den einsam-weiten Anfang von Sibelius’ Violinkonzert erinnert. Shaham hatte hier eine Sternstunde, nahm sein Vibrato stark zurück, spielte ganz in sich gekehrt, mit großer Wärme; man verliert sich gern in den weichen Melismen und schattenhaften Glissandi und Portamenti – doch der Klang ist so direkt am Instrument abgenommen, daß bei Schwelltönen und Crescendi der Bogendruck eine Rückkopplung erzeugt, deren Klangresultat ein wirklich häßliches Schleifgeräusch ist (insbesondere ab Tr. 16, ca. 2’22).

Dr. Benjamin G. Cohrs [04.05.2007]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Ernest Bloch
1Baal Shem for Violin and Piano 00:14:28
4Suite hébraïque (1951) 00:11:37
7Suite No. 1 for Violin solo (1958) 00:11:10
11Suite No. 2 for Violin solo (1958) 00:11:18
Paul Ben-Haim
15Sonata G major op. 44 for Violin 00:14:34
18Berceuse sfaradite 00:03:22
19Improvisation and Dance op. 30

Interpreten der Einspielung

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