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CD-Besprechung

A. Vivaldi

Accent 1 CD ACC 24179

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Besprechung: 06.06.07

Klassik Heute
Empfehlung

Accent ACC 24179

1 CD • 59min • 2006

„Nicht noch eine Aufnahme der Vier Jahreszeiten!“ Dieser Verzweiflungsaufschrei angesichts der unüberschaubaren Diskographie von Vivaldis Dauerbrenner wäre nur zu gut zu verstehen. Einzig möglicher Einwand: Wenn ein Label wie Accent und ein Künstler wie Sigiswald Kuijken sich dieser Musik annehmen, darf vermutet werden. dass hier nicht mit listigen Marketingstrategien eine Einspielung in die Läden und Plattensammlungen gepresst werden soll, die antritt, Wasser in Venedigs Kanäle zu gießen.

Sigiswald Kuijken stellt mit seiner Neuaufnahme dieser berühmtesten Werke Vivaldis eine Version vor, die sich in zwei Punkten grundsätzlich (das Wort verwendet er selbst im Beiheft) von den bisherigen Interpretationen unterscheidet. Zum ersten ist die konsequent solistische Besetzung zu nennen: Solovioline, 1. und 2. Violine, Bratsche und Violoncello (dazu später mehr) und Cembalo; Kuijken macht also ernst mit dem Faktum, dass es sich bei den Quattro stagioni nicht um Concerti grossi, sondern schlicht um Concerti handelt. Die Concerti grossi beziehen einen Gutteil ihrer Wirkung aus dem Gegensatz zwischen dem kleinen Solistenensemble, dem Concertino, und der Orchestergruppe, dem Concerto grosso, der in seinem Verlauf die Dynamik des Stückes bestimmt. Für das Instrumentalkonzert der nachbarocken Zeit hat sich hieraus der Dialog zwischen einem Helden, dem virtuosen Soloinstrument, und dem groß besetzten Orchester ergeben. Aus der Erkenntnis, dass Concerti offensichtlich zu Vivaldis und auch noch Bachs Zeiten üblicherweise in solistischer Besetzung vorgetragen wurden, folgert Sigiswald Kuijken, dass zwischen Solist und Ensemble damals keinesfalls ein dem Concerto grosso vergleichbarer Gegensatz bestanden habe, den ja auch die Bezeichnung Concerto (Wettstreit) nahelegt; Kuijken denkt mehr an ein Kammerensemble mit einem integrierten Solopart, das gemeinsam konzertierende (also in der musikalischen Thematik wettstreitende) Elemente verschiedener kontrastierender und miteinander musikalisch dialogisierender Themenkomplexe darstellt.

Der Solopart wechselt in jedem Konzert, so dass jeder Solist in einem Konzert einen Aspekt des Jahres im Ablauf der Jahreszeiten darstellt, und in den drei anderen Concerti wieder im Ensemble mitspielt. Le Quattro Stagioni als Kammerkonzerte also: Ein Konzept, das der inneren Spannung des Gesamtwerks keinen Abbruch tut, überdies durch die kammermusikalischen Ensemblearbeit im Bezug auf Kriterien wie Anmut und Transparenz neue Horizonte eröffnet! Nicht der Solovirtuose erzählt, unterstützt von seinem Orchester, die Geschichte der vier Jahreszeiten, sondern das gesamte Ensemble gestaltet den Jahreslauf gemeinsam und wird so zum kollektiven Interpreten dieser Konzerte.

Kuijkens zweite grundsätzliche Neubesinnung gilt der Verwendung eines Violoncello da spalla, eines kleiner mensurierten Cellos also, das nicht zwischen den Knien gehalten wird, sondern, wie die Geige und Bratsche, an der Schulter angelegt wird, wobei ein Band um den Hals oder die Befestigung mit einem Knopf an der Kleidung zusätzlichen Halt gibt. Die eigentliche Bedeutung dieses Instruments scheint nicht so sehr in seinem (vom heute üblichen Barockcello gar so unterschiedlichen) Klang zu liegen, sondern in der Musikergruppe, die es verwendete: Das Cello in Kniehaltung wurde offensichtlich zu Beginn der Geschichte dieses jüngsten Mitglieds der Streicherfamilie mehr von Musikern mit Gambenhintergrund verwendet, während das Violoncello da spalla von Geigern gespielt wurde – auf diese Weise entsteht ein Violinenchor, der eine Entsprechung zum Gambenchor von der Sopran- bis zur Baßgambe darstellt. Zusätzlich wartet diese Aufnahme noch mit einem von Sigiswald Kuijken auf dem Violoncello da spalla vorgetragenen Cellokonzert auf, während die La Follia-Sonate, eines der erlesenen Kammermusikwerke des prete rosso, diese Entdeckungsreise in das Reich des vermeintlich Bekannten sehr harmonisch abrundet.

Detmar Huchting [06.06.2007]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 A. Vivaldi Concerto D-Dur RV 403 für Violoncello, Streicher und B.c.
4 Konzert E-Dur op. 8 Nr. 1 RV 269 (Der Frühling - aus: Die vier Jahreszeiten) 00:09:53
7 Konzert g-Moll op. 8 Nr. 2 RV 315 (Der Sommer - aus: Die vier Jahreszeiten) 00:11:01
10 Konzert F-Dur op. 8 Nr. 3 RV 293 (Der Herbst - aus: Die vier Jahreszeiten) 00:11:08
13 Konzert f-Moll op. 8 Nr. 4 RV 297 (Der Winter - aus: Die vier Jahreszeiten) 00:08:39
16 Sonata a tre op. 1 Nr. 12 RV 63 (La Follia) 00:09:43

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Sara Kuijken Violine
Luis Otavio Santos Violine
Dmitry Badiarov Violine
Frank Agsteribbe Cembalo
Sigiswald Kuijken Violine, Leitung
 
ACC 24179;4015023241794

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