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CD-Besprechung

Johann Nepomuk Hummel: Der Durchzug durchs Rote Meer (Oratorium)

cpo 1 CD 777 220-2

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Besprechung: 19.01.07

Klassik Heute
Empfehlung

cpo 777 220-2

1 CD • 51min • 2004

Johann Nepomuk Hummel (1778–1837) der als Wunderkind von sieben Jahren Meisterschüler Mozarts, 1804 noch unter Haydn Konzertmeister im Schloß Eszterhazy wurde und sein Leben als Kapellmeister in Weimar beendete, ist heute vor allem durch sein berühmtes Trompetenkonzert bekannt. Sein umfangreiches Schaffen ist leider fast völlig vergessen, auch wenn insbesondere seine damals regelrecht avantgardistischen Klavierkonzerte und Teile seiner Kammermusik seit einiger Zeit wieder vermehrt auf das Interesse von Musikern stoßen. Die Opern und Chorwerke harren noch ihrer Wiederbelebung.

Eine Sensation ist daher die Entdeckung dieses Oratoriums von Hummel, das noch neueste Musiklexika verloren glaubten. Das undatierte, wohl zwischen 1804 und 1811 entstandene Autograph lag jedoch in Wirklichkeit in der British Library, wo es der Dirigent Hermann Max entdeckte und 2004 die erste neuzeitliche Wiederaufführung seit mehr als hundert Jahren initiierte. Dafür mußte er eigens Aufführungsmaterial herstellen lassen, für das sich leider bis 2007 kein Verleger fand. Das ist schade, weil das Stück große Qualitäten hat – ein mit 50 Minuten recht kompaktes, gleichwohl sehr dramatisches Werk, stilistisch in der Nähe Beethovens (in der Intrada lassen die Coriolan-Ouvertüre, dritte und fünfte Sinfonie grüßen!), aber mit einigen Extra-Features: Das Orchester hat nicht nur die übliche Streicher- und Bläserbesetzung (doppeltes Holz, zwei Hörner, zwei Trompeten und Pauken). Die Rezitative werden zeit-typisch vom Fortepiano begleitet, und das Quartett Nr. 10 preist das gelobte Land mit einer zusätzlichen Harfe und Gitarre. Der Vokal- und Orchestersatz selbst ist virtuos und wirkungsvoll, oft zukunftsweisend: Vieles klingt bereits nach Mendelssohn oder Carl Maria von Weber – die große Chor-Fuge Nr. 5 “Der Herr hat unser Geschrei gehört” ebenso wie die Arie mit Chor Nr. 8 “Ich schwebe auf des Todes Fittich”, welche bemerkenswerte Pauken-Effekte aufweist. Eindringlich lautmalerisch gerät auch das Rezitativ Nr. 7, das detailliert von den Plagen, Seuchen und Unwettern in Ägypten berichtet. Die Struktur mit zwei Teilen zu acht und sechs Sätzen erinnert an eine überdimensionale Bach-Kantate. Auch von der Besetzung und vom Umfang her wäre das Oratorium durchaus für Aufführungen im Rahmen von Gottesdiensten geeignet, wäre da nicht der durchaus blutrünstige, alt-testamentarische Text, der mit dem Chor Nr. 14 “Jehova ist ein Kriegesheld” endet, worin der Pharao und sein Heer jämmerlich ertränkt werden.

Die hier vorgelegte Aufnahme ist der Live-Mitschnitt eines Konzertes vom 22. September 2004 in der Klosterbasilika Knechtsteden. Das Publikum war hörbar gefesselt und für solche Verhältnisse außergewöhnlich diszipliniert. Die Produktion erhält diese Atmosphäre aufrecht – eine ungemein spannungsvolle Aufführung mit nie abbrechendem, großen Bogen. Alle Beteiligten musizierten mit einem Höchstmaß an Konzentration und Ausdruck. Kaum Wünsche offen läßt die von Dirigent Hermann Max ins Leben gerufene Rheinische Kantorei, die 2007 auf dreißig Jahre Bestehen zurückblicken kann: Erstaunlich, was ein 24-köpfiger, gut präparierter Kammerchor an Klangfülle und Differenzierungs-Vermögen aufbieten kann! Tadellos auch das von Konzertmeisterin Ulla Bundies geführte Orchester "Das kleine Konzert", das Hummels anspruchsvolle Partitur auf originalnahen Instrumenten in üppige Farben umsetzt. Das Solisten-Quintett ist vorzüglich aufeinander abgestimmt und genügt der von Hummel geforderten Vielseitigkeit. Immerhin: Eine Bravour-Arie mit Koloraturen wie die von Simone Kermes hier zündend vorgetragene Nr. 12 (übrigens hörbar eine Hommage an Mozart!) ist im Rahmen eines solchen Werkes durchaus ungewöhnlich. Hermann Max ist eine Entdeckung ersten Ranges und eine vorbildliche Interpretation gelungen.

Dr. Benjamin G. Cohrs [19.01.2007]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 J.N. Hummel Der Durchzug durchs Rote Meer (Oratorium)

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Simone Kermes Israelitin - Sopran
Veronika Winter Miriam - Sopran
Hans-Jörg Mammel Aaron - Tenor
Ekkehard Abele Moses - Baß
Wolf Matthias Friedrich Israelit - Baß
Rheinische Kantorei Chor
Das Kleine Konzert Ensemble
Hermann Max Dirigent
 
777 220-2;0761203722020

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