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CD-Besprechung

cpo 999 785-2

1 CD • 54min • 1998, 2000

05.12.2006

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Der Verfasser des beigegebenen Einführungstextes hätte ein wenig mitteilsamer sein und, anstatt vergeblich über das mögliche Entstehungsdatum und den Untertitel des Werkes nachzudenken, vielleicht näheres über die zyklischen Motivklammern in Erfahrung bringen dürfen, die die zweite Sinfonie von Heitor Villa-Lobos wie fluoreszierende Fäden durchziehen: Es gibt da neben einem einprägsamen, hymnischen Thema, dessen Provenienz mir nicht geläufig ist, eine derart unverhohlene und häufige Verwendung des berühmten Chopin-Préludes in c-Moll, daß man einer Antwort von Seiten des Kenners förmlich entgegenlechzt.

Natürlich kann es sein, daß Villa-Lobos, das geniale Urvieh, sich gar nichts dabei gedacht, sondern nur eine Sinfonie geschrieben hat, in der er seiner unbezähmbaren Fantasie wieder einmal völlig freien Lauf gelassen hat – sehr zur Freude des Hörers, möchte ich betonen, der ja bei jeder neuen Entdeckung aus dem überreichen Produktionsschatz des Brasilianers auf die verrücktesten Dinge gefaßt sein muß. Rüde Poeme, harsch polyphone Klöppelware, hinreißend charmante, romantische Magie mit und ohne Gitarre, stampfende Vulkanausbrüche und bluttriefende Stammesfehden, all das kann einem ebenso unvermittelt begegnen wie diese prachtvolle, viersätzige Sinfonie, in der er sich nach eigenem Bekunden an Vincent d’Indy orientieren wollte. Während der nun seine Farben mit einem Quast auf riesige Leinwände strich, handhabte er das mächtige Anstreichergerät dennoch so schwung- und kunstvoll, daß sich die Konturen scharfkantig und deutlich abheben: Kein Genuschel oder Gemauschel, sondern klare, schon beim ersten Hören vergnüglich nachvollziehbare Formen sind das Resultat dieser Arbeit, die mit Verve eingespielt und klanglich hervorragend eingefangen wurde.

Ein knapp dreiminütiges Schmankerl – die Orchesterfassung der zunächst für Klavier geschriebenen New York Skyline Melody (1939) – konfrontiert uns wieder einmal mit der putzigen Idee des Komponisten, landschaftliche oder architektonische Umrisse auf Milimeterpapier zu übertragen und dann melodisch zu nutzen. Von welcher Seite aus der Komponist diese Skyline gesehen hat? Dem Klang der niedlichen Miniatur zufolge durch den Boden eines Glases Bourbon...

Rasmus van Rijn [05.12.2006]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Heitor Villa-Lobos
1Sinfonie Nr. 2 (Ascenção)
2New York Skyline Melody – Modéré

Interpreten der Einspielung

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