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CD-Besprechung

Hungaroton HCD32401

1 CD • 63min • 2005

28.06.2006

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 7
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 7

In der dritten Sinfonie Ilja Murometz, der Ballettmusik Der rote Mohn sowie den Konzerten für Harfe bzw. für Koloratursopran erschöpft sich gemeinhin unser westliches Wissen über den Komponisten Reinhold Glière. Fast auf den Tag genau vor fünfzig Jahren – am 23. Juni 1956 – ist er gestorben, vier Monate vor dem militärpolitischen Geniestreich des Kreml, mit dem das Volk der Ungarn lernen durfte, was sozialistische Bruderliebe heißt.

Daß sich der Autor des Einführungstextes angesichts dieser Koinzidenz der Jubiläen ein wenig schwer tut, den rechten Enthusiasmus für den Komponisten aufzubringen, der, wie er betont, zeitlebens ein überzeugter Kommunist und Stalinist gewesen sei, vermag ich irgendwie nachzuvollziehen: Gewisse Kreise winden sich ja noch heute pflichtschuldigst bei dem Namen Richard Strauss ...

Desto hoffnungsvoller ist es, daß sich ausgerechnet das ungarische „National-Label” Hungaroton mit einem heimatlichen Ensemble der unbekannteren Seite Glières annimmt – und das mit einem wahrlich unverfänglichen Programm, denn die beiden frühen Streichquartette entstammen einer Zeit (1900 bzw. 1905), als die zwei bedeutendsten politischen Irrtümer des 20. Jahrhunderts nur erst in den Hirnen einiger weniger Weltverbesserer existierten: Der Komponist war fünfundzwanzig Jahre alt, als er sich in seinem Erstling mit den Tücken des Quartettsatzes auseinandersetzte, und er war dreißig, als er in seinem Opus 20 eine vermehrte Selbständigkeit erkennen ließ. Juvenilia, wie uns der Kommentar will glauben machen, sind es also nicht, die das Pulzus Vonósnégyes hier eingespielt hat, und doch wecken sie verschiedentlich den Anschein: Es gibt nämlich in beiden Quartetten je einen strukturellen Ausreißer, der sich durch eine größere kompositorische Reife oder auch einfach den Mut zur Schere hätte vermeiden lassen. Das Opus 2 verfranst sich im Variationssatz, mit dem der junge Glière wohl hat zeigen wollen, was er alles konnte, und das bis dahin rundum schöne zweite Quartett geht einem durch den zu Tode gerittenen Refrain nach einiger Zeit gewaltig auf den Nerv. Das ist besonders bedauerlich, weil die ganz dezent folkloristisch getönten, wirklich köstlichen Episoden unter die Hufe der Galoppade geraten und auch das tapfer dahinstampfende Ensemble hier nichts mehr retten kann.

Die Interpretationen sind ansonsten sehr ansprechend, von hoher Intensität beispielsweise im langsamen Satz des zweiten Quartetts, gut ausgehört überall dort, wo die verschiedenen Stimmen auseinander emporblühen und sich kunstvoll ablösen. Leider kann die klangtechnische Seite vor allem in den dichter instrumentierten Phasen nicht recht mithalten. Wenn Hungaroton vorhat, auch die beiden späteren Glière-Quartette zu produzieren, sollte dieser Mangel abgestellt, das Ensemble hingegen beibehalten werden.

Rasmus van Rijn [28.06.2006]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Reinhold Glière
1Streichquartett Nr. 1 A-Dur op. 2
2Streichquartett Nr. 2 g-Moll op. 20

Interpreten der Einspielung

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