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CD-Besprechung

harmonia mundi HMC901899

1 CD • 66min • 2005

22.06.2006

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Im zweiten Satz seines berühmtesten Quartettes, dem sogenannten „Amerikanischen“ op. 96 in F-Dur, beweist Dvorák Mut zur Wiederholung: Fast den ganzen Satz über hält er ein gleichmäßig-wellenartiges Begleitmotiv durch, das zwar durch die Stimmen wandert und sich in Bezug auf die Harmonik permanent ändert, nie jedoch seinen Bewegungsgestus aufgibt. Damit stellte Dvorák die Spieler vor eine ziemlich vertrackte Aufgabe: Denn natürlich muß das Immergleiche differenziert werden, wenn der Hörer während der namhaften Zeitstrecke nicht verloren gehen soll; gleichzeitig jedoch darf der Eindruck der schier ewigen, meditativen Wiederholung nicht durch zuviel Arbeit mit Ausdruck zunichte gemacht werden.

Allein an diesem Satz kann man die Imaginationskraft des 1993 gegründeten Jerusalem Quartet studieren und genießen. Den jeweiligen Streichern, die das besagte Motiv durch die vier Stimmen des Quartettes durchreichen, gelingt das Kunststück, die Phrase bewußt zu spielen und dennoch nicht so expressiv, daß die hypnotische Wirkung getrübt würde – ein echter Balance-Akt. Erst am Ende des magischen Satzes wird klar, daß das Jerusalem Quartet unmerklich und mit langem Atem auf das unerhörte Abbrechen des Motivs in der Satzcoda hingearbeitet hat; und das Quartet kann nun äußersten Effekt aus der plötzlich sich auftuenden Leere, dem stockenden Resignieren, gewinnen: Es erzielt einen veritablen Schock der Stille. So entwickelt der Satz eine immense Intensität, gerade weil das Quartett nicht zuviel macht, sondern den Satz mutig und mit Geduld sich aus sich heraus entwickeln läßt.

Das ist eine Fähigkeit, ein besonderes Stück Musik zu begreifen, die weit über die beim Jerusalem Quartet festzustellenden Qualitäten der Tonschönheit und Homogenität hinausgehen. Das Quartett stimmt so geschmeidig zusammen, daß es sich es schon wieder leisten kann, seine Geschlossenheit aufzubrechen, um das Relief besonders plastisch zu gestalten. So wirken einige wenige vom Bratschisten eingestreuten Geräuschhaftigkeiten im dritten Satz des Amerikanischen Quartetts, Molto vivace, pikant, ohne aufgesetzt zu sein.

Diese Bewußtheit der Durchgestaltung gibt das Quartett auch im Verbund mit dem Pianisten Stefan Vladar nicht auf. In Dvoráks Klavierquartett A-Dur op. 81 bewahren die Jerusalemer ihre Transparenz und können dennoch mit der geschmeidig singenden und farbstarken Pianistik Vladars aufs Schönste verschmelzen. Besonders im 3. Satz, dem Furiant, fügen sich die verschiedenen Schichten zu einer Art organischen Mechanik des Quintettspiels zusammen. Resultat ist, besonders im Kopfsatz Allegro, ma non troppo, ein einzigartiger Klangrausch, aber einer, der stets klug agogisiert ist, nicht etwa besinnungslos verlaufen würde. Vielmehr glüht er von innen. Auf dieser Platte hört man ein so sinnliches und kluges Kammermusizieren, daß man geradezu von einer Sternstunde sprechen kann.

Dr. Michael B. Weiß [22.06.2006]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Antonín Dvořák
1Streichquartett Nr. 12 F-Dur op. 96
2Klavierquintett A-Dur op. 81

Interpreten der Einspielung

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