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DVD-Video-Besprechung

Hungaroton HDVD 32245

1 DVD-Video • 1h 55min • 2003, 2004

16.03.2006

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 3
Klangqualität:
Klangqualität: 6
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 3

Eine barocke Theaterkulisse, ein kostbarer Kristalllüster und ein einsames Cembalo auf der Bühne, an dem ein weißhaariger Herr seine Kunst ausübt, sind die visuellen Anreize dieser DVD. Da müsste musikalisch einiges Aufregende geschehen, damit der Zuschauer einsehen soll, warum er auch Zuhörer ist – oder umgekehrt der Zuhörer verstehen kann, warum er als Zuschauer unabdingbar ist. Doch was gibt’s zu sehen? Das unbewegte Gesicht des Interpreten, die spielenden Hände auf der Tastatur, dann ein Raubvogelblick von Péter Ella in die vor ihm liegenden Noten, oder auch die Perspektive eines rechts hinter dem Cembaloschemel hockenden Kleinkindes, das die Szenerie schräg von hinten beobachtet. Doch, keine Angst, mehr als diesen ungewöhnlichen Blickwinkel hat das Geschehen nicht mit einem Hitchcock-Krimi gemein.

Péter Ella konzipiert seine Interpretation der Kunst der Fuge entlang des liturgischen Ablaufs eines Requiems, und zur Unterstützung dieser künstlerischen Entscheidung bemüht er einen fiktiven Brief Johann Christian Bachs an Wolfgang Amadé Mozart, der freilich ganz und gar aus der Feder von Péter Ella stammt, so gespickt ist er mit unpassenden Vertraulichkeiten des Älteren gegenüber dem Jüngeren, deren Verhältnis von gegenseitiger Achtung und Zuneigung, jedoch nicht von Kumpelhaftigkeit geprägt war. Man erkennt den Zweck: In Mozarts Todesjahr soll eine Interpretation von Bachs letzter, unvollendeter Komposition zu einem Schwanengesang hochstilisiert werden und damit in einer tränenselig romantischen Fehldeutung ein ähnlich missverständliches Schicksal erleiden wie Mozarts Requiem. Der Jubilar des Jahres soll ebenso wie die Bildkulisse Glanz auf eine Einspielung der Kunst der Fuge werfen, die gegen eine immense Konkurrenz hochkarätiger Interpretationen antritt.

Die Inszenierung als Requiem erweist sich indes als Falle: Ellas Interpretation ist sterbenslangweilig! Der italienische Kollege Rinaldo Alessandrini hat das Werk Ende des vergangenen Jahrhunderts mit seinem Ensemble Concerto Italiano konzertant aufgenommen. Alessandrini ist Cembalist wie Péter Ella, es dürfte kaum allein an den Musikern seines Ensembles liegen, wenn seine Version der hier vorliegenden musikalisch und rhetorisch weit überlegen ist. Bach wollte mit seiner Kunst der Fuge weder ein Kirchhofswerk noch einen Schwanengesang schreiben, schon eher ein Testament seiner polyphonen Kunst – wenn denn hehre Begriffe bemüht sein wollen. Mit einem in steifem Zeremoniell vorzutragenden Nachruf hat die Kunst der Fuge als lebendige Hinterlassenschaft einer musikalisch-geistigen Tradition mit jahrhundertealter Geschichte jedenfalls nichts zu tun!

Vergleichsaufnahme: Concerto Italiano, Rinaldo Alessandrini (Leitung), Opus 111 AVT 20-011.

Detmar Huchting [16.03.2006]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Johann Sebastian Bach
1Die Kunst der Fuge BWV 1080

Interpreten der Einspielung

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