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CD-Besprechung

hänssler CLASSIC 98.275

1 CD • 60min • 2002, 2005, 2006

05.12.2006

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Man erschrickt geradezu bei dem Donnerwetter, das Thomas Fey und seine 1992 gegründeten Heidelberger Sinfoniker zu Beginn der ersten Sinfonie Mendelssohns hier loslassen. An Agressivität und Klangschärfe scheint Fey beispielsweise die frühere Aufnahme-Ästhetik der London Classical Players noch übertreffen, Mendelssohn vor allem als Radikalen darstellen zu wollen. Fey, der Aufführungspraxis alter Musik bei Nikolaus Harnoncourt am Mozarteum studierte, verfolgt mit seinem Orchester einen historisch informierten Ansatz. Nicht historisch ist die Orchesteraufstellung, die auf die zu Mendelssohns Zeiten übliche antiphonale Aufstellung der Violinen verzichtet. Daniel J. Koury, der für sein Referenzwerk "Orchestral Performance Practices in the Nineteenth Century: Size, Proportions and Seating" über 100 Sitzpläne mitteilt, fand kein einziges Beispiel eines Konzertorchesters, das so sitzt wie auch bei Fey, mit allen Violinen links. Die Vorzüge der antiphonalen Violin-Aufstellung kommen bei meiner Vergleichs- und für mich auch Referenz-Einspielung der ersten Sinfonie bestens zum Tragen: die Cappella Coloniensis unter Sigiswald Kuijken (CPO 999 932 2). Auf der Strecke bleiben bei Fey mithin die Dialoge zwischen den Geigengruppen, zum Beispiel auch die wunderschöne, tief liegende Konter-Melodie zu Beginn des langsamen Satzes der Ersten (Tr. 2), die bei Kuijken bestens vernehmbar ist. Kuijken läßt zwar das Werk etwas weicher daherkommen, doch dafür hört man bei ihm viele schöne Details der Orchestrierung deutlicher und bewußter als bei Fey, dessen schnelle Tempi den Hörer mitunter kaum zu Atem kommen lassen.

Vielleicht ware e seine interessante Idee gewesen, jenen alternativen dritten Satz für die erste Sinfonie beizugeben, den Mendelssohn für seine Londoner Aufführung am 25. Mai 1829 vorlegte – eine Orchestrierung des Scherzos aus seinem Oktett (die Studienpartitur ist vor kurzem bei www.musikmph.de in der Reihe Repertoire Explorer wieder verfügbar gemacht worden). Gerade in den Zeiten, in denen die parallel entstehenden neuen Urtext-Ausgaben von Mendelssohns Werken auch auf die Problematik der verschiedenen Fassungen bei ihm dezidiert hinweisen (welche für seine Rezeption von mindestens so großer Tragweite ist wie bei Bruckner), wäre es schön, wenn auch neue CD-Einspielungen dies berücksichtigen würden, selbst wenn Mendelssohn in diesem Fall bei der Drucklegung wieder auf dem hier zu hörenden Menuett bestanden hat.

Durchweg erfreulich ist die Neueinspielung der bedeutenden D-Dur-Streichersinfonie in der Erweiterung für Sinfonieorchester, deren Einleitung hörbar das Thema aus Bachs Kunst der Fuge aufgreift und die als Mendelssohns eigentliche erste sinfonische Arbeit zu gelten hat. (Eine ähnliche Neuinstrumentierung gibt es übrigens auch im Fall des d-Moll-Violinkonzerts, das ursprünglich nur für Streicher gesetzt war.) Diese Zweitfassung der achten Streichersinfonie lag mir bisher nur in einer ausgesprochen schläfrigen Darbietung des Gewandhausorchesters unter Kurt Masur vor. Fey verpaßt ihr die lange überfällige Frischzellenkur.

Alles in allem also ist diese Aufnahme der vielversprechende Auftakt einer neuen Gesamteinspielung, dem allerdings durch die (auch klangtechnisch umgesetzte) Schärfe besonders in den lebendigen Sätzen gelegentlich die Wärme fehlt.

Dr. Benjamin G. Cohrs [05.12.2006]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Felix Mendelssohn Bartholdy
1Sinfonie Nr. 1 c-Moll op. 11
2Streichersinfonie Nr. 8 D-Dur
3Streichersinfonie Nr. 13 c-Moll für Streichorchester – Grave- Allegro molto

Interpreten der Einspielung

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