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CD-Besprechung

Jean Sibelius: Kullervo op. 7 für Soli, Männerchor und Orchester (Sinfonisches Gedicht)

cpo 1 CD/SACD stereo 777 196-2

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8

Klangqualität:
Klangqualität: 8

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Besprechung: 08.11.06

cpo 777 196-2

1 CD/SACD stereo • 73min • 2005

Eine Chorsymphonie aus mehreren Tondichtungen, in die, damit sich’s auch richtig lohne, gleich noch eine knapp halbstündige dramatische Szene eingelassen ist: Keine Frage, Kullervo gehört zu jenen typischen Frühwerken aus Geschichte und Gegenwart, in denen man den enzyklopädischen Geist des Verfassers auf der Suche nach dem (vermuteten) Schlußstein des Universums beobachten kann. Es müßte doch möglich sein, so denkt man, mit einem einzigen, bis dato noch nicht dagewesenen Werk sämtliche Fragen auf einen Hieb zu beantworten und ein für allemal eine andere Welt zu schaffen – und prompt schmiedet man Ringe, arbeitet man an Le Livre oder komponiert eben auch einen Kullervo.

Dieser uralte, zumeist in der Jugend geträumte Künstlertraum wird sich zwar nie realisieren lassen, und doch muß ein Interpret beim Umgang mit den schier grenzenlosen Illusionen doch so tun, als wäre man nur noch eine Handbreit von jenen Regionen entfernt, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat. Genau das aber scheint mir in der vorliegenden Aufnahme nicht in letzter Konsequenz gewollt zu sein, und daraus resultiert eine eigentümliche Diskrepanz. Zum einen gibt es außerordentlich bewegende Passagen wie das gewaltige Kullervo, Kalervos Sohn im dritten Satz oder die Trauermusik am Ende – beides nicht zuletzt ein Verdienst des grandiosen Chores –, zum andern fehlt den rein instrumentalen Teilen die letzte bissige Eindringlichkeit, die einem für gewöhnlich eine Gänsehaut nach der andern beschert. Besonders eklatant empfinde ich das in den großen Pausen, die Sibelius schon damals einlegt: Sind das nun Momente höchst spannungsvoller Erwartung – oder nicht vielmehr ganz einfach leere Stellen?

Von einigen schrillen Phasen der hohen Geigen im vierten Satz abgesehen, ist der Klang der Produktion sehr angenehm. Die beiden Solisten machen ihre Sache gut, wobei mir Satu Vihavainen als Kullervos Schwester noch besser gefällt als ihr Partner Juha Uusitalo, der mehr Dämonie hätte an den Tag legen dürfen.

Rasmus van Rijn [08.11.2006]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 J. Sibelius Kullervo op. 7 für Soli, Männerchor und Orchester (Sinfonisches Gedicht)

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Satu Vihavainen Sopran
Juha Uusitalo Baßbariton
Kauppakorkeakoulun Ylioppilaskunnan Laulajat Männerchor
Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz Orchester
Ari Rasilainen Dirigent
 
777 196-2;0761203719624

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