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CD-Besprechung

cpo 777 068-2

1 CD • 63min • 2004

13.12.2005

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Wenn der gegenwärtige Musikbetrieb den Wert dieser zwei nur äußerst selten gespielten Stücke Eduard Erdmanns (1896–1958) auch zum Anlaß für programmplanerische Konsequenzen nehmen würde: wenigstens Erdmanns 3. Sinfonie op. 19 von 1947 müßte demnach ab und zu in philharmonischen Programmen auf der ganzen Welt gegeben werden. Erdmann, der heute vor allem noch als Pianist bekannt ist und hier in eine Reihe mit Meistern wie Schnabel oder Gieseking gehört, war als Komponist immerhin Schüler von Heinz Tiessen. Sein Handwerk hat er bei diesem von der Pike auf gelernt: In so gut wie allen Parametern ist seine 3. Sinfonie perfekt.

Die Instrumentation ist durchsichtig und gleichzeitig beeindruckend voluminös, voll schöner Orchesterfarben (etwa Mixturen des tiefen Holzes sowie einigen sparsamen, aber wirkungsvollen Soli von Blechbläsern); die Form ist auch über längere Zeitstrecken hinweg, wie etwa im Adagio-Satz, mit intuitiver Sicherheit erfüllt und wirkt in der Satzabfolge des ganzen fast 50-minütigen Werks fast wie ausgerechnet präzise: Auf zwei ausgreifende Sätze folgt ein Scherzo-Intermezzo, und dann ein wiederum ruhig geprägter Satz als Ausklang einer Form, die zu ihrer Mitte hin an Fahrt gewinnt und dann einen Schluß mit unaufgeregter Pathetik ansteuert. (Auf der Rückseite der CD hat sich hier übrigens ein Fehler eingeschlichen: Das Finale ist natürlich nicht exakt so lang wie das Scherzo, sondern vielmehr – wie das Booklet richtig wiedergibt – gute 14 Minuten lang).

Einzig die Metrik der 3. Sinfonie ist vielleicht etwas quadratisch, ein Quentchen zu regelmäßig und damit vorhersehbar, so daß Erdmann hier etwas hinter der stärker an Brahms’ Prosa geschulten Metrik Schönbergs zurückbleibt. Letztlich jedoch will die Musik nie mehr als sie auch tatsächlich darzustellen vermöchte.

Im gegenwärtigen Musikbetrieb ist jedoch eine solchermaßen hoch anzusetzende Qualität nicht ausreichend, und die Tatsache, daß die Stücke in vielen ihrer Aspekte besser geglückt sind als vergleichbare Arbeiten von ungleich berühmteren Zeitgenossen, verdeckt nicht die Tatsache, daß vielleicht für manchen Hörer zu wenig Charisma von den sachlich grundierten Kompositionen Erdmanns ausgehen könnte. Hier jedoch greift ein großer Vorzug der Stücke Erdmanns: ihre pädagogische Eignung, komplexe Modernität unmittelbar nachvollziehbar auszudrücken. Auch einem wenig geübten Hörer dürfte die Struktur des 1. Satzes der 3. Sinfonie mit seinen Quarten- und Quinten-Motiven einleuchten, welche dann durch ähnlich prägnante Motive von absteigenden Terzen ergänzt werden. Gerade in Konzertprogrammen mit gut kaschiertem pädagogischem Anspruch könnte Erdmanns Sinfonie das Verständnis von schwierigeren experimentellen Werken der Zeit vorzubereiten helfen.

Einen Großteil des künstlerischen Erfolgs, den Erdmanns lange verschüttete Sinfonik – nicht zuletzt auch das Capriccio op. 21 – hier einfahren kann, kann das Brandenburgische Staatsorchester Frankfurt unter Israel Yinon für sich verbuchen. In allen Gruppen außerordentlich gut besetzt, spielen die Brandenburger diese Werke so vertraut, als ob sie mit diesen eine jahrzehntelange Aufführungstradition verbände. Dazu kommt eine Klangphotographie, die für diese Musik sinnfälliger kaum sein könnte: Alle Instrumente sind im Raum so trennscharf wie klangreich abgebildet, es stellt sich der Eindruck eines äußerst distinkten Zusammenspiels der verschiedenen Gruppen ein. Dies ist eine Entdeckung, die auch innerhalb des gegenwärtig noch anhaltenden Klimas von repertoirepolitischen Ausgrabungen unter anderen Entdeckungen herausragt.

Dr. Michael B. Weiß [13.12.2005]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Eduard Erdmann
1Sinfonie Nr. 3 op. 19
2Capricci op. 21 (Ein kleines Kaleidoskop für Orchester)

Interpreten der Einspielung

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