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CD-Besprechung

harmonia mundi HMC 901876

1 CD • 64min • 2004

22.12.2005

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Klassik Heute
Empfehlung

Was ich bislang von Harald Sæverud habe hören können, reicht zwar nicht, um ihn zu meinem „Lieblingsnorweger” zu machen – da ist, weiß der Geirr, Tveitt vor! Hat man sich aber erst einmal bequemt, Sæverud wirklich konzentriert zuzuhören, dann bietet er in seiner erstaunlichen Sparsamkeit eine ganz merkwürdige, innerliche Schönheit, die zu entdecken sich lohnt. Es gibt hier nur selten das, was wir als sinfonische Fülle kennen, wenige Tutti-Ausbrüche und große Bügen, dafür aber viele fragile Soli oder filigrane Instrumentalkombinationen, wie beispielsweise am Anfang der 1937 entstandenen vierten Sinfonie, wo sich geraume Zeit eine Flöte und ein Horn miteinander unterhalten, bis das motivisch-lineare Wechselspiel endlich auf die Violine überspringt – und nur wenige Minuten später sind wir wieder inmitten einer kantigen, von selbstbewußt-eigensinnigen Individuen bevölkerten, rauhen und doch enorm faszinierenden Landschaft.

Rauhe, fremde, ursprünglich schöne Landschaften: Das gilt für fast alle Werke, die das exzellente Sinfonieorchester von Stavanger unter Ole Kristian Ruud hier aufgenommen hat. Ein Stück wie die 1934 in ihre endgültige Form gebrachte zweite Sinfonie mit ihrer Entrata drammatica von zwei, ihrem Andante mesto von neun und ihrer abschließenden Sonata grande von mehr als zwölf Minuten wird zunächst zweifellos irritieren. Kaum schwingt sich im ersten Teil (Kopfsatz mag man gar nicht sagen!) der kleine rhythmische Grundimpuls zu größeren Taten auf, da befinden wir uns auch schon in der nächsten Abteilung, deren folkloristisch getöntes „Thema” binnen kürzester Frist einer abstrakten Gangart weicht, die keinerlei äußere Ablenkungen verträgt. Ähnlich verlaufen praktisch alle hier zusammengestellten Kompositionen: Man hört so etwas wie eine vertraute Signatur, ein traditionserprobtes Zeichen – das schwankende bateau zu Beginn des Sumarnatt-Båtsong (Barcarole einer Sommernacht), die „Geste” des Stehgeigers in der Romanza für Violine und Orchester –, doch gleich treibt’s einen in Regionen, wo es keine alten Bilder und Orientierungshilfen mehr gibt. Keine Frage, das ist Gegenwartsmusik, und zwar des Sinnes, daß man sich auf jede einzelne Figur und Linie jetzt einlassen muß. Ohne vorauszuahnen, ohne in dem, was vergangen ist, festzuhängen (Erinnerungen stellen sich wie selbstverständlich ein). Und Sæverud muß das so gemeint haben. Sonst hätte er kaum so etwas wie die Fünfzig kleinen Variationen (1931/32) geschrieben, eine nicht nur witzige, sondern auch überaus geistreiche Serie von Miniaturveränderungen über ein dreitaktiges Thema, die nach kaum sechs Minuten vorüber ist. Bei der Uraufführung, so erfahren wir aus dem Booklet, forderte das Publikum das Stück gleich noch mal. Das sei an dieser Stelle eindringlich zur Nachahmung empfohlen.

Detmar Huchting [22.12.2005]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Harald Saeverud
1Sinfonie Nr. 2 op. 4
2Romanza op. 23a für Violine und Orchester (1942)
3Sumarnatt-Båtsong op. 14 Nr. 6 (Barcarola d'una notte d'estate, 1941)
4Cinquanta Variazioni Piccole op. 8 (1931/1932)
5Sinfonie Nr. 4 op. 11 (1937)

Interpreten der Einspielung

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