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CD-Besprechung

M. Mussorgsky • S. Rachmaninow

Warner Classics 1 CD 2564 62050-2

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 6

Klangqualität:
Klangqualität: 8

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 6

Besprechung: 08.07.05

Warner Classics 2564 62050-2

1 CD • 54min • 2004

Dieser Live-Mitschnitt von den Londoner Proms vom 24. August 2004 hinterläßt bei mir einen zwiespältigen Eindruck, obgleich das Publikum – folgt man dem beigegebenen Applaus – nach dieser Aufführung wie aus dem Häuschen war. Erfreulich ist der Auftakt mit den Liedern und Tänzen des Todes von Mussorgsky, hier in der Bearbeitung für Bariton und Orchester von Schostakowitsch (1962) – ein Paradestück für den Bariton Dmitri Hvorostovsky, der offenbar selbst noch die akustisch problematische, gigantische Royal Albert Hall mit seiner Stimme zu füllen vermag. Er gewinnt den vier Liedern Nuancen ab, die ich so noch nicht gehört habe; erstaunlich, wie wandlungsfähig diese Stimme ist und wie sicher und geschmackvoll Hvorostovsky insbesondere sein Timbre den Abschattierungen anpaßt, die Text und Komposition fordern. Der altgediente Yuri Termirkanov und sein Petersburger Traditions-Orchester begleiten lebendig und aufmerksam; die Stimme wird nie zugedeckt – auch wenn die gute Balance zu einem großen Teil der vorzüglichen Instrumentierungskunst von Schostakowitsch zu verdanken ist. Diese Bearbeitung ist so gut, dass sie die eigentlich schönere, aber auch etwas dickere Instrumentierung von Glasunow und Rimsky-Korssakoff inzwischen von den Konzertpodien verdrängt hat.

Keinen so guten Eindruck macht auf mich die Wiedergabe von Rachmaninoffs letzter verkappter Sinfonie, den Sinfonischen Tänzen op. 45 (am Rande gefragt: Ist die Nennung von opus-Zahlen im Booklet und Inlay bei Warner Classics inzwischen vollends abgeschafft worden?). Da die Petersburger Blechbläser weitaus kultivierter und zurückhaltender spielen als beispielsweise ihre Kollegen in Londoner Orchestern, hört man die Holzbläser stets präsent durch das Tutti hindurch. Doch von den Streichern vernimmt man leider – wie oft – nur erste Geigen und Bässe. Außerdem hat der Dirigent die Gesamtfaktur kaum zufriedenstellend realisiert. Rachmaninoffs komplexe Partitur erfordert es, die Neben- und Hauptstimmen, Füllstimmen und Kolorit-Partien für die Aufführung sehr differenziert und klar zu organisieren. Man höre dagegen, wie unklar beispielsweise hier das von den Holzbläsern dominierte Trio des ersten Tanzes mit dem berühmten Saxophonsolo herüberkommt (Tr. 5, 2’56). Der Gesamteindruck ist der einer vom Dirigenten allzu straff kontrollierten, manchmal gehetzten, in der Regel kühlen Aufführung, die nur an wenigen Stellen mitzureißen vermag (z. B. die Reprise des Anfangsthemas im ersten Tanz) und aufgrund ihrer Atemlosigkeit noch in den empfindlichen Rubati nur selten anrührt. Der immer noch unübertroffenen Referenzeinspielung mit dem LSO unter Andre Previn aus dem Jahr 1976 (EMI CMS 7 64530 2) kann diese Aufnahme bei weitem nicht das Wasser reichen. (Die künstlerische Gesamtwertung von 6 ergibt sich rechnerisch aus einer 8 für Mussorgsky und einer 4 für Rachmaninoff.) Der berühmte, goldwarme Klang der Petersburger Philharmoniker kommt in der weiträumigen Albert Hall leider kaum zum Tragen, auch wenn die Tontechniker ihr bestes versucht haben, ein ordentlich Maß Räumlichkeit und Durchhörbarkeit herzustellen. Ebenfalls sehr erfreulich ist, daß die Live-Atmosphäre weitgehend erhalten bleibt, da man sich bei der Nachbearbeitung mit dem Herausschneiden von Knackern und Hustern offenbar auf das Nötigste beschränkt hat.

Dr. Benjamin G. Cohrs [08.07.2005]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 M. Mussorgsky Lieder und Tänze des Todes
2 S. Rachmaninow Sinfonische Tänze op. 45 für Orchester

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Dmitri Hvorostovsky Bariton
St. Petersburg Philharmonic Orchestra Orchester
Yuri Temirkanov Dirigent
 
2564 62050-2;0825646205028

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