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CD-Besprechung

La casa del diavolo

La casa del diavolo

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 6

Klangqualität:
Klangqualität: 6

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 6

Besprechung: 01.07.05

naïve OP 30399

1 CD • 69min • 2004

Einen der stärksten Akzente innerhalb der barocken Aufführungsszene hat in den letzten Jahren der Mailänder Giovanni Antonini gesetzt. Antonini schätzt das perkussive Musizieren über alles, er hält sein Ensemble Il giardino armonico stets zu schlagkräftigen Tutti an und nicht selten auch zu einer betont rauhen Tongebung mit hohem Geräuschanteil. Wenn so eine oftmals recht unbehauene Gewalt des Tuttis etabliert ist, fällt es leicht, sehr schüchterne pianissimi dagegen zu setzen. Das Resultat ist stets ein überraschendes dynamisches Relief. Ein solches arbeitet Antonini auch an den Stücken des vorliegenden Albums La casa del diavolo, dessen Klammer der Furientanz aus Glucks Don Juan und seine Bearbeitung durch Boccherini bildet, heraus. In Glucks Danza degli spettri e delle furie sind die dynamischen Extreme bemerkenswert: Das wilde Stück beginnt und endet in einem fast unwirklichen, sehr fern wirkenden pianissimo, und Antonini kann dann viel Effekt machen mit dem geänderten fortissimo-Schluß der Paraphrase dieses Stückes in Boccherinis Sinfonia d-Moll op. XII/4. Auch in der Sinfonia Wq 182/5 h-Moll von Carl Philipp Emanuel Bachs bestürzen die schroffen Einbrüche geradezu; die Fallhöhe zwischen dem scharfkantigen Tutti und den geradezu einsam klingenden piano-Passagen hat großes dramatisches Potential. Antonini entdeckt in Carl Philipp Emanuel nicht einen blassen Vorklassiker, sondern einen radikalen Stürmer und Dränger.

Solche interessanten Perspektiven können jedoch nicht vollständig darüber hinwegtrösten, daß Antoninis nie nachlassende Aggressivität, gepaart mit seinem Unwillen, klangliche Schönheit zuzulassen, Gefahr läuft, eintönig zu werden – und zwar paradoxerweise gerade über der ständigen Hatz nach dem größtmöglichen Kontrast. Die anhaltende Ruhelosigkeit nivelliert sich. Das kann man etwa in der Interpretation des Concerto grossos op. 7/6 Il pianto d’Arianna von Locatelli studieren, in dem die einzelnen Ereignisse recht grob angefaßt und per Kontrastwirkung so weit auseinandergetrieben werden, daß sich ein Zusammenhang kaum einstellen kann. Das ist der Preis für Antoninis interessante, manchmal auch interessantgemachte Haltung: Daß man seine Platten nur in kleinen Portionen genießen kann.

Dieter Weiss [01.07.2005]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 Chr.W. Gluck Tanz der Geister und Furien
2 C.Ph.E. Bach Sinfonie h-Moll Wq 182 Nr. 5 (Hamburger Sinfonie)
3 P.A. Locatelli Concerto grosso Es-Dur op. 7 Nr. 6 (Il Pianto d'Arianna)
4 W.Fr. Bach Cembalokonzert D-Dur
5 L. Boccherini Sinfonie d-Moll op. 12 Nr. 4 G 506 (La casa del diavolo)

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Enrico Onofri Violine
Ottavio Dantone Cembalo
Il Giardino Armonico Orchester
Giovanni Antonini Dirigent
 
OP 30399;0709861303991

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