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CD-Besprechung zum Thema
Klaviertrios

J. Haydn - Piano Trios Volume I

Decca eloquence 476 2577

1 CD • 69min • 1994

27.05.2005

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 7
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 7

Es gibt zwei ganz unterschiedliche Wege, sich Joseph Haydns Klaviertrios zu nähern. Der eine führt über eine Interpretationsphilosophie, welche sich auf die Verwendung alter Instrumente stützt, der andere beruft sich auf die Tradition einer romantisch geprägten Spielkultur. Die vorliegende, über zehn Jahre alte Aufnahme (erschienen in der australischen eloquence-Serie) wählt einen Weg zwischen diesen Polen, eine Mitte, die die Bezeichnung „golden“ verdient, da sie eine wesentliche Heruasforderung bei Haydn, nämlich die Balance zwischen strukturellem Aufbau und der Charakterisierung der verschiedenen Sätze, bravourös meistert.

Ganz der Tradition des klassischen Klaviertrios als erweiterte Klaviersonate folgend, dominiert in dieser klanglich unspektakulären Aufnahme das Klavier. András Schiff, dessen Beschäftigung mit Haydn und Mozart zum stimmigsten gehört, was die heutige Interpretationsgeschichte auf dem modernen Flügel aufweist, spielt mit einem perlend leichten Anschlag, der seine Energie weniger aus dem momentanen Klang als aus der Bewegung der Töne bezieht. Das gibt der Musik Leichtigkeit und Transparenz in den Allegros, die langsamen Sätze gewinnen viel Stille und Intimität. Shiokawa und Pergamenschikow treten dagegen – der einzige Kritikpunkt an dieser Aufnahme – mit viel weniger Individualität in Erscheinung. Dadurch, dass sich ihr Spiel an das von Schiff anpasst, erscheint die Musik aber auch sehr ausgewogen und harmonisch, ein Bild von klassischem Ebenmaß perfekt abbildend.

Auf dem Programm stehen zwei Trios in Moll und zwei in Dur. Das in den Jahren 1788/89 geschriebene Trio e-Moll Hob. XV:12 zeigt gleich zu Beginn exemplarisch den geschilderten Interpretationsstil. Ausgesprochen behende und die einzelnen Phrasen zu rhetorischen Floskeln verbindend präsentiert sich der Kopfsatz. Die Musik ist ständig in Bewegung, wechselt aber immer wieder die Richtung. Konterkariert wird dieser höchst aufgewühlte Satz durch das folgende Andante, in dem die Bewegung wiederholt fast still zu stehen scheint. Die Musik wirkt hier durchscheinend und. Dieser intime, traumähnliche Tonfall weicht im Finale einem tänzerischen Spiel voll kindlicher Lebensfreude. Die Phrasen sind allesamt kurz gehalten, die Musik gewinnt dadurch eine sprunghafte, verspielte Stimmung.

Das zweite Trio dieser Aufnahme, jenes in fis-Moll Hob. XV:26 (1795) setzt die nervöse Haltung des Eröffnungsallegros des e-Moll-Trios fort, gibt sich aber weniger aggressiv und aufgewühlt. Geprägt wird diese Interpretation auch durch die großen dynamischen Unterschiede, die nicht zuletzt durch das plastische Ausformen der verschiedenen Phrasen erreicht werden. Der Kontrast zum angrenzenden Adagio ist hier noch größer als zuvor. Der ganze Satz wirkt in sich gekehrt, zugleich aber auch ruhig und entspannt. Das Finale greift die erste Stimmung des Kopfsatzes wieder auf und gibt sich trotz des tänzerischen Duktus insgesamt streng und unnahbar. Versucht auch die Violine manchmal diese herbe Note zu verdrängen, so hat doch Schiff die Zügel in der Hand. Herbstliche Kühle umweht dieses Finale.

Die beiden 1797 in London und Wien veröffentlichten Dur-Trios, E-Dur Hob. XV:28 und Es-Dur Hob. XV:30, zeigen Haydn primär von der heitereren Seite. Das E-Dur-Trio beginnt wie ein erster Sonnenstrahl, leise, heiter und hell. Unspektakulär und entspannt entwickelt sich der ganz Satz, gefolgt von einem Allegretto, das in seiner fast strengen und unerbittlich nach vorne strebenden Haltung nicht gegensätzlicher sein könnte. Ausschlaggebend ist die linke Klavierhand, welche die Musik vor sich hertreibt. Hier ist Schiffs intensive Beschäftigung mit Bach am stärksten zu spüren. Das Tempo ist flott, was viel Unruhe vermittelt. Sein klassisches Maß gewinnt der Satz durch die sensible Gestaltung der Dynamik, wodurch sich seine Strenge immer wieder aufhellt. Nach diesem Spuk, der so schnell vorbei ist wie er gekommen war, beginnt ein Finale, welches fast nahtlos an die Stimmung des Kopfsatzes anknüpft. Fast, denn die Phrasen sind auch hier wieder sehr kurz gehalten. Es scheint, als habe der Traum von vorhin doch seine Spuren hinterlassen.

Das letzte Trio dieser Aufnahme ist zugleich Haydns letztes Trio überhaupt. Schiff, Shiokawa und Pergamenschikow gestalten es mit viel Nuancenreichtum, die Stimmung ist insgesamt ausgeglichen. Der Kopfsatz ist enorm reich an Farben und Stimmungen, die harmonisch ineinander fließen. Weich, wiegend und dennoch vital, ganz dem Zusatz con moto entsprechend, zeigt sich das Andante, welches so einen Bogen zum Finale schafft. Dieses kürzeste aller vier gehörten Finali strotzt vor Energie und Spiellust und macht Lust auf die kommenden Aufnahmen dieser aus unerfindlichen Gründen so spät erschienen Serie.

Robert Spoula [27.05.2005]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Joseph Haydn
1Klaviertrio e-Moll Hob. XV:10
2Klaviertrio Fis-Dur op. 82 Nr. 2
3Klaviertrio Nr. 26 E-Dur Hob. XV:28
4Klaviertrio Nr. 29 Es-Dur Hob. XV:30

Interpreten der Einspielung

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