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CD-Besprechung

K. Penderecki

Praga 1 CD 250 202

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9

Klangqualität:
Klangqualität: 8

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Besprechung: 19.04.05

Praga 250 202

1 CD • 60min • 2002, 2004

Er sei, so wird Krzysztof Penderecki mit einem Bekenntnis aus dem Jahre 1993 auf der Inlaycard zitiert, durch die postromantische Lektion gegangen und sehe nach erschöpfender Abhandlung des postmodernen Potentials sein künstlerisches Ideal in der claritas. Eine nähere Inspektion der Geschichte im allgemeinen und der Musikgeschichte im besonderen hätte ihm die mühevolle Suche gewiß erleichtert. Doch der Mensch muß eine Entdeckungen offenbar immer selbst machen, damit er sich’s merkt, ganz gleich, in welch großen Lettern die Historie auch geschrieben sein mag – und im Falle Pendereckis wird man zumindest Zeuge einer lohnenden Suche nach der einfachen Wahrheit, daß das Einfache einfach kommen muß, weil sich das Komplexe nicht ad infinitum verkomplizieren läßt. Schmerzlich mögen solche Abschiede von alten Ideologien ja sein (und für die sogenannten Vordenker geradezu undenkbar), doch im Gegensatz zur modernen Politik, die ihre hundertmal als untauglich erkannten Dogmen, statt sie über Bord zu werfen, in Zeiten ihres Scheiterns nur noch lauter predigt, gehört Penderecki zu einer Spezies, die Irrwege schöpferisch zu verlassen imstande ist.

Die vorliegende Produktion gibt mit fünf Kammermusikwerken aus rund anderthalb Jahrzehnten eine gelungene Kostprobe davon, wie das zu bewerkstelligen sein kann. Schon die Cadenza für Bratsche solo (1984) als das älteste der hier versammelten Werke zeigt eine Klarheit des Ausdrucks und der Gesten, die ihr zukünftig einen vorderen Platz in der Literatur für Solostreicher garantieren dürfte – wie auch das zwei Jahre jüngere Per Slava (für Mstislav Rostropowitsch) und das ebenfalls für Solocello geschriebene Divertimento von 1994, einem brillanten Vorführstück, das aus der Seele eines Musikers kommt, in dessen ästhetischer Ahnengalerie weder Dmitri Schostakowitsch noch Béla Bartók fehlen (wobei letzterer im 1990/91 entstandenen Streichtrio besonders viele Spuren hinterlassen hat).

Die erstaunlichste Komposition in dieser kondensierten Loslösung von der ehemaligen Moderne ist freilich das im Jahre 2000 entstandene Sextett für Klavier, Violine, Bratsche, Violoncello, Klarinette und Kontrabaß, ein zweisätziges, rund halbstündiges Stück, in dem fast alle „Errungenschaften” weggewischt sind: Einfache melodische Formulierungen, nachvollziehbare Abschnittsbildungen und Entwicklungen, eine schöne Instrumentierung, sogar ein wenig Platz für witzig-ironische Einwürfe resultieren in einer Musik, die man nicht „bedeutend” reden muß, weil sie ohne alle Umschweife mit inspirierter claritas zu uns spricht. Das Sextett ist der überraschende Höhepunkt einer gelungenen, dramaturgisch überzeugend gestalteten und musikalisch zwingenden Produktion über eine gar nicht so wundersame Wandlung, die früher oder später kommen mußte – zumindest im Schaffen eines Komponisten, der in der Lage ist, Dogmen über Bord zu werfen, wenn sie in die Sackgasse geführt haben.

Rasmus van Rijn [19.04.2005]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 K. Penderecki Streichtrio (1990/91)
2 Cadenza per la viola sola (1984)
3 Per Slava für Violoncello solo (1986)
4 Divertimento für Violoncello solo (1994)
5 Sextett für Violine, Viola, Violoncello, Klarinette, Horn und Klavier

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Prazák Quartet Streichquartett
Sachiko Kayahara Klavier
Michel Lethiec Klarinette
Premysl Vojta Englischhorn
 
250 202;0794881740765

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