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CD-Besprechung

Franz Schubert: Die schöne Müllerin D 795 (Liederzyklus nach Gedichten von Wilhelm Müller)

OehmsClassics 1 CD OC 511

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Besprechung: 01.04.05

OehmsClassics OC 511

1 CD • 60min • 2004

Weder bei der Winterreise noch beim Schwanengesang wird man gegen eine Tonarten-Veränderung – sofern dies der Typus der Vortragsstimme erfordert – ernstliche Einwände vorbringen. Anders beim Zyklus Die Schöne Müllerin, denn in diesem Fall wird das Tiefersetzen zum Problem, nicht so sehr für die Singstimme, wohl aber für den Klavierpart, der in der von Schubert bestimmten (hohen) Tonlage ungewöhnlich tief gesetzt ist. Durch die Herabminderung der Tonarten für Bariton- oder Baßstimme sinkt die Klavierbegleitung sozusagen in den Keller, wodurch eine ganz bestimmte musikalische „Beleuchtung“, wie sie eben nur die originale Version bieten kann, verloren geht. Damit soll nicht gesagt werden, daß dieser Zyklus Sängern mit mittlerer oder tiefer Stimmlage untersagt sein soll, es geht nur darum, daß man sodann das erwähnte klangliche Manko in Kauf nehmen muß. Die neue Aufnahme mit Roman Trekel und dem Klavierbegleiter Oliver Pohl reiht sich den besten Interpretationen der Bariton-Version an, die auf Tonträgern existieren. Trekels ausdrucksvoller, warmblütiger Gesang berührt vom ersten Ton an. Es ist dies eine wohlüberlegte, doch ohne Spitzfindigkeiten auskommende Interpretation, die – wie manche Einzelheiten verraten – exakt nach der Neuen Schubert-Ausgabe gestaltet wurde und deren ehrlicher, ungekünstelter und herzlicher Ton überaus sympatisch berührt. Keine Übertriebenheiten finden sich darin, keine versteckten Belehrungsversuche, wie sie jetzt mitunter im Schubert-Gesang auftauchen, alles rein, aus vollem Herzen heraus und mit schöner künstlerischer Gestaltung. Widerspruch mag die Auslegung einer Stelle im Lied Nr. 10 (Tränenregen) auslösen und zwar bei der Textstelle: Geselle, Geselle mir nach. Trekel trägt dies vor, als würde der Bach bloß Geselle, Geselle rufen, was ja im Grunde nichts bedeutet. Der Sinn deutet aber auf den Befehl: mir nach!

Mit dem Klavierspiel Oliver Pohls, das zwar perfekt und korrekt verläuft, wird man nicht in allen Teilen einverstanden sein, außer man wünscht sich bei Schubert einen aggressiven, oft sogar ruppigen Ton. Die Begleit-Passagen in der Ungeduld klingen laut und derb-hämmernd – und doch hat Schubert hier piano hingesetzt. Und noch etwas: das Weglassen des Anfangsakkords im 13. Lied (Mit dem grünen Lautenbande) ist eine Unsitte, die sich leider seit einigen Jahren eingebürgert hat. Der Brauch geht auf Gerald Moore zurück, der unbegreiflicherweise die Funktion dieses Akkords nicht verstanden hat, obwohl sich der Sinn aus dem Schluß des vorhergehenden Liedes (Pause) klar und eindeutig ergibt. Es wäre höchste Zeit, diesen Unsinn wieder abzustellen. Abgesehen davon, daß man an einem Meisterwerk wie Schuberts Schöner Müllerin keine Korrekturen vornehmen soll.

Clemens Höslinger [01.04.2005]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 F. Schubert Die schöne Müllerin D 795 (Liederzyklus nach Gedichten von Wilhelm Müller)

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Roman Trekel Bariton
Oliver Pohl Klavier
 
OC 511;4260034865112

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