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CD-Besprechung

Decca 476 2744

1 CD • 67min • 1981, 1982, 1977

18.03.2005

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Es ist wunderbar, daß diese beiden Geniestreiche des damals jungen Geigenvirtuosen Boris Belkin, aufgenommen 1981 und 1982 in der Londoner Kingsway Hall, endlich einmal auf CD verfügbar gemacht werden. Die beiden Violinkonzerte von Prokofieff sind nur selten so abgründig, anrührend, beißend und beredt zugleich zu hören. Belkins weiche, atmende Bogenführung und das warme, volle Timbre seines Instruments sichert den Kantilenen (Tr. 3, Anfang!) beseelte Spannung; andererseits werden die Sarkasmen Prokofieffs (beispielsweise im Scherzo des ersten Konzerts, Tr. 2) drastisch ausgereizt – eine beeindruckende Bandbreite der Interpretation. Eine ganz besondere Sternstunde war die Aufnahme des ersten Konzerts auch hinsichtlich der höchst potenten Begleitung: Die Aufnahme entstand im Januar 1981, ist also wohl die letzte Studioproduktion des am 7. Februar verstorbenen Dirigenten Kyrill Kondrashin. Sie hat ein unwiderstehliches „gewisses Etwas“ – fast möchte man von „vorahnungsvoll“ sprechen. Keine Einspielung dieses Konzerts ist mir bisher so unter die Haut gegangen. Hier würde ich von einer Referenzaufnahme sprechen, zumal auch die Tontechnik sehr gut ist: Der Klang ist so plastisch und natürlich, wie man ihn eigentlich erst heute von guten SACD-Produktionen gewohnt ist, bewahrt aber zugleich eine kaum mit Worten zu beschreibende, spezielle Atmosphäre, die vielen kühlen Produktionen von heute abgeht.

Durch den Tod des Dirigenten musste für die Einspielung des zweiten Konzertes mit Belkin, die exakt ein Jahr später stattfand, Ersatz gefunden werden. Rudolf Barshai war da keine schlechte Wahl, doch vergleicht man beide Konzerte, so fehlt dem Konzert Nr. 2 ungeachtet des sehr hohen musikantischen Niveaus doch ein entscheidendes Quentchen – zumal hier der Klang kompakter, trockener, direkter und weniger atmosphärisch ist, obgleich mit Stanley Goodall der gleiche Tonmeister am gleichen Ort zur Verfügung stand. So würde ich das erste Konzert mit einer dreifachen 10, das zweite Konzert mit 8, 8, 8 werten.

Die bekannte Suite zur Liebe von den drei Orangen dirigierte Walter Weller mit dem gleichen Orchester am gleichen Ort, aber bereits 1977. Auch Weller hat sorgsam gearbeitet und kitzelt einiges an Biß aus der Partitur. Der Klang ist nun wieder besser, wenn auch nicht so bestürzend greifbar wie in Tr. 1–3. Das London Philharmonic Orchestra musizierte auch hier sehr engagiert, doch wirkt es insgesamt etwas liebloser als in den beiden Violinkonzerten – das Ganze gleitet fast ein bisschen in Richtung Filmmusik ab, insbesondere wenn man den berühmten Marsch hört (Tr. 9), den John Williams später deutlich hörbar für seine Star Wars-Musik verwendet hat („Parade der Ewoks“). Die Gesamtwertung einer solchen Anthologie ist problematisch. Die 10 für den Gesamteindruck ist jedoch aufgrund insbesondere der Einspielung des ersten Violinkonzerts schon mehr als gerechtfertigt; die Produktion ist insgesamt ein Muß für die Sammlung.

Dr. Benjamin G. Cohrs [18.03.2005]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Sergej Prokofjew
1Violinkonzert Nr. 1 D-Dur op. 19
2Konzert Nr. 2 g-Moll op. 63 für Violine und Orchester
3Die Liebe zu den drei Orangen op. 33b (Sinfonische Suite)

Interpreten der Einspielung

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