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CD-Besprechung

P.M. Davies

Naxos 1 CD 8.557396

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Besprechung: 03.12.04

Klassik Heute
Empfehlung

Naxos 8.557396

1 CD • 72min • 2003

Es dürfte ein Novum in der Tonträger-Geschichte sein, daß eine CD-Firma bei einem Komponisten gleich eine ganze Serie von Werken in Auftrag gibt – in diesem Fall zehn Streichquartette, die sich Naxos von Sir Peter Maxwell Davies gewünscht hat. Bei dem Komponisten rannte Labelchef Klaus Heymann damit offene Türen ein, denn „Max“ (wie ihn alle Welt nennt) hatte ohnehin bisher nur sehr wenig für diese Besetzung geschrieben. Beendet ist seit einiger Zeit der Zyklus der sieben aufeinander bezogenen Sinfonien (weshalb die spätere Antarctic Symphony unnumeriert blieb); so war der Auftrag eine willkommene Herausforderung – insbesondere, um „ein den ganzen Zyklus überspannendes architektonisches Konzept zu entwerfen,“ wie Max in seinem Beiheft-Text schreibt. „Ich fühlte mich wie ein Romancier, der sein Buch kapitelweise in einer regelmäßig erscheinenden Literaturzeitschrift veröffentlicht.“ So ist es also nicht vor Vollendung des letzten Quartetts möglich, über das Gesamtwerk zu urteilen.

Nun sind rechtzeitig zum 70. Geburtstag des frischgebackenen „Master of the Queens’ Musicke“ in diesem Jahr die ersten beiden Quartette auf CD erschienen. Die musikalischen Ergebnisse sind erstaunlich: Auch wenn Max als Sinfoniker und Schöpfer der Strathclyde Concertos Erfahrung in der Konzeption von umfangeichen Zyklen hat, so ist es doch nicht selbstverständlich, in einem so anspruchsvollen Genre wie dem Streichquartett gleich auf Anhieb zwei derart gelungene Erstlinge vorzulegen – noch dazu mit 30 bzw. 40 Minuten Spieldauer. Beide Werke machen es dem Hörer nicht einfach; sie fordern die Bereitschaft, sich intensiv auf die Musik einzulassen, mehrmals hinzuhören. Die Schön- und Kühnheiten der beiden Werke enthüllen sich erst ganz bei mehrmaligem Hören, ich habe selten mit zwei neuen Werken derart viel Zeit verbracht. Das Maggini Quartet, das bei Naxos für eine ganze Reihe vorzüglicher Einspielungen britischer Streichquartette verantwortlich zeichnet, stürzt sich mit größter Entdeckerfreude in diese noch unbekannte Musik, deren Schreibweise innovativ wirkt, ohne den Hörer zu sehr zu befremden. Die im Beiheft beschriebenen Bauformen sind im Hören nachvollziehbar; thematische Arbeit und Führung der Stimmen vollziehen sich im Rahmen des Rhetorisch-Dramatischen, wie es auch aus den Großformen der romantischen Musik bekannt ist. Einen winzigen Abstrich würde ich hinsichtlich der Durchhörbarkeit machen: Aufgrund der vorzüglichen Tontechnik hört man leider auch die Defizite der heute üblichen amerikanischen Quartett-Aufstellung mit den beiden Geigen links, dem Cello rechts. Akustiker haben nachgewiesen, daß das Cello den größten Teil des Klanges nach vorn wirft, aber so gut wie keine Schallabstrahlung zur Seite hat. Man hört dies hier, wo das Cello quasi von rechts am Hörer vorbei in Richtung der linken Seite spielt. Außerdem sind die beiden links hintereinander sitzenden Violinen mitunter klanglich kaum auseinander zu halten, was der dialogischen Struktur der Musik oft abträglich ist. Ein Sonderlob gebührt schließlich dem Beiheft. Endlich einmal werden die vier Mitglieder des Maggini Quartets auch namentlich genannt, was auf den mir vorliegenden Naxos-Einspielungen dieses Ensembles bisher unterblieben war. Auf die Fortsetzung dieses Zyklus ist das Quartett sicher genauso gespannt wie der Hörer.

Dr. Benjamin G. Cohrs [03.12.2004]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 P.M. Davies Naxos Quartet Nr. 1
2 Naxos Quartet Nr. 2

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Maggini Quartet Ensemble
 
8.557396;0747313239627

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