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CD-Besprechung

J. Sibelius

BIS 1 CD 1265

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9

Klangqualität:
Klangqualität: 9

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Besprechung: 12.11.04

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BIS 1265

1 CD • 75min • 2001-2003

In ihrem Bemühen um Jean Sibelius haben Osmo Vänskä und die Sinfoniker aus Lahti schon so manchen Nebenweg beschritten. Erinnert sei etwa an die integralen Einspielungen der Sinfonien, der Bühnenmusiken einschließlich der rekonstruierten Karelia und der Erstfassungen der fünften Sinfonie, des Violinkonzerts und der Okeaniden.

Während sich nun aber die bisher erschienenen Alben stets unter einem übergeordneten Motto oder Gattungsbegriff zusammenfassen ließen, stehen wir bei der hier vorliegenden Produktion vor einem Programm, das auf den ersten Blick wie ein großes Sammelsurium erscheint und erst dann sinnvoll ist, wenn man selbst die beiden bekannten Streicherkompositionen Rakastava op. 14 und Andante festivo als das betrachtet, was sie ihrer Entstehungsgeschichte nach sind: pure Gelegenheitswerke nämlich, die von zumeist äußeren Notwendigkeiten oder Geschehnissen angeregt wurden, ohne daß man aus dem jeweiligen Stimulus auf die Qualität des musikalischen Resultats schließen könnte.

Besonders nachdrücklich beweist das die „Improvisation“ Snöfried für Chor, Sprecherin und Orchester, die Sibelius, wie er später seinem Schwiegersohn Jussi Jalas gestand, nach einer dreitägigen Sauftour „in einem Zug“ (!) geschrieben haben will: Schon die wilde Orchestereinleitung stürmt mit einer Muskelkraft und einem Farbenregen dahin, die einem schier die Sprache verschlägt, und die knappe, zusammengedrängte Mär vom Recken Gunnar, der dem zauberischen Mädchen Schneefried ins Netz zu gehen droht, sich dann aber eines besseren besinnt und der ausgelegten Falle offenbar entkommt. Diese kaum 15minütige Erzählung ist so zwingend, ergreifend und klangschön ausgeführt, als habe der Komponist seinen alkoholischen in einen musikalischen Rausch sublimiert.

Nach diesem regelrechten Paukenschlag beginnt eine Folge teils vordergründiger, teils inneren Bedürfnissen entspringender Gelegenheitswerke, die bemerkenswerterweise trotz ihrer ganz unterschiedlichen Anlässe nie unter ein gut erträgliches Niveau sinken und waschechter Sibelius sind – selbst dort, wo die Noten zweifellos ohne tiefere Anteilnahme aufs Papier kamen: Niemand wird annehmen, daß unser überzeugter Finne 1896 seine (noch heute ungedruckte) Kantate zur Krönung des Zaren Nikolaus II. mit slawophiler Inbrunst geschrieben hätte, und doch muß er zumindest so viel an musikalischem Engagement mitgebracht haben, daß einige motivische Elemente des Jubelstücks in seine dritte Sinfonie eingingen.

Die quirlige Ouvertüre a-Moll, die Sibelius Anfang 1902 als Einleitungsstück zur Uraufführung seiner zweiten Sinfonie komponierte, und das während des finnischen Bürgerkriegs zwischen Weißen und Roten entstandene Chorwerk Oma Maa (Mein Land) von 1918 markieren die emotionalen und expressiven Eckdaten der vermeintlichen Ge- oder Verlegenheitskopplung: Zwischen dem beinahe klassizistischen, lichten und leichten Vorspiel zu einem großen Ereignis und dem ergreifenden, innigen Hymnus auf die unvergängliche Schönheit der Heimat gibt es für Osmo Vänskä, den Jubilate-Chor und das Sinfonieorchester von Lahti ein weites Betätigungsfeld, das mit hörbarem Engagement, großer Begeisterung und vernehmlichem Differenzierungsvermögen bestellt wird. Das Ergebnis ist eine rundum begeisternde Veröffentlichung, der es sogar zum Vorteil gereicht, daß sie nicht mit einer Massierung aller Kräfte, sondern mit dem verhaltenen Andante festivo ausklingt, dessen letzte Fassung (für Streichorchester und Pauken) Sibelius im Jahre 1938 als sein letztes „Gelegenheitswerk” herstellte – lange nachdem er keine neuen Werke mehr geschaffen hatte, richtete er den Streichquartettsatz für ein Konzert bei der New Yorker Weltausstellung ein, wo er das Arrangement selbst dirigierte. Hier bildet es den würdigen Ausklang eines rundum gelungenen Albums, das sich überzeugend in die bisherige Diskographie einfügt.

Rasmus van Rijn [12.11.2004]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 J. Sibelius Snöfrid op. 29 (1900)
2 Ouvertüre a-Moll JS 144 (1902)
3 Kantate zur Krönung Nicholas II. JS 104 (1896)
4 Rakastava op. 14
5 Oma Maa op. 92 (1918)
6 Andante festivo JS 34a für Streicher

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Lahti Symphony Orchestra Orchester
Osmo Vänskä Dirigent
 
1265;7318590012659

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