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CD-Besprechung

I. Strawinsky

Supraphon 1 CD SU 3692-2

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9

Klangqualität:
Klangqualität: 8

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Besprechung: 19.11.04

Supraphon SU 3692-2

1 CD • 66min • 1964, 1967

Supraphon hat die vorliegende Produktion als Nr. 32 ihrer aufwendig gestalteten, goldenen Karel Ancerl-Edition herausgebracht und dabei weder Kosten noch Mühen gescheut, wie schon das 72seitige, viersprachige Booklet mit sämtlichen Gesangstexten und umfassenden Begleitinformationen verrät. Und auch in musikalischer Hinsicht hat man große Sorgfalt walten lassen: Die aufbereiteten Aufnahmen der Jahre 1964 bzw. 1967 haben nichts mehr von dem verschrumpelten Sound, den man zähneknirschend in Kauf nehmen mußte, wenn man sich seinerzeit für slawisches Repertoire interessierte.

Besonders erfreulich aber ist, daß die vorliegende CD mit ihrer gelungenen Kopplung ein vollwertiges Strawinsky-Programm darstellt, das ich inzwischen durchaus als eine persönliche Referenz-Aufnahme ansehe, weil es Karel Ancerl verstanden hat, die drei Chorwerke mit ihren jeweils ganz individuellen, reduzierten Besetzungen ohne offenkundige „Interpretation” spielen und singen zu lassen, ohne daß man ihm die geringste Neutralität gegenüber dem Notentext vorwerfen dürfte. Er verfährt mit Strawinsky so, wie dieser es selbst vorgegeben hat: Die richtigen Töne stehen an der richtigen Stelle, „Bedeutung” und Emotionen scheinen ausgeschaltet – doch just aus dieser vermeintlich distanzierten Realisation resultiert wunderbare Musik. Die russische Bauernhochzeit entfaltet ihr ganzes archaisches Potential, weil sie kaum mehr ist als rabiater Rhythmus und weil die Soloisten ihr ansonsten gewiß vorhandenes Ausdrucksvermögen gleichermaßen engagiert zurücknehmen, um jene förmlich durchbohrend-direkte Intensität und Geradlinigkeit zu erreichen, die mich, wenn’s richtig gut geraten ist, an die Malweise der Naiven erinnern.

Mit derselben musikalischen Einstellung läßt Karel Ancerl die Kantate musizieren, doch jetzt ist das Ergebnis eine rundum berückende, im vorletzten Satz (Westron Wind) förmlich mitreißende Wiedergabe, die nicht zuletzt von Barbara Robothams tiefer, prachtvoller Sopranstimme und Gerald Englishs beinahe elisabethanisch schlankem Tenor profitiert: Man kann immer wieder nur staunen, wie es König Midas Strawinsky gelang, aus jeder Epoche, mit der er sich beschäftigte, eine moderne Quintessenz zu gewinnen, in der sich der ganze Weg vom historischen Vorbild bis in die Gegenwart kristallisiert. Gleichermaßen erstaunt muß man registrieren, wie Ancerl diese neuartige Consort-Musik vor dem Abgleiten ins pure Kalkül oder falsche Gefühlswelten bewahrt.

Ein ähnliches Wunderding ist die Messe (1944-48) mit ihrer kargen Bläserbegleitung und ihren chorischen Spaltklängen. Gerade diese Partitur lädt natürlich zu anämisch-frömmelndem, nichtssagendem Augenaufschlag ein, worauf sie ihren ganz besonderen Zauber verliert – ihre nach spätmittelalterlichen Illuminationen klingende Farbigkeit und ihren in der Beschränkung der Mittel so faszinierenden Jubel. Karel Ancerl findet auch hier wieder den idealen Weg und läßt Strawinskys Objektivität zu einer liturgischen Musik höherer Ordnung erblühen, ohne daß er je mehr täte als die richtigen Töne im richtigen Moment mit der richtigen Vortragsweise spielen und singen zu lassen. Eine exzellente Sicht der Dinge!

Rasmus van Rijn [19.11.2004]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 I. Strawinsky Le Noces für Soli, Chor, 4 Klaviere und Schlagzeug (Scènes chorégraphiques russes avec chant et musique, 1914/1923)
2 Cantate für Sopran, Tenor, Frauenchor und Instrumentalensemble (1951/1952)
3 Messe für Soli, gem. Chor und Ensemble

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Prague Philharmonic Choir Chor
Tschechisches Philharmonisches Orchester Orchester
Karel Ančerl Dirigent
 
SU 3692-2;0099925369224

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