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CD-Besprechung

Rosenmüller Johann: Weihnachtshistorie

harmonia mundi France 1 CD HMC901861

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9

Klangqualität:
Klangqualität: 9

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Besprechung: 20.10.04

harmonia mundi France HMC901861

1 CD • 77min • 2004

1640 schrieb sich ein junger Mann an der Universität in Leipzig ein, dem schon in kurzer Zeit eine steile Karriere gelang: Johann Rosenmüller (1619-1684) stieg schnell zum bedeutendsten Musiker Leipzigs auf. Der Dresdner Kapellmeister Heinrich Schütz erkannte 1645 bei einem Besuch in Leipzig das außerordentliche Talent des jungen Kollegen, zeigte sich begeistert von seinen ersten im Druck veröffentlichten Kompositionen und kleidete sein Lob den Sitten der Zeit entsprechend in ein Gedicht. Rosenmüllers Konzerte mit dem Collegium musicum, das sich aus musikbegeisterten Studenten zusammensetzte, erregten Aufsehen und trugen ihm die Aufforderung ein, den kränklichen Thomaskantor Tobias Michael zu vertreten. Damit konnte er sich berechtigte Hoffnungen machen, den Kantor nach seinem Tod im Amt zu beerben. Auch außerhalb Leipzigs erregte er Aufsehen, so forderte der Rat der Stadt Dresden ihn auf, sich um die Stelle des Kreuzkantors zu bewerben. Rosenmüller zog es indes vor, in Leipzig zu bleiben.

1655 nahm die erfolgreiche Karriere ein jähes Ende, nur durch eine Flucht aus Leipzig konnte sich Rosenmüller einer drohenden Strafverfolgung wegen Päderastie entziehen. Sein Weg führte ihn über Hamburg nach Venedig, wo er während der nächsten 25 Jahre als Giovanni Rosenmiller lebte. Er war dort vielseitig tätig, eine Anstellung als Posaunist am Markusdom und Kompositionstätigkeit für das Ospedale della Pietà sind überliefert. Seine Verbindungen zu Deutschland rissen im übrigen nie ab, er unterrichtete deutsche Musiker, die zur Weiterbildung nach Venedig gekommen waren, und war als Musikagent für deutsche Fürstenhöfe tätig. 1682 kehrte er als Kapellmeister am Hof von Braunschweig-Wolfenbüttel nach Deutschland zurück, in seinem Gepäck brachte er ein umfangreiches Œuvre mit, die Frucht der italienischen Jahre. Nur zwei Jahre blieben Rosenmüller noch in Wolfenbüttel, bevor er 1684 starb.

Die auf dieser CD vereinten Weihnachtsmusiken sind in der Leipziger Zeit zwischen 1645 und 1650 entstanden. Von einer ausgedehnten Italienreise im Winter 1645/46 brachte Rosenmüller die musikalische Avantgarde seiner Zeit in das vom Dreißigjährigen Krieg auch kulturell ausgeblutete Mitteldeutschland. Von den Emporen der Leipziger Kirchen erklang unter seiner Leitung Musik, die nirgendwo sonst in Deutschland zu hören war. Vokalkonzerte in großer Besetzung ließen das Kirchenschiff vibrieren, bunt zusammengesetzte Instrumentalensembles gliederten die Werke mit Zwischenspielen und Ritornellen, eine meist einfache Harmonik durchdrang das polyphone Geflecht der Einzelstimmen höchst wirkungsvoll. Das war modernste italienische Kunst, und der Leipziger Dichter Caspar Ziegler berichtet, man könne sich bei den Klängen von Rosenmüllers Musik leicht einbilden, in Venedig zu sein.

Für Konrad Junghänel und sein Ensemble Cantus Cölln sowie für das Concerto Palatino stellt Rosenmüllers Musik ein Repertoire dar, das im Kern des Interesses der Ensembles liegt. Dementsprechend zeigt diese CD beispielhafte Interpretationen der deutschen Musik des deutschen Frühbarocks und wird so zu einem autoritativen Porträt von Johann Rosenmüller. Ein Muß für Interessenten der Musik des 17. Jahrhunderts.

Detmar Huchting [20.10.2004]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 J. Rosenmüller Weihnachtshistorie

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Cantus Cölln Orchester
Concerto Palatino Ensemble
Konrad Junghänel Laute, Leitung
 
HMC901861;0794881752829

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