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CD-Besprechung

M. Kagel

SWRmusic 1 CD 93.054

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9

Klangqualität:
Klangqualität: 8

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Besprechung: 09.11.04

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SWRmusic 93.054

1 CD • 54min • 1981, 1984

Die hier erstmals auf CD veröffentlichten Aufnahmen des SWR, davon zwei Auftragsarbeiten, sind schon vor 20 Jahren entstanden, wirken aber auch im Klangbild noch ausgesprochen frisch. Sollte man bei aller Unterschiedlichkeit der Kompositionen nach einem gemeinsamen Nenner suchen, könnte man sagen, es handele sich um Versuchsanordnungen über das Verhältnis von Sprache und Musik.

Die früheste Komposition Anagrama entstand 1957/58, als Kagel als Stipendiat des DAAD von Argentinien nach Deutschland gekommen war. Aus den Vokalen und Konsonanten des Palindroms „In girum imus nocte et consumimur igniì aus Dantes Divina Commedia bildet er experimentelle Texte in vier Sprachen, die gesungen und gesprochen zwar keinen nachvollziehbaren Sinn ergeben, aber doch irgendwie überzeugend ein Purgatorium suggerieren.

Rrrrrrr... (1981/82) bezeichnet Kagel als „Radiophantasieì, die aus 41 autonomen Musikstücken besteht, die alle mit dem Buchstaben „Rì beginnen. Davon sind sieben für gemischten Chor gesetzt. Beim Blättern in Ferdinand Hirschs „Wörterbuch der Musikì fand sich Kagel „gleich inmitten sich unendlich vermehrender Felder von zwingender Semantik bis zu entlegenen Regionen musikwissenschaftlicher Dichtkunstì.

Das Mitternachtsstük (1980/81) besteht aus drei literarischen Texten Robert Schumanns, die Bestandteil seiner Tagebücher sind und in denen sich Einflüsse von Jean Paul und E. T. A. Hoffmann geltend machen. Kagel setzt sie in ein musikalisches Hörspiel um, bei dem der Chor die Funktion des Erzählers hat und die Solostimmen die handelnden Personen und Erscheinungen übernehmen. Kagel betrachtet diese Komposition als „unterschiedliche Studien über die Verbindung von klar vernehmbaren Worten und einem gleichzeitig ablaufenden musikalischen Kommentarì.

Auch wenn sich der Sinn dieser Werke ohne die teils knappen, teils ausführlichen Eigenanalysen des Komponisten im Booklet nicht leicht erschließt, kann man sich ihrer Wirkung doch nicht entziehen. Kagels Kunst entsteht an der Schnittstelle von Wissenschaft und Eulenspiegelei. Die Interpretationen unter der Leitung des Komponisten sind durchweg dicht und prägnant. Das SWR Vokalensemble Stuttgart, das zur Zeit der Aufnahme noch Südfunk-Chor Stuttgart hieß, erweist sich dabei als ein hochvirtuoses Präzisionsinstrument, dessen sprachliche und musikalische Schärfe immer wieder Staunen erregt.

Ekkehard Pluta [09.11.2004]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 M. Kagel Rrrrrrr... - Sieben Stücke für gemischten Chor a cappella 00:15:46
8 Anagrama für 4 Gesangssoli, Sprecherchor und Kammerensemble 00:19:17
13 Mitternachtsstük (über vier Fragmente aus dem Tagebuch von Robert Schumann) 00:18:34

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
SWR Vokalensemble Stuttgart Chor
Ursula Gerlach-Kleint Chor
Manfred Gerbert Chor
Barbara Miller Chor
Ewald Liska Chor
Mitglieder des Radio-Sinfonieorchesters Stuttgart des SWR Chor
Mauricio Kagel Dirigent
 
93.054;4010276013044

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