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CD-Besprechung

Joseph Calleja
Tenor Arias

Joseph Calleja<br />Tenor Arias

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Besprechung: 21.09.04

Decca 475 250-2

1 CD • 52min • 2003

Ein Debüt-Recital hat Bekenntnischarakter. Es demonstriert den stimmlichen Status quo und riskiert bisweilen auch schon eine Antwort auf die Frage „Quo vadis?“ Im Fall des erst 25jährigen Maltesers Joseph Calleja nimmt sich das aktuelle stimmliche Erscheinungsbild sehr attraktiv aus. Er ist kein Tenore di grazia vom hellen, fast androgynen Timbre eines Juan Diego Flórez, singt auch keine verzierte Musik, sondern sein Tenore lirico klingt viriler und etwas kerniger. Charakteristisch für Callejas Stimme ist ihr stets präsentes, ausgeprägtes, schnelles Vibrato. Am schönsten und freiesten entfaltet sie sich bei geringen und mittleren dynamischen Graden, die Calleja durch eine gekonnt eingesetzte Messa di voce zu variieren versteht. Seine Artikulation ist präzise, seine Phrasierung elegant und musikalisch – außergewöhnlich gereift für einen Newcomer.

Ein Gutteil der überaus positiven musikalischen Bilanz dieser CD geht auf das Konto des exzellent führenden Riccardo Chailly, der selbst bis zum Überdruss gehörten Arien noch eine neue Nuance abzugewinnen weiß. Damit ist zugleich ein Defizit dieses Recitals angesprochen: es sind ausschließlich Arien, die nun wirklich jeder Tenor dieses Stimmfachs im Angebot hat, mit keiner einzigen originellen Rarität oder interessanten Besonderheit hat Calleja aufzuwarten. Ganz anders hingegen einst die Debüt-CDs von Pavarotti oder Domingo, die sich beide zu zeigen bemühten, dass sie auch außerhalb des Mainstream-Repertoires zu Entdeckungen bereit waren. Und da wir schon bei den Schwächen sind: die extremen Spitzennoten zählen nicht zu den Prunkstücken Callejas. Jenseits des hohen B’s – dies ist in den Cabaletten Alfredos (La traviata) und des Herzogs (Rigoletto) deutlich zu hören, bleiben die Töne nicht im Fokus, rutschen im Sitz nach hinten, sind daher glanzlos. Dennoch: Joseph Calleja ist ein Ausnahmetalent, das möglichst schnell Spekulationen auf Puccini und Verismo ad acta legen und viel Zeit darauf verwenden sollte, um innerhalb seiner stimmlichen Mittel das hohe gesangliche Niveau zu pflegen, über das er jetzt schon gebietet.

Kurt Malisch † [21.09.2004]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 G. Verdi Lunge da lei… De' miei bollenti spiriti (2. Akt, Alfredo - aus: La Traviata)
2 O mio rimorso (aus: La Traviata)
3 O figli, o figli miei!… Ah, la paterna mano (4. Akt, Macduff - aus: Macbeth)
4 Questa o quella (aus: Rigoletto)
5 Ella mi fu rapita! … Parmi veder le lagrime (2. Akt, Duca - aus: Rigoletto)
6 Duca, duca! (aus: Rigoletto)
7 Ma dove or travasi la poveretta? ... Possente amor mi chiama (aus: Rigoletto)
8 La donna è mobile (3. Akt, Duca - Kanzone des Herzogs - aus: Rigoletto)
9 G. Donizetti Quanto è bella (aus: L' elisir d'amore)
10 Tombe degli avi miei… Fra poco a me ricovero (3. Akt, Edgardo - aus: Lucia di Lammermoor)
11 O meschina (aus: Lucia di Lammermoor)
12 Tu che a Dio spiegasti l'ali (aus: Lucia di Lammermoor)
13 F. Cilèa La dolcissima effigie (aus: Adriana Lecouvreur)
14 Lamento di Federico (aus: L' Arlesiana)
15 G. Puccini Addio fiorito asil (3. Akt: Pinkerton, Sharpless - aus: Madama Butterfly)

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Joseph Calleja Tenor
Coro Sinfonico di Milano Giuseppe Verdi Chor
Orchestra Sinfonica di Milano Giuseppe Verdi Orchester
Riccardo Chailly Dirigent
 
475 250-2;0028947525028

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