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DVD-Video-Besprechung

Ondine ODV 4001

1 DVD-Video • 1h 58min • 2003

13.08.2004

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Kirchen-Oper oder Musical? Wohl beides. Die Grenzen von E- und U-Musik sind in Kari Tikkas vor vier Jahren uraufgeführtem Bühnenwerk über die entscheidenden Stationen im Leben des Reformators Martin Luther fließend. Der mittelalterliche Todestanz am Anfang und am Ende des Stückes bestimmt den Pulsschlag des gesamten Geschehens. Im Zentrum steht Luthers Auseinandersetzung mit Satan, der in immer neuen prominenten Verkleidungen erscheint.

Daß die Aufführung eine Art Gottesdienst wird, ist schon durch den Schauplatz bedingt, die Felsenkirche Temppeliaukio in Helsinki. Doch Tikka setzt darüberhinaus das Publikum als Gemeinde ein, indem er es am Ende der Szenen Luther-Choräle singen läßt. Daß das sogar im sauber koordinierten a-cappella-Gesang gelingt, ist erstaunlich (ich argwöhne, daß da einige Chor-Profis unter die Zuschauer verteilt waren).

Der musikalische Eigenanteil besteht aus eingängigen Kantilenen, denen ein rhythmisiertes Orchester-Ostinato unterlegt ist. 26 Instrumentalisten (Streicher, verschiedene Trommeln, Piccolo, Oboen und Fagotte) schaffen einen quasi mittelalterlichen Sound. Das bereits 1976 komponierte Gnadenlied, als „Arie“ Luthers eingefügt, ist ein Ohrwurm, mit dem man jedes Kirchentags-Publikum in Stimmung bringen kann.

Die Inszenierung Jussi Tapolas, der gemeinsam mit dem Komponisten auch das Libretto geschrieben hat, ist im guten Sinne konservativ. Der Regisseur arrangiert den historischen Bilderbogen handwerklich geschickt und vernachlässigt dabei nicht die Details in der Personenführung. Allerdings kann er sich auch auf sehr starke Sängerschauspieler stützen.

Die Rolle des Luther ist Esa Ruuttunen auf den Leib und auf die Stimmbänder geschrieben. Der Bariton, der vor seiner Gesangsausbildung selbst evangelischer Pfarrer war, erreicht ein beeindruckendes Maß an Identifikation mit seiner Rolle und entwickelt – auch vokal – ein Charisma, dem man sich nicht entziehen kann. Die Stimme ist in allen Lagen gleichermaßen gut durchgebildet, verfügt über satte Baßsubstanz und tenorale Strahlkraft und verströmt sich in der Mittellage mit verschwenderischer Fülle. Eine Glanzleistung!

Der Tenor Lassi Virtanen als Satan steht ihm aber kaum nach. Ein schneidender, durchschlagskräftiger Charaktertenor, der dem Hörer buchstäblich das Blut in den Adern gefrieren läßt. Eeva-Lisa Saarinens üppiger, warmer Mezzo gibt der Katharina von Bora adäquates Profil.

Ekkehard Pluta [13.08.2004]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Kari Tikka
1Luther (Oper in zwei Akten)

Interpreten der Einspielung

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