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CD-Besprechung

Antonio Vivaldi: Orlando finto pazzo RV 727

Opus 111 3 CD OP 30392

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Besprechung: 03.09.04

Opus 111 OP 30392

3 CD • 3h 27min • 2003

Vivaldi hat Konjunktur. Orlando finto pazzo ist bereits die dritte Oper des ungemein produktiven Komponisten, die das CD-Label Opus 111 publiziert. Das 1714 uraufgeführte Werk war die zweite von rund 50 Opern Vivaldis und die erste, die in Venedig herauskam. Damit begann der Komponist, der bislang als Geiger und Schöpfer von Instrumentalmusik hervorgetreten war, unaufhaltsam die Opernbühne zu erobern. Neben Alessandro Scarlatti war Vivaldi der erfolgreichste Komponist seiner Zeit. Obwohl der Titel der Oper auf Ariost verweist – einer von Händel über Haydn, Lully und Gluck bis Dvorák immer wieder ausgeschlachteten Orlando-Quelle –, diente für Vivaldi Boiardos älterer Orlando innamorato als Vorlage. Hier fand der Librettist Grazio Braccioli ein ähnlich effektvolles Konglomerat aus Liebesintrige, Tragik, Komödie und Magie vor, aus dem er eine spektakuläre, wenn auch reichlich verworrene Geschichte destillierte, die um Orlandos fingierte Geistesverwirrtheit kreist. Man mag an Vivaldis Partitur den dramatischen Sog und die theatralische Schlagkraft vermissen, mit der etwa Händel oder Lully ihre Opern aufzuladen verstanden, doch überzeugt seine Musik durch ihr Temperament, ihren Einfallsreichtum und ihre gekonnte Machart. Alessandro De Marchi und das von ihm seit 1999 als Principal Conductor geleitete Originalklangensemble Academia Montis Regalis verstehen es, die vielfarbigen Facetten dieser Oper aufzupolieren, ihnen Glanz und Feuer zu verleihen. Obwohl die Sängerbesetzung im Vergleich zu den vorangegangenen Einspielungen der Opus111-Vivaldi-Serie auf Stars verzichtet, ist das stimmliche Niveau durchgängig sehr respektabel. Vor allem Gemma Bertagnolli und Sonia Prina bestätigen ihre schon gezeigten Leistungen eindrucksvoll. Wenig Chancen sich zu profilieren hat der Bass Antonio Abete als Titelheld, denn die Partie des Orlando besteht zum größten Teil aus Rezitativen, umfasst ganze zwei Arien – Ersilia hingegen hat sieben Solonummern zu bewältigen. Eine willkommene Ergänzung sind die im Anhang angefügten Alternativarien, die Vivaldi für spätere Aufführungen komponiert hat.

Kurt Malisch † [03.09.2004]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 A. Vivaldi Orlando finto pazzo RV 727

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Antonio Abete Orlando - Baß
Gemma Bertagnolli Ersilla - Sopran
Marina Comparato Tigrinda - Mezzosopran
Sonia Prina Origille - Alt
Manuela Custer Argillano - Mezzosopran
Martin Oro Grifone - Countertenor
Marianna Pizzolato Brandimarte - Mezzosopran
Coro del Teatro Regio di Torino Chor
Academia Montis Regalis Orchester
Alessandro de Marchi Dirigent
 
OP 30392;0709861303922

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