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CD-Besprechung

cpo 999 922-2

1 CD • 62min • 2003

13.05.2004

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Ist „Zwölftonmusik“, wie von ihrem Erfinder ursprünglich gedacht, ein wirklich universelles, transkulturelles Musikkonzept, sozusagen erste „Weltmusik“? Oder doch ein primär deutsches Konzept postwagnerianischer Tonalitätsauflösung? Die Musik des großen alten israelischen Komponisten Josef Tal gibt eine so deutliche, persönliche wie auch geschichtlich charakteristische Antwort. Der 1910 als Sohn eines Rabbiners geborene Tal emigrierte 1934 aus Berlin nach Palästina und gehörte dort zu den Musikern der ersten Stunde. Die drei hier eingespielten Sinfonien entstanden mehr als 50 Jahre später, 1986, 1990 und 1992 – und sie klingen keineswegs wie die Musik eines neuen Staates mit über hundert verschiedenen Einwanderergruppen, sondern wie purer, hochintensiver deutscher Expressionismus, ganz in der Linie Schönberg – Berg – Bernd Aloys Zimmermann, faszinierende Monumente des ausgehenden Jahrhunderts, aber in einer Musiksprache, die geradezu überdeutlich in jeder Phrase ihre Herkunft akzentuiert. Und schon die Anfangstakte der Vierten signalisieren, daß man hier nur mit höchster Konzentration weiterhören kann – die Vielfalt der Impulse, der Detailreichtum des immer wieder neu aufgerissenen Orchestersatzes und die Architektur der dynamisch höchst komplex verzweigten Linien der Musik bilden ein Firmament, das sich permanent ändert, ohne dabei an Spannung und Ausdruck zu verlieren. Der wilde Impetus dieses großen einen Satzes (auch die 5. und 6.Sinfonie sind einsätzig) läßt über zwanzig Minuten nicht nach, ohne daß sich die Musik dabei in rhythmische Monotonien oder Klassizismen verbisse. Die Überspanntheit und Ruhelosigkeit der Musik schlägt dabei im Sinne eines expressiven Dynamismus in eine eigene stilistische Qualität um, ein Merkmal, daß auch den beiden folgenden Sinfonien eigen ist, die eigentlich überdimensionale Orchester-Skulpturen sind und nicht Werke im Sinne sinfonischer Tradition. Die 5. Sinfonie, ein Auftragswerk der Berliner Philharmoniker, beginnt aus der Stille, ist im Aufbau in ihrer heterogenen und radikalen Variationstechnik aber nicht minder schwierig zu erfassen, während die 6. Sinfonie insgesamt flächiger und ausgeglichener, ja gelöster wirkt, ohne dabei berechenbarer zu werden. Die auch akustisch sehr gelungenen Aufnahmen haben musikalisch das optimale Maß an Innenspannung, wobei das orchestrale Detail sich aller ornamentalen Wucherungen zum Trotz höchst plastisch artikuliert.

Hans-Christian v. Dadelsen [13.05.2004]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Josef Tal
1Sinfonie Nr. 4 (Jubilee, 1985)
2Sinfonie Nr. 5 (1990)
3Sinfonie Nr. 6 (1991)

Interpreten der Einspielung

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14.01.2004
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