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CD-Besprechung

Audite 97.489

1 CD • 70min • 2002

17.03.2004

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 7
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 7

„Blendende Farben und tiefste Expressivität am Beginn des 20. Jahrhunderts – zwei Instrumente an der äußersten Grenze von Virtuosität“ verspricht die Rückseite der CD und macht uns zugleich neugierig auf die Interpretation jener musikalischen Nuancen, welche sich nicht in diese recht reißerische Beschreibung einfügen lassen: auf die Verdeutlichung von Struktur bei Ravel, auf die Balance zwischen rhythmischer Energie und flüchtiger Zartheit bei Schulhoff sowie auf die Darstellung der volksmusikalischen Wurzeln bei Kodály.

Das Duo Lee/Wick orientiert seine Interpretation dann auch mehr an den feinen klanglichen Nuancen und Zwischentönen der hier präsentierten, hochanspruchsvollen Werke. Was nicht bedeutet, dass die erwähnte Expressivität und die Lust am Risiko vermieden werden. Im zweiten Satz von Ravels oder Schulhoffs Duos wird ausgesprochen wild musiziert, mit einer ordentlichen Portion Würze und Farbkraft. Genauso beeindrucken aber die Momente, bei denen sich die beiden Instrumente ganz ihren persönlichen Klangcharakteren hingeben können, so im Adagio von Kodálys 1914 entstandenem Duo op. 7. Zwar nehmen sich Lee und Wick beim darauf folgenden Finale hinsichtlich der musikantischen Wurzeln dieser Musik etwas zurück, betonen aber dennoch den Rhythmus als die treibende Energie.

Rhythmus und Metrum sind überhaupt die inneren Triebkräfte auf dieser Aufnahme. Dies liegt einerseits an der Werkwahl selbst – so wird etwa Schulhoff im Beiheft dahingehend zitiert, dass der Rhythmus das zentrale Element von Musik sei –, erklärt sich aber auch aus der pointierten, die Schwerpunkte der Musik stark betonenden Spielweise der Interpreten.

Ergänzt werden die drei Werke aus den Jahren 1914, 1922-22 (Ravel) und 1925 (Schulhoff) durch eine etwas fremd wirkende Bearbeitung der Passacaglia aus der siebten Suite für Cembalo von Georg Friedrich Händel durch Johan August Halvorsen aus dem Jahre 1894. Die Quintfallsequenzen wirken in Zusammenhang mit den anderen Werken hier seltsam anachronistisch. Verstärkt wird dies durch das Paradoxon, dass sowohl Lee als auch Wick zwar auf alten Instrumenten spielen, ihre Spieltechnik aber ganz dem modernen Ausdrucksstil verbunden ist.

Klanglich betrachtet entspricht die CD gehobenen Ansprüchen in punkto Transparenz und räumlicher Darstellung. Dass beim Beginn von Ravels Kopfsatz die Balance der Instrumente vertauscht scheint und die Musik zudem durch rhythmisches Fußwippen oder ähnliches gestört wird, ist ein leicht bitterer Wermutstropfen, der sich dann aber schnell im Fluss von Ravels folgendem Linienspiel auflöst.

Robert Spoula [17.03.2004]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Maurice Ravel
1Sonate für Violine und Violoncello
Erwin Schulhoff
2Duo für Violine und Violoncello
Zoltán Kodály
3Duo op. 7 für Violine und Violoncello
Georg Friedrich Händel
4Passacaglia (Bearb. für Violine und Viola oder Violoncello)

Interpreten der Einspielung

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