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CD-Besprechung

Georg Böhm - Die Claviersuiten

Glossa GCD921801

2 CD • 1h 36min • 2003

03.03.2004

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 7
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Als „Genie der Exzentrizität“ wird Georg Böhm im Beiheft der vorliegenden Aufnahme bezeichnet. Trifft nicht vielmehr das Gegenteil zu? Liegt Böhms Bedeutung nicht vielmehr darin, dass er Kräfte bündelt, dass er das Potential klassischer Formen auslotet, dass er Grundsätzliches ins Auge fasst und somit der folgenden Generation – allen voran Johann Sebastian Bach – den Weg bereitet? Zweifellos gehört der gebürtige Thüringer, der die längste Zeit seines Lebens in Lüneburg wirkte, zu den wichtigsten mittel- bzw. norddeutschen Komponisten des Barock, zumindest was die Musik für Tasteninstrumente angeht.

Sein wohl bekanntestes Stück ist das Präludium g-Moll mit seine bedrohlich ostinaten Bassnote, einem fast manisch repetierten tiefen G. Mitzi Meyerson interpretiert dieses Stück außerordentlich gewichtig, sehr frei im Tempo, was dem harmonische Einfallsreichtum im Detail mehr Aufmerksamkeit schenkt als dem eigentlichen Proprium, eben der unnachgiebig angeschlagenen Bassnote. Zum Vergleich: Meyerson braucht für das Präludium 3'17", Gustav Leonhardt nur 2'26". Auch in den Suiten – von denen die fünfte und zehnte übrigens in ihrer Urheberschaft umstritten sind, was das Beiheft verschweigt – konzentriert sich die Solistin auf die expressive Ausformulierung einzelner Phrasen. Ein kontinuierlicher Fluß, gar eine Betonung des tänzerischen Elements, ist nicht ihr Anliegen; statt dessen verleiht Meyerson der musikalischen Oberfläche deutliche Kontraste und ein scharfes Tiefenprofil. Im Vergleich zu ihren früheren Aufnahmen wirkt dieser Ansatz hier etwas intellektueller, was einem Kopf wie Böhm sicherlich nicht unangemessen ist. Hier und da könnte die Interpretation indes etwas verspielter sein, um die unterhaltsame Komponente nicht völlig auszublenden. Diesbezüglich bieten die Vergleichsaufnahmen von Robert Woolley (Meridian) und Rinaldo Alessandrini (Astrée) etwas mehr Charme; als derzeit einzige Gesamtaufnahme hat Meyersons Einspielung aber fraglos den höchsten Repertoirewert.

Dr. Matthias Hengelbrock [03.03.2004]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Georg Böhm
1Präludium, Fuge und Postludium minor for Luthes
2Suite Nr. 4 d-Moll
3Suite Nr. 10 G-Dur
4Suite Nr. 6 Es-Dur
5Suite Nr. 8 f-Moll
6Suite Nr. 7 F-Dur
7Suite Nr. 1 c-Moll
8Suite Nr. 5 Es-Dur
9Suite Nr. 9 f-Moll
10Suite Nr. 3 d-Moll
11Suite Nr. 11 a-Moll
12Suite Nr. 2 D-Dur

Interpreten der Einspielung

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