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CD-Besprechung

FROM A TO Z - Vol. 2

FROM A TO Z - Vol. 2

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Besprechung: 21.07.03

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BIS BIS1259

1 CD • 68min • 2001

Sharon Bezalys Flötenspiel hat auf internationaler Ebene enthusiastisches Lob erfahren. Der Auftakt ihrer auf 12 Folgen angelegten alphabetischen (sic!) Zusammenstellung solistischer Flötenmusik bei BIS (CD 1159) war vielversprechend. Nun ist auch die zweite CD dieser Reihe erhältlich.

Es liegt wohl in der Natur des Unterfangens, dass ein stilistisch und dramaturgisch ausgewogenes Programm unter dem Diktat des Alphabets nicht immer gleich gut gelingen kann. War dieser Aspekt bei der Auftakt-Platte noch relativ einheitlich, so zeigt sich die zweite Folge weitaus divergenter – stilistisch wie auch in der musikalischen Qualität der ausgewählten Stücke. Wertet man unter dem enzyklopädischen Gesichtspunkt der Aufnahme einmal die gewisse Buntheit nicht als Minus, bleibt doch die Frage, ob sich Leonhard von Call oder Gloria Coates den Weg in dieses Album nicht hauptsächlich durch die rare Initiale ihres Nachnamens gebahnt haben.

Um es vorwegzunehmen: Sharon Bezalys Flötenspiel bewegt sich auf beeindruckendem Niveau und wird mit herrlicher Tongebung (besonders mit konsistenter, sonorer Tiefe) den klanglichen Aspekten der Werke gerecht. Klanglichkeit und Virtuosität gehören deutlich zu Bezalys Stärken, doch fällt zuweilen ein recht einförmiger Umgang mit Vibrato unangenehm auf (etwa in Sven-Erik Bäcks Sonate).

Die CD beginnt mit einem Stück des italienischen Minimalisten Fulvio Caldini, einem wenig inspirierten, eindimensionalen Werk, das das ursprüngliche, idiomatische Potential der Flöte kaum nutzt. Auch Bäcks Solosonate von 1949 wirkt ob ihrer blassen und beliebigen Melodik nicht überzeugend, ganz im Gegensatz zu Elliot Carters Solo Scrivo in vento mit seiner kontrastreichen Melange unglaublich zarter Töne, Akzenten im höchsten Register und brüchigen Akkordklängen. Anhänger der Historischen Aufführungspraxis könnten – zu Recht – einiges an Bezalys Lesart von Boismortiers Première Suite op. 35 kritisieren: dem Prélude etwa fehlen der Puls und die Inégalité, die Realisierung der Coulements ist problematisch – insgesamt eine romatisierende, kaum an den so spezifischen Agréments und Timingbesonderheiten des französischen Barockstils orientierte Einspielung. Die Mitte der Fünfziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts entstandene Solosonate des israelischen Komponisten Yehezkel Braun ist ein stimmungsvolles Stück, das Bezaly engagiert interpretiert. Weder der poetische Titel noch allerlei moderne Spieltechniken wie Multiphonics, Geräuschklänge, Glissandi, con-voce-Spiel oder Flatterzunge können über die dürftige kompositorische Substanz von Gloria Coates’ Reaching for the Moon hinwegtäuschen. Wie man mustergültig (und kompositorisch stimmig!) mit diesen Effekten umgehen kann, demonstriert etwa der isländische Komponist Thorkell Sigurbjörnsson in seinem Solo Kalais, von dem man nur hoffen kann, dass Sharon Bezaly es zu späterer Zeit in ihre Anthologie aufnimmt. Leonhard von Calls Fantasia ist ein netter Kontrast, komponiert ganz à la mode der Zeit um die Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert. Zum Abschluß dann noch einmal ein Höhepunkt: 2001 schrieb der renommierte schwedische Komponist Daniel Börtz eigens für Sharon Bezaly sein Solo Tinted Drawings, dem Bezaly nichts schuldig bleibt.

Man kann gespannt sein auf die Fortsetzung der Serie und gleichzeitig auf einen etwas vielfältigeren Instrumenteneinsatz (Altflöte, Piccolo) hoffen.

Heinz Braun [21.07.2003]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 F. Caldini Thelemas's Hot Machine op. 33 für Flöte solo (1986)
2 S.-E. Bäck Sonata für Flöte solo (1949)
3 E. Carter Scrivo in vento (1991)
4 J.B. de Boismortier Première Suite e-Moll op. 35 (1731)
5 Y. Braun Sonata für Flöte (1955/1987)
6 G. Coates Reaching for the Moon für Flöte solo (1987/1988)
7 L. Call Fantasia I op. 6 Nr. 1 für Flöte solo
8 D. Börtz Tinted Drawings für Flöte solo (2001)

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Sharon Bezaly Flöte
 
BIS1259;7318590012598

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