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CD-Besprechung

Serebrier conducts Tchaikovsky

Serebrier conducts Tchaikovsky

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 6

Klangqualität:
Klangqualität: 8

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 5

Besprechung: 04.06.03

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BIS 1283

1 CD • 74min • 2000, 2001

Das Cover zur Neuerscheinung des schwedischen Labels BIS mit dem Aquarell Death and Bonaparte von Thomas Rowlandson ist unauffällig. Die Betonung des Schriftzuges liegt auf der Ouvertüre 1812. Beides wird dem Musikhändler den Verkauf der CD mit Musik von Peter I. Tschaikowsky erschweren. Erstens, weil poppige Gestaltung der Konkurrenzprodukte viele Laien stärker anspricht. Zweitens, weil der fachkundige Klassikfreund bereits über hervorragende 1812-Einspielungen verfügt. Zum Verkauf muss demnach allein die künstlerische Qualität führen. Kenner werden zur CD greifen, weil sie den Klang der Bamberger Symphoniker schätzen oder weil sie José Serebrier als außergewöhnlichen Dirigenten und Komponisten kennen gelernt haben. Er ist auch der Verfasser des sehr informativen Booklet-Kurztextes, der in Deutsch, Französisch und Englisch vorliegt und durch einfache Wortwahl und Verzicht auf musikalische Fachbegriffe angenehm auffällt.

José Serebrier beherrscht den warmen ruhigen Orchesterklang. In lauten Passagen hingegen tritt das Orchester zu unharmonisch auf, zu bombastisch. Besonders deutlich wird dies beim Slawischen Marsch op. 31. Spielen hier noch die Bamberger oder ist dies tatsächlich eine Marschkapelle, bei der jeder Musiker für sich versucht, der Lauteste zu sein, ohne auf die Mitspieler zu hören? Wenn dies beabsichtigt war, dann Glückwunsch, jedoch ist dies nichts für einen Musik-Gourmet. Im Capriccio Italien op. 45 ist eine weitere Eigenart zu hören: Die leisen Abschnitte sind von selten gehörter Schönheit und den Bläsern gelingt es, sich auch in den folgenden lauteren Abschnitten anzupassen, doch das Schlagzeug und die Pauken passen sich nicht harmonisch an, drängen sogar störend in den Vordergrund. Dies muss den Musikern aufgefallen sein, denn das 14-minütige Werk zerfällt in zwei unterschiedlich starke Abschnitte. Der erste Teil beinhaltet die beschriebene dynamische Unausgewogenheit, der zweite Teil gehört zu den schönsten Interpretationen des Capriccios überhaupt. Vielleicht wurden zwei unterschiedliche Aufnahmen zusammen geschnitten?!

Mit der Ouvertüre 1812 kehren wir wieder zum Anfangsfehler zurück. Zusammengefasst sind die drei populären Werke allesamt keine Bereicherung für den CD-Markt, da die Interpretationen zu unausgewogen sind. Der absolute Höhepunkt in positiver Hinsicht ist José Serebriers Orchestrierung des ersten Satzes des Streichquartetts Nr. 1 von Tschaikowsky. Zwar gibt es zahlreiche Einspielungen des eigenständig aufgeführten Andante Cantabile für Streichorchester, jedoch nie zuvor in solcher Klangfülle. Serebriers Orchestrierung zeigt die Qualitäten des Dirigenten als Komponist. Er legte seine Ergänzungen so einfühlsam und bedacht an, dass Tschaikowsky selbst auferstanden zu sein scheint. Diesem Andante Cantabile gebührt der Ehrenplatz auf dem Cover und macht die CD zu etwas Besonderem. Für das Repertoire wichtig ist Fatum, eine symphonische Fantasie. Es handelt sich um ein rekonstruiertes Werk, dass von Tschaikowsky selbst vernichtet worden war. Ungewöhnlich und selten im Repertoire der großen Orchester ist Èlegie. Das ist nicht der typische Tschaikowsky-Klang, sondern eher der Klang eines großen Romantikers. Die Streicher erzeugen eine verträumt verklärte Stimmung. Einzelne Lied-Elemente tauchen auf und verschwinden ebenso unauffällig, ohne weiter verfolgt zu werden.

Die Qualität der Bamberger Symphoniker und José Serebriers Verständnis zarte Gefühle durch leise Musik auszudrücken ist bemerkenswert. Dennoch bleibt ein Unbehagen. Es sind die Gefühle des stillen Schmerzes, der Liebe und des Träumens, die den Hörer gefangen nehmen. Die Wut und Leidenschaft der russischen Seele ist dem amerikanischen Dirigenten uruguayischer Herkunft leider fremd. Seine Interpretation schießt in jenen Passagen über das Ziel hinaus und verpufft. Bedauerlich das die Kunst Serebriers, die er beim Andante cantabile beweist, nicht durchgängig umgesetzt werden konnte.

Sascha Freitag [04.06.2003]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 P. Tschaikowsky Fatum op. 77 (Sinfonische Dichtung)
2 Élégie für Streichorchester (1884) – Andante non troppo
3 Slawischer Marsch b-Moll op. 31 (1876)
4 Andante Cantabile op. 11
5 Capriccio italien A-Dur op. 45
6 Ouvertüre solennelle 1812 Es-Dur op. 49

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Bamberger Symphoniker - Bayerische Staatsphilharmonie Orchester
José Serebrier Dirigent
 
1283;7318590012833

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