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CD-Besprechung

C. Debussy • Debussy/Borwick

naïve 6 CD V 4857

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10

Klangqualität:
Klangqualität: 4

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Besprechung: 01.10.01

naïve V 4857

6 CD • 5h 45min • 1957-63

Désiré-Emile Inghelbrecht war einer der engsten Vertrauten Claude Debussys in dessen letzten Jahren. In einem 1914 erschienenen Artikel charakterisierte Debussy den damals 33jährigen als einen Mann, "dünn wie sein Taktstock. Seine begeisterungsfähige Seele faßt alle Kräfte zusammen, seine bis ins kleinste reichende Autorität führt das Kommando, ohne jemals nachzulassen." Auch die fast ein halbes Jahrhundert später entstandenen Aufnahmen spiegeln ungebrochen die von Debussy geschätzten Qualitäten des Dirigenten Inghelbrecht. Und sie besitzen die Aura des Authentischen: So hat der Komponist seine Werke gehört und für gut befunden. Inghelbrecht gründete 1934 für den französischen Rundfunk das Orchestre National, mit dem er sich bis zu seinem Tod 1965 unermüdlich für das Werk Debussys einsetzte. Aus der großen Zahl von Konzertmitschnitten (allein von Pelléas finden sich im Archiv nicht weniger als acht verschiedene Aufnahmen) wurde eine Reihe besonders denkwürdiger Aufführungen ausgewählt und hier nach der Erstveröffentlichung von 1987 erneut vorgelegt. (Nicht identisch mit den LP-Veröffentlichungen von Erato oder London).

Besonderes Interesse darf natürlich Le Martyre de Saint Sébastien beanspruchen, bei dessen Uraufführung Inghelbrecht 1911 als Chordirektor fungierte. Ein Jahr später brachte er eine konzertante Fassung zur Aufführung, für die er den umfangreichen Text von d'Annunzios Mysterienspiel gekürzt und einem Sprecher übertragen hatte. In dieser Form hat sich das Werk bis heute durchgesetzt. Die Aufnahme von 1960 fesselt durch die Intensität des Sprechers ebenso wie durch die wunderbare Sicherheit, mit der Debussys Klangwelt getroffen ist. Inghelbrecht setzt die Strukturen in klares Licht, ohne in leblose Starre zu verfallen. Er vermeidet unvermittelte Gewaltausbrüche ebenso wie pseudo-impressionistische Verschwommenheit, eine verborgene Kraft belebt das Ganze, eine latente Energie hält die Musik in Fluß und läßt sie sich mit großer Natürlichkeit entwickeln. Nicht minder exemplarisch ist die Aufzeichnung von Pelléas et Mélisande von 1962, die zum einen durch die enge Vertrautheit der vorzüglichen Sänger mit Inghelbrechts Konzept, zum anderen durch den besonderen Anlaß des Festivals zu Debussys 100. Geburtstag geprägt ist. Inghelbrecht hatte zu den Debussyisten der ersten Stunde gehört, die keine Vorstellung des Pelléas zu hören versäumten, und er sorgte später dafür, daß zwanzig Jahre lang alljährlich eine Konzertaufführung des Pelléas auf dem Programm des Orchestre National stand. Seine tiefen Einsichten in das Werk sind dem im Begleitheft (französisch und englisch) abgedruckten Artikel Wie man Pelléas nicht interpretieren sollte zu entnehmen und in faszinierender Weise anhand der Aufnahme nachzuvollziehen. Auch die Rompreis-Kantate La Damoiselle élue und die Orchesterwerke (darunter der von Inghelbrecht uraufgeführte Marche écossaise) wirken in dieser detailgetreuen, unsentimentalen, von innerem Feuer durchglühte Lesart gleichzeitig neuartig und klassisch. Gewiß gab es Dirigenten, die den Geheimnissen von Debussys Klang-Alchimie mit noch größerer Sensualität nachgespürt haben, doch Inghelbrechts Einspielungen werden als Ausdruck einer integren, verantwortungsbewußten Künstlerpersönlichkeit immer maßstäblich bleiben.

Sein Einsatz galt übrigens auch den weniger bekannten Werken Debussys - und dies ist vielleicht der einzige Punkt, in dem die vorliegende Edition, die sich weitgehend auf Bekanntes beschränkt, zu kurz greift. Von L'enfant prodigue über Printemps und Jeux bis hin zu dem vom Dirigenten orchestrierten Noël des enfants qui n'ont plus de maison gibt es im akustischen Nachlaß von Inghelbrecht noch manches zu entdecken.

Peter T. Köster † [01.10.2001]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 C. Debussy Pelléas et Mélisande
2 Le Martyre de Saint Sébastien für Solisten, gemischten Chor und Orchester (Bühnenmusik zum Mysterium in fünf Akten von Gabriele d'Annunzio, 1911)
3 La Damoiselle élue
4 Marche écossaise
5 La Mer, trois esquisses symphoniques (drei sinfonische Skizzen für Orchester)
6 Trois Nocturnes für Orchester und Frauenchor
7 Debussy/Borwick Prélude à l'après-midi d'un faune

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Micheline Grancher Sopran
Françoise Ogéas Sopran
Solange Michel Mezzosopran
Jacques Jansen Bariton
Michel Roux
André Vessières
Marcel Vigneron
Choeurs de la Radio Télévision Française Chor
Orchestre National de France Orchester
Désiré-Emile Inghelbrecht Dirigentin
 
V 4857;3289490048573

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