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DVD-Besprechung

The Art of Piano

Great Pianists of the 20th Century
Ein Film von Christian Labrande und Donald Sturrock.

Warner Bros 3984-29199-2

1 DVD • 1h 48min • [P] 1999

01.01.2001

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 5
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Dieser wichtige Film über die "Kunst des Klavierspiels" im Speziellen und über Pianistenpersönlichkeiten im Besonderen ist mit bester Resonanz bereits über verschiedene Fernsehkanäle gelaufen. Nicht jeder aber, dessen Interesse auf wertvolle Dokumente und überwiegend kluge, angenehm persönliche Kommentare ausgerichtet ist, wird Gelegenheit gehabt haben, zur späten Stunde sein Gerät einzuschalten. So ist eine kommerzielle Auflage dieser Produktion auf jeden Fall begrüßenswert. Zumal in DVD-Qualität, wodurch sich die – genau "bezifferten" – Kapitel mühelos und flink ansteuern lassen.

Im Untertitel verspricht der englische Text Great Pianists of the 20th Century sympathischerweise nicht mehr, als eine solche Sammlung von faszinierenden Absurditäten und atemberaubenden Herrlichkeiten bei knapp zwei Stunden Spieldauer zu bieten imstande ist. Nämlich eine kleine, sehr, sehr punktuelle Auswahl nach dem Gusto des Produzenten und nach den Regeln cinematographischer Verfügbarkeit (und natürlich auch nach den internen Modalitäten des Copyrights). Es ist also vermessen, etwa im deutschen Untertitel "Die großen Pianisten des 20. Jahrhunderts" anzukündigen, denn zu ihnen zählen ohne Zweifel auch Kempff, Busoni, Schnabel, Friedman, Pollini, Brendel, Solomon, Janis, Ashkenazy, Martha Argerich und Grigory Sokolov – um nur ein paar beim Namen zu nennen. Sie und viele andere fehlen in dieser bald intelligenten, bald launigen Phänomenologie des Klavierspiels, während ein doch herzlich nebensächlicher Altmeister wie Francis Planté vertreten ist. Man muß auf diese unvermeidliche Diskrepanz zwischen Anspruch und realen dokumentatorischen Möglichkeiten hinweisen, zumal auf dem Titelfoto die expressiven Hände Géza Andas abgebildet sind, dessen Spiel aber unberücksichtigt bleibt...

Hat man diese Unannehmlichkeiten wohlwollend registriert, dann regelt sich alles andere wie von selbst, denn die ausgewählten Filme – unter ihnen auch Stummfilmstudien etwa der Hände von Horowitz – ergeben auf hochvirtuosem, sozusagen akrobatischem Terrain ebenso wie im Umfeld intimer Heimpianistik (Edwin Fischer!) ein geradezu ergreifendes Bild von den (Selbst-)Darstellungsmöglichkeiten großer Interpreten und ihrer herausfordernden Künste bis hin zu pädagogisch-missionarischen Initiativen im Sinne eines priesterlich Schumann predigenden Alfred Cortot. Dem Laien wie dem Fachmann erschließen sich in dieser wohlgeordneten Bild- und Themenfolge Haupt- und Nebenwelten des Klavierspiels, zumal die eingestreuten Kommentare – vor allem jene von Rubinstein, Barenboim, Vásáry und Piotr Anderszewski – nichts an Einfühlung, sprachlicher Gewandtheit und Unangefochtenheit des Urteils zu wünschen übrig lassen.

Der Film enthält eine Reihe von bereits bekannten Aufzeichnungen, darunter die "ungarischen" Liszt-Passagen mit Paderewski aus dem amüsanten Hollywood-Spielfilm Moonlight Sonata. Neu für mich indes war ein Dokument mit dem jungen Gilels, wie er erhobenen Hauptes und trommelnder Hände Rachmaninoffs g-Moll-Prélude op. 23,5 an der sowjetrussischen Front zum Besten gibt, umgeben von Panzern und kampflüsternen Soldaten. Solche und viele andere Ausschnitte dienen nicht nur der Charakterisierung von großen Künstlern, sie unterrichten auch über den musiksoziologischen Stellenwert des Klaviers und seiner genialen Handlanger in einer Welt, in der die Musik nur ausnahmsweise völlig unpolitisch ist. Natürlich bekommt man bei der Hör- und Schaulektüre dieses Streifens immer wieder gehörig Appetit, die betreffenden Zuspielungen in größerem Zusammenhang zu erleben, also ungekürzt. In manchen Fällen – wie beispielsweise bei Myra Hess' fabelhaft "moderner" Interpretation der Appassionata – ist dies möglich (Philips LD 070 153-1). Was die zum Teil skurrilen Beispiele mit Edwin Fischer und Alfred Cortot anbelangt, dürfte es bei pianophilen Wunschvorstellungen bleiben.

Peter Cossé † [01.01.2001]

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