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Besprechung CDGioachino Rossini

Gioachino Rossini

Fogli d'album
Anna Bonitatibus • Adele d'Aronzo

Prospero Classical PROSP0145

1 CD • 57min • 2025

04.10.2026

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Klassik Heute
Empfehlung

Sagt jemand „Rossini“, werden die wenigsten Musikliebhaber an Miniaturen denken und doch gibt es neben den Opern auch kleine Kompositionen von wenigen Sekunden bis zu ein paar Minuten Aufführungsdauer. Anna Bonitatibus und Adele D’Aronzo haben sich diese Werke angenommen und präsentieren sie auf ihrer neuesten Produktion „Foglie d’album‟ zum großen Teil als Ersteinspielungen. Anlass für diese Kompositionen war der Eintrag in die Alben von befreundeten Künstlern, Mäzenen, Autogrammjägern oder deren Familien. Beherrschte man die Tricks der italienischen Opernkomponisten, machte man damit mit Sicherheit einen größeren Eindruck als mit der Bouteille für den Gastgeber oder dem Bouquet für die Dame des Hauses.

Das „Album Amicorum“ in Geschichte und Gegenwart

Das Freundschaftsalbum entstand als Erinnerung an gemeinsame Universitätsstudien im akademischen Umfeld des 16. Jahrhunderts. So machte man als späterer Pfarrer durchaus Eindruck, indem man ein Autograph eines der Wittenberger Theologen der Reformation präsentieren konnte.

Nachdem es um 1700 aus der Mode gekommen war, erfuhr es in der Zeit der Empfindsamkeit eine Renaissance im gebildeten Bürgertum. Heute lebt es noch in den Poesiealben der Grundschüler und den Goldenen Büchern der Städte weiter.

Ursprünglich bestanden die Einträge aus einem Gedicht und einer möglichst eigenhändigen Zeichnung, oder einem beim Papierhändler erworbenen Kupferstich, die dann in kunstvoll gestalteten Kassetten aufbewahrt wurden. Rossini dürfte im Jahr 1809 einer der ersten Musiker gewesen sein, der mit Se il vuol la molinara eine eigene Komposition für das Album der Librettistin seiner Oper Demetrio e Polibio, Vincenza Viganò, beisteuerte. Im Gegensatz zu seinen späteren Kollegen und Klavierkomponisten Beethoven (Für Elise, für Maria Szymanowska, für Ferdinand Piringer), Liszt, Schumann, Smetana und Reger schrieb er bis auf zwei Walzer, die unter Schuberts Valses nobles nicht negativ auffielen, ausschließlich Vokales.

Ein Blick in die Komponistenwerkstatt

Rossini griff für diese Gelegenheitskompositionen ein knappes Dutzend Male zu dem Achtsilbler (Ottonario) Mi lagnerò tacendo aus Pietro Metastasios Siroe von 1726, den auch Händel und Mozart vertonten. Der Achtsilbler galt in der Librettistik als elegisches Versmaß für melancholische Arien. Hierzu muss man wissen, dass in der italienischen Oper bis gegen 1830 die Melodiebildung mit der Silbenzahl der Verse gekoppelt war, damit einer bestehenden Lieblingsarie der Primadonna schnell zur Handlung passende Verse unterlegt werden konnten, ohne dass die musikalische Substanz geändert werden musste. Rossini kehrte diesen Prozess um und vertonte die Verse mal in Dur (Track 25), mal in Moll (Track 33) mal als elegisches Andantino (Track 13), mal als frechen Bolero (Track 14). Ob es sich bei dem Text, der mit „Ich werde schweigend klagen“ beginnt, womöglich um eine humorvolle Kritik an der, dem Feinschmecker nicht behagenden Speisenfolge handelt?

Stilgefühl und Stimmkultur

Anna Bonitatibus singt diese teils durchaus anspruchsvollen „Kleinigkeiten“ mit reichem lyrischen Mezzosopran und dem Stilgefühl der erfahrenen Rossini- und Barock-Interpretin. Da sitzt jede Note und alles klingt herrlich unprätentiös und vor allem völlig unangestrengt. Kompliment auch an ihre Pianistin Adele D’Aronzo für die schwungvollen Walzer und die Plainte von Ninette Nicolò, die Rossini mit einem eigenhändigen Titelblatt und dynamischen Bezeichnungen versah – ein Notturno, dass in seinen Fiorituren Chopins Andante spianato nahesteht.

Das Booklet mit ausführlichen Einführungstexten von Anna Bonitatibus beschreibt den Hintergrund jeder einzelnen Komposition erschöpfend. Das kann man nicht besser machen! Die Aufnahmetechnik hält dem hohen Niveau von Interpretation und Booklet vollauf stand.

Fazit: Ein Muss für Freunde des Belcanto und für Hörer, die einmal einen Blick in Rossinis „Trickkiste“ werfen wollen. Klare Empfehlung!

Thomas Baack [04.10.2026]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Gioachino Rossini
1Se il vuol la mulinara 00:02:21
2Apprendete, o cari amanti (Canzonetta) 00:00:57
3Quai voci, quai note 00:02:02
4Chi m'ascolta il canto usato (Canzonetta) 00:02:20
5Infelice che io son (1821) 00:01:03
6Infelice che io son (1822) 00:00:58
7Arietta spagnuola 00:02:22
8Un'empia mel rapì 00:00:54
9Preghiera nuova 00:02:17
10Chant romain 00:01:39
11Amori scendete 00:01:52
12La Passegiata 00:04:09
13Mi lagnerò tacendo D-Dur 00:01:37
14Mi lagnerò tacendo d-Moll (Bolero) 00:00:22
15Mi lagnerò tacendo F-Dur (Allegretto) 00:01:19
16Mi lagnerò tacendo B-Dur 00:00:23
17Odia pastorella (Canzonetta) 00:01:14
18Mi lagnerò tacendo As-Dur (Rossini-Carafa) 00:00:42
19Pensée pour l'album de la princesse Hercolani As-Dur 00:00:55
20Mi lagnerò tacendo As-Dur 00:01:06
21Walzer Es-Dur (E. Puerari) 00:02:30
22L'esule 00:02:53
23Walzer Es-Dur (C. Rothschild) 00:02:20
24Per la collezione della Biblioteca Reale di Berlino 00:00:44
25Mi lagnerò tacendo F-Dur (Allegretto moderato) 00:00:38
26Vivace Es-Dur 00:02:27
27Tutta Forza, e pieno Petto, senza Freno 00:00:19
28La Francesca da Rimini (Dramatisches Rezitativ nach einem Text von Dante, 2. Vers) 00:02:07
29La separazione (Melodia drammatica) 00:04:19
30Un'empia mel rapì C-Dur 00:00:23
31Mi lagnerò tacendo G-Dur (Al Maestro de' Maestri) 00:00:36
32Mi lagnerò tacendo G-Dur (A Mad.lle Nau) – Moderato 00:00:49
33Mi lagnerò tacendo D-Dur 00:00:39
Ninette Nicolò
34La Plainte 00:05:30

Interpreten der Einspielung

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