Wiederentdeckte Händel-Kantate liegt auf CD vor
Es ist eine Seltenheit, dass Kompositionen von Georg Friedrich Händel wiederentdeckt werden. Aber genau dies ist 2015 geschehen, als der Musikwissenschaftler John H. Roberts eine Manuskriptsammlung von Ton Koopman sichete und dabei eine unbekannte und in großen Teilen abweichende Version der Kantate „Tu fedel? Tu costante?“ fand. Gemeinsam mit anderen italienischen Kantaten, ist diese Weltersteinspielung jetzt unter Ton Koopman bei Challenge Classics erschienen.
Die Sammlung historischer Quellen Ton Koopmans ist wirklich atemberaubend. Den neuesten Beweis liefert der Fund einer zweiten Version der Händel’schen Kantate ‚Tu fedel? Tu costante?’, die John H. Roberts in einem der Manuskripte entdeckte, welche in großen Teilen von der bekannten Fassung HWV 171 abweicht. Die authentische Edition der Kantate enthält drei neue Arien, die in ihrem Stil unmissverständlich Händel zuzuschreiben sind und darüber hinaus musikalische Ideen anderer Werke des Komponisten enthalten, darunter auch ‚Almira’.
HWV 171a wurde wahrscheinlich in Venedig oder Florenz in der Zeit vor seiner ersten Ankunft in Rom am Ende des Jahres 1706 komponiert. HWV 171 wurde im Mai 1707 vollendet. Es hat den Anschein, als ob Händel den Text das zweite Mal so unterschiedlich vertont hat, weil ihm die erste Fassung nicht vorlag.
Das Manuskript von HWV 171 legt nahe, dass er begann, die Kantate in Norditalien zu kopieren, aber aus welchen Gründen auch immer zu Anfang des zweiten Rezitativs die Arbeit abgebrochen hat. Als er dann die Kantate in Rom zur Aufführung bringen wollte, besaß er offenbar das Original nicht mehr und musste die Kantate deshalb zu großen Teilen noch einmal komponieren. Auf diese Weise hat Händel den Text gewissermaßen neu interpretiert. Händels unterschiedliche Interpretation des Texts hatte vielleicht auch mit den unterschiedlichen Persönlichkeiten der Sängerinnen zu tun, für die er komponierte. In Rom war das wahrscheinlich Margarita Durastante, die später die Titelrolle in seiner venezianischen Oper Agrippina (1709) sang. Leider wissen wir nicht, wer HWV 171a in Florenz oder Venedig gesungen hat. Parallel zur Aufnahme erscheint eine Edition von HWV 171a bei der Hallischen Händel-Ausgabe.
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