Die 1989 in Armenien geborene Pianistin Nareh Arghamanyan hat zum Thema „Frühling“ eine Reihe von Klavierstücken auf dieser CD versammelt, Bekanntes wie Unbekanntes, Gehaltvolles wie eher Beiläufiges. Insgesamt ist es eine inspirierende Zusammenstellung, die den Hörer mit fast unbekannten Komponisten bekannt macht und ihn weiter forschen lässt. Wer kennt schon Paul Lindner oder Frédéric Meinders, einen recht produktiven holländischen Pianisten und Komponisten, Mel Bonis (eine französische Komponistin aus dem 19. Jahrhundert) und wer hat schon auf dem Schirm, dass der Geiger Josef Suk auch Klaviermusik komponiert hat?
Natürlich weiß man, dass Carl Loewe als „pommerscher Balladenkönig“ nicht nur Balladen komponiert hat, auch wenn es über 400 an der Zahl sind – Loewe war in erster Linie Kirchenmusiker: Geboren als Sohn eines Kantors und Organisten, hat er Theologie studiert und sich gleichzeitig als Kirchenmusiker ausbilden lassen und wurde Kantor und Organist an der Jakobikirche in Stettin – und blieb dies stolze 46 Jahre. Sein Herz ruht in einer vergoldeten Kapsel in der Höhlung einer großen Orgelpfeife „seiner“ Orgel. Neben seinen Balladen hat er immerhin sechs Opern, zwei Sinfonien, zwei Klavierkonzerte sowie Kammermusik geschaffen, aber auch siebzehn (oder achtzehn, da sind die Biografen sich nicht einig) Oratorien, darunter auch Palestrina. Wissen ist eines, aber hörbares Erfahren ein anderes. So ist es eine meisterliche Tat, dass der Dirigent Tristan Meister diesen Palestrina der Vergessenheit entrissen hat. Aus einem Konzert in der Christuskirche Mannheim, das gewiss eine Erstaufführung, vielleicht sogar eine Uraufführung war, entstand diese höchst beachtliche Aufnahme.
Im Mittelpunkt der neuen CD mit dem 1996 in Hamburg geborenen Pianisten Anton Gerzenberg steht Maurice Ravel. Dessen ironisch gemeinte Absicht, ein schwierigeres Klavierstück zu schreiben als Mili Balakirew mit seiner Fantaisie orientale Islamey, mag den jungen Interpreten herausgefordert haben zu einem Programm, das von technischen Hürden nur so strotzt. Doch maßgebend für die Qualität der „Reflections“ ist das Einfühlungsvermögen in eine Musik, die durch reiche, einzigartige Klangfantasie bestimmt ist und deren Virtuosität niemals Selbstzweck ist.